Die "Revolution" von Dr. Robert Atkins

Das Prinzip

Ziel der Atkins-Diät ist es, den Körper vollständig zur Verbrennung von Fettsäuren als Energielieferant zu zwingen. Die Methode: Kohlenhydrate (normalerweise der Hauptenergielieferant) werden fast vollständig vom Speiseplan gestrichen.

Ein Argument dafür: In der Steinzeit hat sich der Mensch auch nur von tierischer Kost ernährt, der Anbau von kohlenhydratreichem Getreide begann erst vor ca. 7.000 Jahren - evolutionsgeschichtlich eine sehr kurze Zeit. So genannte Naturvölker, die sich immer noch im Wesentlichen tierisch ernähren, sind schlank und fit, kennen weder Herzinfarkt noch Gicht.

Die Diät arbeitet in fünf Stufen: Auf Stufe 1 sind praktisch alle Kohlenhydrate verboten. Bei jeder folgenden Stufe kommen 5 - 7 g Kohlenhydrate pro Tag hinzu. Dazu muss man den Gehalt an Ketonkörpern im Harn messen (dafür gibt es Teststäbchen in der Apotheke).

Ketonkörper werden als Anzeichen dafür gewertet, dass der Körper seine Energie aus Fett gewinnt. Sind keine mehr nachweisbar, muss die tägliche Kohlenhydratmenge reduziert werden. Alles andere ist erlaubt - in beliebiger Menge.

Wie reagiert der Körper?

Mit einem Wort: Heftig. Der Körper braucht normalerweise Glukose, um Fette und Eiweiße richtig zu verarbeiten. Liefert die Nahrung zu wenig Kohlenhydrate (und damit zu wenig Glukose), wird erst der Glykogenspeicher geleert und dann ein Notprogramm angeworfen.

Die Hypophyse schüttet fettmobilisierende Hormone aus, die den Abbau von Fett beschleunigen. Dabei wird weniger Energie frei als bei der normalen Fettverwertung.

Die entstehenden Ketonkörper, die von Dr. Atkins als Erfolg gewertet werden, sind ein deutliches Zeichen für diesen Notstand. Dass der Appetit dadurch geringer wird, ist noch eher harmlos und im Sinne des Abnehmwilligen.

Wer jedoch unter erhöhten Blutfettwerten leidet oder einen gestörten Harnsäurestoffwechsel hat (Gichtgefahr), kann diese Probleme durch eine Atkins-Diät noch drastisch verstärken.

Auf Dauer kann eine fettreiche Diät Arteriosklerose fördern. Auch die Entstehung einiger Krebsarten, u.a. Darmkrebs, wird begünstigt.

Durch den Kohlenhydratmangel fehlt dem Organismus auch die schnell mobilisierbare Energie für körperliche Aktivitäten.

Praktikabilität

Einen großen Vorteil hat die Atkins-Diät: Sie ist einfach zu verstehen und einfach einzuhalten. Es werden keine Kalorien gezählt. Man darf alles essen, was aus Eiweiß und Fett besteht. Also kann es eigentlich keinen Hunger geben.

Verboten sind Nahrungsmittel, die den Körper im Wesentlichen mit Kohlenhydraten versorgen:

  • Zucker und alles, was Zucker enthält (Süßigkeiten, Limonade)
  • Kartoffeln und Hülsenfrüchte
  • Getreide und alle Getreideprodukte (Backwaren, Müsli, Nudeln etc.)
  • Milch und Joghurt (wg. Milchzucker)
  • fast alle Obstsorten und -säfte.

Eingeschränkt erlaubt sind kohlenhydratarme Lebensmittel wie Hartkäse, Kaffee, Salat, grüne Oliven, Gurke, Sellerie, Radieschen und Obstessig, außerdem Quark, Nüsse und trockener Wein. Unbedingt nötig: Vitamin- und Mineralstoffpräparate, weil in der Atkins-Kost fast nichts davon enthalten ist.

Eine Diät dauert zwei bis drei Wochen. Dr. Atkins empfiehlt sie aber auch als Langzeitprogramm für Menschen, die zu Übergewicht neigen.

Diese Empfehlung ist jedoch, wie die gesamte Diät, mit Vorsicht zu genießen. Dass man nach einigen Wochen keine Lust mehr auf Fett und Fleisch hat, ist noch das geringste Problem.

Für wen geeignet?

Besser ist die Frage zu beantworten, für wen die Atkins-Diät definitiv nicht geeignet ist. Das sind viele Personengruppen. Die wichtigsten davon sollen hier aufgeführt werden.

Wer bereits deutliche Risikofaktoren für Arteriosklerose bzw. Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat, sollte von Atkins die Finger lassen. Die Blutfettwerte können dabei gefährlich ansteigen. Davon ist ein Großteil der Abnehmwilligen betroffen.

Ein geringer Anteil an Ballaststoffen verstärkt diesen Effekt noch, da Ballaststoffe einen Teil des Nahrungsfettes binden. Allerdings enthält auch Muskelfleisch einen kleinen Anteil an Ballaststoffen.

Insbesondere Diabetiker, die eine geregelte Zufuhr an Kohlenhydraten brauchen, können mit der Atkins-Diät nichts anfangen. Auch Sport, der zur Unterstützung einer Diät bzw. der Diabetes-Therapie empfohlen wird, ist ohne ausreichende Kohlenhydratzufuhr kaum möglich.

Für Menschen, die einen erhöhten Harnsäurewert im Blut haben oder gar bereits unter Gicht leiden, ist die Atkins-Diät geradezu Gift, weil sie den Körper mit Purinen überschwemmt.

Gesamtbeurteilung

Finger weg! Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht ist eine so extrem einseitige Diät nicht zu empfehlen. Sie führt zwar anfangs zu einem schnellen Gewichtsverlust, aber das liegt daran, dass beim Abbau der Kohlenhydratspeicher auch Wasser freigesetzt und ausgeschieden wird.

Ansonsten ist der Effekt der Atkins-Diät wohl dadurch zu erklären, dass man von der ungewohnten fetten Fleischkost nicht so viel essen mag. Wer seine Diät durch Sport unterstützen will, wird häufig unter regelrechtem Heißhunger auf Brot, Kartoffeln und Süßes leiden.

Der Mangel an Kohlenhydraten beeinflusst auch die Seele: Es kann zu ausgeprägten Stimmungstiefs bis hin zu Depressionen kommen. Die Atkins-Diät macht schlapp und traurig.

Auch ein langfristiger Lerneffekt für eine dauerhaft gesunde Ernährung ist hier kaum zu erwarten. Und die Empfehlung von Dr. Atkins, während der Diät Vitamin- und Mineralstoffpräparate zu nehmen, zeigt, wie ungesund und unnatürlich sein Konzept ist.

Außerdem sind Fleisch- und Fischprodukte (vor allem die vitaminreichen Innereien) in heutiger Zeit oft mit Schadstoffen belastet, die den Nieren zu schaffen machen - zusätzlich zu den Ketonkörpern.

Durch den Mangel an Ballaststoffen droht mittelfristig eine schwere Verstopfung (Obstipation).