Westliche Kulturen diskriminieren stärker
Die Bewertung von Übergewicht ist durchaus kulturell bestimmt. In industrialisierten Ländern, in denen Leistung und Erfolg überbetont werden, ist das Schlankheitsideal am meisten verbreitet, was zugleich eine Beurteilung des Übergewichts als "nicht wünschenswert" bedeutet.
"In Schwellenländern wie etwa Mexiko sind die Zuschreibungen weit weniger negativ", erklärt Hilbert. Der gesellschaftliche Umgang scheint nicht besser zu werden, denn einer Wiederholungsstudie zufolge wollen Kinder heute weniger mit übergewichtigen Gleichaltrigen spielen als vor 30 Jahren.
Dass westliche Industriestaaten Übergewichtige derart stigmatisieren, führt Hilbert auf die Tendenz der Menschen zurück, stets die Ursache unerwünschter Ereignisse zu suchen. "Sieht man Übergewichtige, verbindet man mit ihnen sofort ein Fehlverhalten.
Die Wissenschaft kann jedoch zeigen, dass das nicht angemessen ist. Spielen doch nachweislich auch die Genetik, die Verfügbarkeit von gesunder Nahrung, Zeitknappheit und Stress eine Rolle. Diese Faktoren haben Menschen nur teilweise selbst in der Hand", betont die Psychologin.