Notfälle bei Diabetikern

UnterzuckerungÜberzuckerung

In Deutschland sind ca. 3 % der Bevölkerung (etwa 2,5 Millionen Menschen) von der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) betroffen. Bei ihnen ist der Zuckerstoffwechsel gestört.

Sofort handeln!

Diabetiker müssen Insulin (ein Hormon, das den Blutzuckerspiegel senkt) spritzen oder regelmäßig bestimmte Medikamente einnehmen sowie besondere Ernährungsregeln beachten.
Gerät der Blutzuckerspiegel außer Kontrolle, kann es zu lebensbedrohlichen Zuständen kommen:

  • Unterzuckerung (Hypoglykämie)
  • Überzuckerung (Hyperglykämie)

Dabei ist die Unterzuckerung häufiger. Beide Zustände erfordern sofortiges Handeln. 

Unterzuckerung

Eine Unterzuckerung kann entstehen, wenn der Diabetiker zu viel Insulin gespritzt bzw. zu wenig Kohlenhydrate zu sich genommen hat. Der Blutzuckerspiegel sinkt unter den Mindestwert ab.
Im schwersten Fall droht ein Insulinschock, der innerhalb weniger Minuten zu bleibenden Hirnschäden und zum Tod führt. Der Betroffene hat Angst. Dadurch verbraucht der Organismus noch mehr Zucker, was den Insulinschock weiter verstärkt.
Im Straßenverkehr kann ein Unterzuckerungszustand zu Fehlverhalten und damit zu Unfällen führen. Achtung: Der Betroffene gerät bei Unterzuckerung in einen Zustand von Verwirrtheit und Aggressivität, der leicht mit Trunkenheit verwechselt werden kann!

Anzeichen:

Erste Anzeichen für Unterzuckerung sind:

  • Gefühl von Schlappheit
  • Konzentrationsstörungen
  • Unruhe, Nervosität
  • Zittern und Schweißausbrüche
  • Heißhunger
  • Blässe
  • Doppelsehen
  • Verwirrtheit
  • Aggressivität

Wenn der Betroffene in diesem Zustand keinen Zucker zu sich nimmt, kommt es zu Krampfanfällen und Bewusstlosigkeit.

Maßnahmen:

Bei den Anzeichen für eine Unterzuckerung muss geklärt werden, ob der Betroffene tatsächlich Diabetiker ist.

  • Betroffenen bzw. Angehörige fragen.
  • Nach Hinweisen wie Diabetikerausweis, Notfallausweis, Notfallkapsel oder Armband mit Gravur suchen.
  • Dem Betroffenen sofort Traubenzucker oder zuckerhaltige Lebensmittel bzw. Getränke geben. Diabetiker tragen in der Regel Traubenzuckertabletten bei sich.
  • Bei schwerer Unterzuckerung: Dem Betroffenen ein Stück Zucker in die Backentasche legen und von außen gegen die Backenzähne drücken.
  • Bei verschlechtertem Zustand, Aggressivität und Verwirrtheit sowie Schluckschwierigkeiten oder Bewusstlosigkeit: Nichts zu essen oder zu trinken geben.
  • Hinweis: Angehörige von Diabetikern sind häufig darauf vorbereitet, dem Betroffenen bei schwerer Unterzuckerung das Hormon Glukagon zu spritzen, das den Blutzuckerspiegel erhöht.
  • Bei Bewusstlosigkeit und vorhandener Atmung: stabile Seitenlage durchführen, Atmung kontrollieren und gegebenenfalls die nötigen Maßnahmen durchführen.
  • In jedem Fall: Notruf. Dabei muss man der Leitstelle die Anzeichen der Unterzuckerung sowie Informationen aus dem Notfallausweis mitteilen.
  • Der Betroffene muss auch dann ärztlich behandelt werden, wenn es ihm nach der Einnahme von Zucker wieder besser geht.

Überzuckerung

Die Überzuckerung ist deutlich seltener als die Unterzuckerung und tritt z.B. nach Ernährungsfehlern, Vergessen der Insulinspritze oder Infektionen sowie Unfällen auf.
Der Blutzuckerspiegel steigt zu hoch an, der Betroffene kann in eine tiefe Bewusstlosigkeit, das so genannte Zuckerkoma, fallen.

Anzeichen:

  • Starker Durst.
  • Häufiges Wasserlassen.
  • Übelkeit und Erbrechen.
  • Tiefe Atmung des Betroffenen.
  • Der Atem des Betroffenen riecht nach Obst bzw. Wein (Acetongeruch).

Maßnahmen:

  • Notruf.
  • Bei Bewusstlosigkeit: stabile Seitenlage durchführen, Atmung kontrollieren.