Atem-/Kreislaufstillstand bei Kindern

Auffinden eines verunglückten KindesAtemkontrolleAtemspendeHerz-Lungen-Wiederbelebung

Die Maßnahmen bei Bewusstlosigkeit, Atem- und Kreislaufstillstand von Kindern oder Säuglingen sind vom Prinzip her mit denen für Erwachsene vergleichbar. In der Durchführung gibt es allerdings einige wesentliche Unterschiede.

Bei Säuglingen und Kleinkindern zu beachten!

Beim Erwachsenen soll der Notruf sofort erfolgen, sobald die Bewusstlosigkeit festgestellt wurde - bei Kindern soll man (wenn man als Helfer alleine ist), erst die Atmung kontrollieren und gegebenenfalls die Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen. Nach einer Minute Herz-Lungen-Wiederbelebung ist dann der Notruf durchzuführen.
Beatmung und Herzdruckmassage sind bei Kindern und Säuglingen anders durchzuführen als beim Erwachsenen.

Auffinden eines verunglückten Kindes

Sind zwei oder mehr Helfer anwesend, führt einer sofort den Notruf durch. Ist nur ein Helfer am Ort, muss er sich erst um das Kind kümmern und den Notruf später durchführen.
Das Kind wird laut angesprochen und gegebenenfalls (etwas) gerüttelt. Zeigt das Kind keine Reaktion, ist es bewusstlos.
Nun wird der Kopf überstreckt, um die Atemwege frei zu machen. Dazu legt man eine Hand auf die Stirn des Kindes, zwei Finger der anderen Hand liegen am Unterkiefer an und ziehen diesen nach oben und gleichzeitig nach hinten.

Achtung: Bei Säuglingen nicht den Kopf überstrecken.Es reicht aus, Kopf, Hals und Schulter in eine waagerechte Linie zu bringen, sodass der Kopf in Normalstellung liegt. Eine weiter gehende Überstreckung sollte nur (vorsichtig) versucht werden, wenn sich beim Beatmen die Bauchdecke nicht bewegt.

Dann ist die Atmung zu kontrollieren.

Atemkontrolle

Man hält eine Wange dicht über Mund und Nase des Kindes. Dabei blickt man in Richtung Brustkorb. Nun kann man

  • fühlen, ob ein Luftstrom aus Mund oder Nase kommt;
  • hören, ob es Atemgeräusche gibt;
  • sehen, ob sich der Brustkorb bzw. die Bauchdecke bewegt.

Ist dies der Fall, wird das Kind in die stabile Seitenlage gebracht. Anschließend wird der Notruf durchgeführt, falls er nicht schon erfolgt ist. Bewusstsein und Atmung werden bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes ständig kontrolliert.

  • Achtung: Säuglinge werden nicht in die stabile Seitenlage gebracht.
  • Es reicht aus, sie auf den Bauch zu legen, die Arme zum Kopf hin anzuwinkeln und den Kopf leicht zu überstrecken ("Schnüffelstellung").

Ist keine Atmung feststellbar, wird das Kind dreimal beatmet. Die Atemspende hat bei Kindern Vorrang vor dem Notruf!

Atemspende

Dabei ist das Atemvolumen an die Größe des Kindes anzupassen. Bei kleinen Kindern reicht schon die Luftmenge aus, die ein Erwachsener in den Backen halten kann.

Faustregel: Mit einem Mal Einatmen kann ein Erwachsener einen Säugling oder ein Kleinkind viermal beatmen.

Der Atem wird langsam eingeblasen (Dauer: etwa 1 bis 2 Sekunden).

  • Bei Kindern im ersten Lebensjahr kann der Helfer in der Regel Nase und Mund mit seinem Mund umschließen. Dann ist die Beatmung als Mund zu Mund-Nase durchzuführen.
  • Größere Kinder werden mit der Mund-zu-Nase- oder Mund-zu-Mund-Beatmung beatmet.
  • Säuglinge werden mit einer Frequenz von etwa 40 Atemstößen pro Minute beatmet.
  • Kleinkinder werden mit einer Frequenz von etwa 30 Atemstößen pro Minuten beatmet.

