Was tun bei Verkehrsunfällen?

Absichern der UnfallstelleGefahren | Rettung aus dem KraftfahrzeugRautek-Griff | Abnehmen eines Helmes

Bei Unfällen im Straßenverkehr sind einige Besonderheiten zu beachten, die hier vorgestellt werden: Sie betreffen die Sicherheit der Helfer und der Verletzten sowie die Rettung von verletzten Insassen eines Kraftfahrzeugs und das Abnehmen eines Helmes.

Absichern der Unfallstelle

Das Absichern einer Unfallstelle ist für die Sicherheit der Betroffenen und des Helfers sehr wichtig.  

Sind im Fahrzeug des Helfers mehrere Personen unterwegs, sollten einer der Insassen die Aufgabenverteilung übernehmen.
Wer mit einem Kraftfahrzeug an eine Unfallstelle heranfährt, sollte:

  • sofort die Warnblinkanlage einschalten, um nachfolgende Fahrzeuge zu warnen
  • möglichst vorsichtig abbremsen, um keinen Auffahrunfall zu verursachen
  • bereits vor der Unfallstelle halten (ca. 10 m Abstand), um diese abzusichern und sie bei Dunkelheit mit seinen eigenen Scheinwerfern beleuchten zu können
  • mit einem Warndreieck und gegebenenfalls einer Warnblinkleuchte dem nachfolgenden Verkehr entgegenlaufen
  • die Warnzeichen in ausreichendem Abstand vom Unfallort (bei schnellem Verkehr ca. 100 m) auf der Fahrbahn aufstellen (ca. 70 cm Abstand vom Straßenrand). Liegt die Unfallstelle hinter einer Kuppe oder Kurve, muss das Warnzeichen bereits vor der Kuppe bzw. Kurve aufgestellt werden, empfehlenswert sind zwei Warnzeichen.
  • den Verkehr zum Langsamfahren auffordern: Einen Arm in halber Körperhöhe auf- und ab bewegen
  • weitere Verkehrsteilnehmer um Mithilfe bitten (z.B. Notruf, Warnung des Gegenverkehrs)
  • auch den Gegenverkehr warnen (z.B. durch ein weiteres Warnzeichen mindestens 100 m von der Unfallstelle in Gegenrichtung, eventuelle Kuppen und Kurven beachten).

Gefahren bei Verkehrsunfällen

Wenn Menschen aus einem Unfallfahrzeug gerettet werden müssen, sollte der Helfer auch an seine eigene Sicherheit denken.
Wenn z.B. Benzin ausläuft, besteht akute Brandgefahr! Die elektrische Anlage des Fahrzeugs, laufende Motoren und brennende Zigaretten können einen Brand auslösen.
Daher sollte der Motor des verunglückten Fahrzeugs ausgeschaltet werden (Zündschlüssel nach links drehen und stecken lassen) - und es gilt Rauchverbot in der Umgebung der Unfallstelle. Eventuell vorhandene Feuerlöscher sind bereit zu halten. Bei der Benutzung sind die aufgedruckten Hinweise zu beachten.
Pulverlöscher sind auch zum Löschen brennender Personen geeignet, dabei sollte der Feuerlöscher jedoch nicht direkt auf das Gesicht des Betroffenen gerichtet werden.
In bestimmten Fällen ist eine Rettung der Verunglückten nur durch Fachpersonal möglich.

Rettung aus dem Kraftfahrzeug

Um Verletzte in einem Kraftfahrzeug zu erreichen, dürfen auch Scheiben eingeschlagen werden. Allerdings ist dabei darauf zu achten, dass die Insassen dadurch nicht noch mehr verletzt werden.
Besonders ist hier auf Airbags zu achten: Ob ein Fahrzeug mit Airbags ausgerüstet ist, lässt sich an Aufschriften wie "SRS" oder "AIRBAG" auf dem Lenkrad, vor dem Beifahrersitz oder am Türholm erkennen.
Wenn die Airbags ausgelöst haben, besteht kein Problem. Gibt es jedoch Grund zu der Annahme, dass vorhandene Airbag-Systeme nicht ausgelöst haben, sollten die folgenden Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden, um ein nachträgliches Auslösen zu vermeiden:

  • Zündung ausschalten (Schlüssel stecken lassen), wenn möglich: beide Batteriekabel abklemmen bzw. durchtrennen.
  • Beschädigungen der Airbag-Module, z.B. durch Schneiden oder Bohren, vermeiden.
  • Bei Rettungsarbeiten Kopf und Oberkörper aus dem Wirkbereich des Airbags fernhalten.

Wenn die Verunglückten eingeklemmt sind, muss sofort technische Hilfe angefordert werden. Bis zum Eintreffen muss der Verletzte so gut es geht von außen versorgt und betreut werden. Bei Bewusstlosigkeit muss er im Fahrzeug in die Seitenlage gebracht werden.

