Vorurteile bestimmen Wahrnehmung von Übergewichtigen
Liegt ein dünner Mensch auf der Couch und sieht fern, so ruht er sich aus. Ein dicker Mensch hingegen ist faul und unmotiviert, zumindest in den Augen des Betrachters. Dass es derartige Unterschiede in der Wahrnehmung gibt, haben Forscher nun festgestellt.
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"Nur Dicke sind auf dem Sofa faul"
"Ebenso, wie Übergewichtige nicht automatisch unsportlich sind, sind Dünne nicht fit und gesund. Man muss sich solche Stereotypen bewusst machen, um ihre Folgen abwehren zu können", erklärt Studienleiterin Tanya Berry von der University of Alberta.
Für den Versuch wurde eine bekannte psychologische Testmethode eingesetzt. Freiwillige betrachteten eine Bilderreihe, wobei nach jedem Foto ein Wort wie etwa "faul" aufschien. Es galt anzugeben, welche Farbe die Schrift hatte, wobei die Forscher allein die Reaktionszeit interessierte.
Bei Fotos von Übergewichtigen auf der Couch war diese länger, was auf das Vorhandensein des Faulheit-Stereotyps im Gehirn schließen lässt, das die Konzentration auf die Schriftfarbe kurz ablenkt.
"Unter den Vorurteilen über Übergewichtige sind nur wenige positive wie etwa der gemütliche und fröhliche Charakter", berichtet die Freiburger Psychologin Anja Hilbert.
Hilbert erforschte jahrelang an der Universität Marburg die Stigmatisierung von adipösen Menschen. Sichtbar wurde dabei eine ganze Reihe negativer Stereotypen. "Übergewichtige werden als faul, undiszipliniert, zügellos, willensschwach, genusssüchtig und wenig leistungsbereit gesehen", so die Forscherin. Dazu kommen noch Vorurteile, die die Körperästhetik betreffen.
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