Abnehmen mit Medikamenten und Präparaten

Das Prinzip

Weltweit werden jährlich mehr als zehn Milliarden Euro für Schlankheitsmittel ausgegeben. Dabei gibt es nicht nur hilfreiche Mittel, sondern auch viele, die die Gesundheit gefährden können.

Deshalb wurden in den letzten Jahren auch bereits zugelassene Präparate wieder vom Markt genommen, die beispielsweise die Wirkstoffe Rimonabant oder Sibutramin enthalten. Allerdings stecken beide Wirkstoffe noch in dubiosen Schlankpillen aus dem Internet.

Umstrittene Substanzen stecken zudem auch in Produkten, die als rein pflanzlich beworben werden. So z.B. Ephedrin, das aus der europäischen Eibe gewonnen wird und dem Adrenalin ähnlich ist. Es soll appetithemmend wirken - ist aber mit starken Nebenwirkungen verbunden, weshalb es nur noch in Ausnahmefällen eingesetzt wird.

Verbraucherschützer warnen dringend vor Schlankpillen aus den endlosen Weiten des WorldWideWeb, da diese unzulänglich gekennzeichnet sind und schwere Nebenwirkungen hervorrufen können.

Hilfreich im Zusammenhang mit einer Ernährungsumstellung und mehr Bewegung sind die Wirkstoffe Orlistat und Chitosan, die beispielsweise in alli, Orlistat-ratiopharm, Xenical (verschreibungspflichtig) oder Formoline L112 enthalten sind.

Diese Wirkstoffe blocken die Fettaufnahme im Magen-Darm-Trakt, so dass weniger Fett vom Körper aufgenommen wird. Allerdings funktioniert dies nur, wenn auch insgesamt weniger Fett verzehrt wird.

Ein anderes Prinzip verfolgen so genannte Sättigungsprodukte, die beispielsweise Alginat, Konjakextrakt oder Guarmehl enthalten. Diese sollen im Magen auf mechanische Weise ein Sättigungsgefühl erzeugen, so dass weniger gegessen wird.

Wie reagiert der Körper?

Produkte mit dem Wirkstoff Orlistat sollen den Gewichtsverlust für Übergewichtige ab einem BMI von 28 erleichtern. Orlistat hemmt fettspaltende Enzyme, die im Darm vorkommen. So kann nur circa ein Drittel des Nahrungsfettes verwertet werden. Der Rest der verzehrten Fettmenge wird unverdaut wieder ausgeschieden.

Allerdings ist Orlistat ein nebenwirkungsreicher Wirkstoff, der zu Blähungen, Durchfall oder öligem Stuhl führen kann. Bei fettreicher Nahrung wird der Fettanteil im Stuhl extrem hoch - weshalb die Einnahme des Fettblockers nur im Rahmen einer deutlich fettreduzierten Ernährung erträglich ist.

Während das verschreibungspflichtige Xenical 120 mg Orlistat pro Kapsel enthält, sind es beim rezeptfreien alli oder Orlistat-ratiopharm nur 60 mg. Bei den beiden letztgenannten handelt es sich jedoch nicht allein um eine Diätpille, sondern deren Einnahme ist eingebettet in ein Konzept aus fettreduzierter Ernährung und mehr körperlicher Bewegung.

Da durch die Kapseln auch die Aufnahme fettlöslicher Vitamine (D, E, K, Beta-Karotin) reduziert wird, sollten begleitend zu einer längeren Therapie mit Orlistat Multivitaminpräparate eingenommen werden.

Die Therapie sollte unter ärztlicher Begleitung durchgeführt werden - und ist nur bei sehr hohem Übergewicht oder Fettleibigkeit in Betracht zu ziehen.

Ebenfalls zu den Fettbindern gehören Produkte wie Formoline L112, die natürliche, unverdauliche Faserstoffe enthalten. Im Rahmen einer fettbewussten Ernährung soll z.B. Chitosan die Nahrungsfette binden und unverdaut ausscheiden.

Ein schnelleres und anhaltenderes Sättigungsgefühl versprechen Produkte mit Alginaten oder unverdaulichen Ballaststoffen. Extrakte aus Konjak- oder Guarmehl sollen den Blutzuckeranstieg und die Insulinausschüttung nach dem Essen mindern und so Heißhungerattacken reduzieren.