Rautek-Griff bei Fahrzeuginsassen

Wenn sich die Insassen eines Unfallfahrzeuges in akuter Gefahr befinden, können sie auch hier mit dem Rettungsgriff gerettet werden.
So bringt man den Griff bei einem Fahrzeuginsassen an:

  • Die Fahrzeugtür wird geöffnet. Der Betroffene wird beobachtet und angesprochen.
  • Der Sicherheitsgurt wird gelöst. Falls das nicht möglich ist, wird er zerschnitten. Falls auch dies nicht möglich ist, wird der Sitz zurückgestellt, um den Gurt über den Verletzten hinweg ziehen zu können.
  • Die Füße des Verletzten müssen befreit werden. Sie könnten z.B. unter den Pedalen eingeklemmt sein.
  • Der Helfer legt jetzt einen Arm um den Verletzten und fasst dessen Hüfte und zieht sie zu sich heran. Mit der anderen Hand drückt er gleichzeitig seitlich gegen die Knie des Verletzten. So wird der Verletzte gedreht, dass er mit dem Rücken zur Tür sitzt.
  • Nun kann der Helfer unter den Achselhöhlen hindurch den Rettungsgriff anwenden: einen Unterarm von oben fassen, den Verletzten durch Gewichtsverlagerung auf die Oberschenkel ziehen, rückwärts gehend aus dem Fahrzeug ziehen.
  • Achtung: Darauf achten, dass die Füße des Verletzten nicht hängen bleiben oder auf dem Boden aufschlagen. Wenn ein zweiter Helfer anwesend ist, sollte dieser die Füße des Verletzten aus dem Fahrzeug heben.

Abnehmen eines Helmes

Ist ein Motorradfahrer verunglückt, sollte ihm der Helm gelassen werden, so lange er bei Bewusstsein ist.
Ist er jedoch bewusstlos, muss der Helm abgenommen werden, um die stabile Seitenlage oder eine eventuell nötige Atemspende durchführen zu können.

Vor dem Abnehmen des Helms ist der Notruf durchzuführen.

Das Abnehmen des Helms sollte durch zwei Helfer erfolgen. Dabei ist besonders darauf zu achten, dass die Halswirbelsäule geschont wird, um eventuelle Verletzungen in diesem Bereich nicht zu verschlimmern:

  • Der Motorradfahrer liegt auf dem Rücken.
  • Der erste Helfer kniet oberhalb des Kopfes des Verletzten. Er streckt den Hals, indem er mit beiden Händen Helm und Unterkiefer umfasst.
  • Der zweite Helfer kniet seitlich neben dem Kopf des Verletzten. Er klappt das Visier auf, nimmt dem Verunglückten gegebenenfalls die Brille ab und macht das Gesicht, insbesondere den Mund, von einer eventuellen Kopfhaube frei. Die Brille sollte dem Verletzten ins Krankenhaus mitgegeben werden.
  • Der zweite Helfer öffnet den Kinnriemen und übernimmt anschließend die Streckung des Halses. Dazu fasst er mit beiden Händen so weit wie möglich seitlich unter den Helm. Der Daumen sollte vor dem Ohr, die Finger hinter dem Ohr liegen.
  • Der erste Helfer zieht nun den Helm vorsichtig ab (besonders auf die Nase achten). Der zweite Helfer stützt dabei den Kopf des Verletzten, sodass er nicht auf dem Boden aufschlägt.
  • Wenn der Helm abgenommen ist, übernimmt wieder der erste Helfer den Kopf des Verletzten. Dabei liegen die Daumen auf den Wangenknochen, die Zeigefinger unter dem Kinn und die übrigen Finger am Kieferwinkel. Mit diesem Griff kann der Unterkiefer gleichmäßig hochgezogen werden.
  • Wenn der Verletzte eindeutig erkennbar atmet, ist eine spezielle Atemkontrolle nicht notwendig. Ist nicht sicher, ob der Verletzte atmet, führt der zweite Helfer die Atemkontrolle durch.
  • Atmet der Verunglückte nicht:Atemspende und gegebenenfalls Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführen.
  • Atmet er, führt der zweite Helfer die stabile Seitenlage durch. Der erste Helfer behält dabei den Kopf des Verletzten in den Händen und dreht ihn vorsichtig bei gestreckter Halswirbelsäule mit.


Abnehmen des Helmes durch einen Helfer

Wenn nur ein Helfer am Unfallort ist, muss er dem verunglückten Zweiradfahrer gegebenenfalls alleine den Helm abnehmen.

  • Vor dem Abnehmen des Helms ist der Notruf durchzuführen.
  • Der Helfer kniet seitlich neben dem Kopf des Verletzten. Er klappt das Visier auf, nimmt dem Verunglückten gegebenenfalls die Brille ab und macht das Gesicht, insbesondere den Mund, von einer eventuellen Kopfhaube frei. Die Brille sollte dem Verletzten ins Krankenhaus mitgegeben werden.
  • Der Helfer öffnet vorsichtig den Kinnriemen und wechselt dann seine Position.
  • Der Helfer kniet jetzt oberhalb des Kopfes des Verletzten. Er streckt dessen Hals, indem er mit beiden Händen Helm und Unterkiefer umfasst.
  • Der Helfer zieht nun den Helm vorsichtig in Längsrichtung ab (besonders auf die Nase achten), bis der Hinterkopf frei liegt.
  • Nun stützt er mit der einen Hand den Hinterkopf und zieht mit der anderen Hand den Helm vollständig ab.
  • Anschließend legt der Helfer den Kopf des Verletzten vorsichtig ab und wechselt wieder seine Position, wobei der den Kopf des Verunglückten fest hält.
  • Der Helfer kniet wieder neben dem Betroffenen, sodass er die Atmung kontrollieren kann.
  • Wenn der Verletzte eindeutig erkennbar atmet, ist eine spezielle Atemkontrolle nicht notwendig. Ist nicht sicher, ob der Verletzte atmet, wird die Atemkontrolle durchgeführt.
  • Atmet der Verunglückte nicht: Atemspende und gegebenenfalls Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführen.
  • Atmet der Verunglückte, wird er vorsichtig in die stabile Seitenlagegebracht. Dabei ist darauf zu achten, dass der Kopf möglichst mitgedreht wird.