Wie bei der Beatmung Erwachsener hebt der Helfer nach jedem Atemstoß den Kopf an und sieht, ob sich Bauchdecke und Brustkorb wieder senken. Wenn dies nicht geschieht, muss der Mundraum auf mögliche Fremdkörper kontrolliert werden.
Nach dreimaligem Beatmen wird kontrolliert, ob das Kind atmet, hustet oder sich bewegt. Ist dies der Fall, wird es in die stabile Seitenlage gebracht. Wenn noch kein Notruf durchgeführt wurde, ist er jetzt zu tätigen. Bewusstsein und Atmung werden bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes ständig kontrolliert.

Achtung: Säuglinge werden nicht in die Stabile Seitenlage gebracht. Es reicht aus, sie auf den Bauch zu legen, die Arme zum Kopf hin anzuwinkeln und den Kopf leicht zu überstrecken ("Schnüffelstellung").

Wenn keine Lebenszeichen (Atmung, Husten, Bewegung) wahrnehmbar sind, ist von Herz-Kreislauf-Stillstand auszugehen. Dann ist umgehend mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung zu beginnen. Diese hat Vorrang vor dem Notruf! 

Herz-Lungen-Wiederbelebung

Das Kind muss auf eine harte Unterlage gebracht werden. Anschließend wird der Druckbereich aufgesucht:

  • Bei Säuglingen liegt er auf dem Brustbein gut einen Finger breit unterhalb der Brustwarzen.
  • Bei Kindern bis acht Jahre liegt er knapp einen Finger breit oberhalb des Brustbein-Endes (Schwertfortsatz).
  • Bei älteren Kindern ist der Druckbereich so aufzusuchen wie beim Erwachsenen.

Bei Kindern ist die Herzdruckmassage nicht ruckartig, sondern eher weich und gleichmäßig durchzuführen.

  • Bei Säuglingen erfolgt die Herzdruckmassage mit zwei Fingern: Zeige- und Mittelfinger bzw. Mittel- und Ringfinger.
  • Bei Kindern bis acht Jahre wird die Herzdruckmassage mit dem Handballen einer Hand durchgeführt.
  • Bei älteren Kindern wird die Herzdruckmassage mit beiden Händen (Handballen) durchgeführt.

Der Brustkorb muss um etwa ein Drittel seiner Höhe eingedrückt werden, um eine Pumpwirkung des Herzens zu erreichen. Das sind

  • beim Säugling etwa 2 cm,
  • beim Kleinkind etwa 3 cm.

Das Herz von Kindern schlägt schneller, je jünger sie sind. Dementsprechend ist die Frequenz für die Druckmassage zu wählen.

  • Bei Säuglingen: 120 bis 140 pro Minute (d.h. etwas schneller als zwei Druckstöße pro Sekunde).
  • Bei Kleinkindern: 100 bis 120 pro Minute (d.h. etwas langsamer als zwei Druckstöße pro Sekunde).
  • Bei Kindern über acht Jahre: etwa 100 pro Minute wie bei Erwachsenen.

Nach jeweils 15 Massagestößen wird das Kind zweimal beatmet, ein Säugling dreimal. Dieses Verhältnis von 15 : 2 (bzw. 15 : 3) ist auch anzuwenden, wenn zwei Helfer anwesend sind und der eine die Druckmassage, der andere die Beatmung übernimmt.
Ist nur ein Helfer anwesend, muss die Herz-Lungen-Wiederbelebung nach einer Minute unterbrochen werden, um den Notruf abzusetzen.
Die Herz-Lungen-Wiederbelebung kann beendet werden, wenn ...

  • die Atmung wieder einsetzt. Dann wird die stabile Seitenlage durchgeführt (Achtung: nicht beim Säugling).
  • der Rettungsdienst die Versorgung übernimmt.
  • ein Arzt die Beendigung anordnet.