So sollen kalorienreduzierte Diäten besser durchgehalten werden. Werden die entsprechenden Produkte vor dem Essen eingenommen, sinkt offenbar der glykämische Index der folgenden Mahlzeit.

Praktikabilität

Zunächst einmal klingt es einfach, Schlankheitsmittel zu nehmen. Müssen sie doch offenbar nur geschluckt werden. Doch allein von den Pillen wird niemand dauerhaft und gesund abnehmen.

Insbesondere bei stark übergewichtigen Personen können sie jedoch unter ärztlicher Begleitung eine Hilfe sein, sich mit dem Gewicht, gesunder Ernährung und mehr Bewegung auseinanderzusetzen.

Besonders bei Fettblockern sowie Appetitzüglern, die auf chemische Wirkstoffe wie Amphetamine setzen, sind die Risiken hoch und sollten kritisch abgewogen werden. Die ärztliche Begleitung ist hier unerlässlich.

Für wen geeignet?

Bei Orlistat gibt es die Beschränkung, dass das Produkt nur von Übergewichtigen ab einem BMI von 28 genommen werden sollte. Der Arzt darf Xenical nur an Übergewichtige mit einem BMI ab 30, bzw. ab 28 verschreiben, wenn Risikofaktoren wie Bluthochdruck hinzukommen.

Die medikamentöse Abnehmkur sollte nur bei sehr hohem Übergewicht oder Fettleibigkeit in Betracht gezogen werden. Vorab ist ein intensives Arztgespräch notwendig - und der Arzt sollte die Kur auch begleiten.

Gesamtbeurteilung

Nur von den Schlankheitsmitteln allein wird niemand auf Dauer und gesund abnehmen. Aufgrund der vielfältigen Nebenwirkungen sollten kalorienreduzierte, ausgewogene Diätprogramme den Mitteln vorgezogen werden.

Die Medikamenteneinnahme führt zu keiner grundlegenden Änderung der Ernährungsgewohnheiten. Viele Übergewichtige nehmen daher nach dem Absetzen des Medikamentes wieder zu.

Zudem ist unklar, ob die Einnahme der teilweise nebenwirkungsreichen Mittel überhaupt für einen zusätzlichen Erfolg sorgt, wenn die Ernährung in Richtung fettarm und kalorienreduziert umgestellt wird. Entsprechende Studien basieren auf einer Nahrung, die nicht mehr als 1.400 Kalorien pro Tag und 15 Gramm Fett pro Mahlzeit enthält.

Von einer Langzeitbehandlung mit Fettblockern - außer bei starkem Übergewicht - wird auf jeden Fall abgeraten.

Auch Mittel mit Ballaststoffen und Alginaten können bestenfalls während einer Diät unterstützend wirken. Für die Produkte mit pflanzlichen Fasern oder Extrakten aus Meeresalgen fehlen allerdings wissenschaftliche Wirksamkeitsbelege. Ohne ein entsprechendes Begleitprogramm kommt es auch zu keinem Lerneffekt - und damit auch nicht zu einer dauerhaften Abnahme.

Entsprechende Sättigungseffekte, die diesen Produkten zugeschrieben werden, können oft auch mit natürlichen, ballaststoffreichen Lebensmitteln wie Gemüse, Obst, Vollkornprodukte oder Hülsenfrüchte erreicht werden.

Auch hier gilt es, dass Sport und eine kalorienreduzierte Ernährung einfach dazu gehören, um einen Abnehmeffekt zu erreichen. Kosten von bis zu 120 Euro pro Monat sind ebenfalls zu bedenken.

Verschreibungspflichtige Appetitzügler mit Amphetaminen gehören auf jeden Fall in die Hand eines Arztes, der sie auch verschreiben muss. Sie sollten wegen des ungünstigen Nutzen-Risiko-Verhältnisses nur bei wirklich schweren Fällen eingesetzt werden. Es gibt zudem keinen Lerneffekt, so dass nachhaltige Wirkungen nicht zu erwarten sind.

Von allen dubiosen Schlankheitsmitteln, die frei im Internet verkauft werden, ohne dass man weiß, was darin steckt, sollte auf jeden Fall abgesehen werden. Konkret warnen Verbraucherschützer vor Produkten wie Li-Pro2, LiDa, Meizitang, ThermoGenesis oder Slimming Coffee Leisure 18.

Diese sind unzulänglich gekennzeichnet, enthalten z.T. verbotene Inhaltsstoffe und können schwere Nebenwirkungen hervorrufen!