Negative Kalorien - Essen und schlank werden

Das Prinzip der negativen Kalorie

Seit vielen Jahren taucht immer wieder der Begriff "Negative Kalorie" in Anzeigen zum Abnehmen auf. Wer möchte nicht der Headline der Anzeigen glauben: "Jetzt können sie schlank werden, selbst wenn sie reichlich essen".

Neueste Untersuchungen sollen demnach ergeben haben, dass 19 besonders gesunde und nahrhafte Nahrungsmittel (darunter Gemüse und Obst) mehr Kalorien verbrennen als sie eigentlich zuführen. Die Nahrungsmittel negativer Kalorien werden demnach nur in Energie umgewandelt und nicht in Fett.

Die fettabbauende Wirkung dieser Nahrungsmittel wird folgendermaßen erklärt: Bei der Geburt besitzt jeder Säugling eine bestimmte Anzahl an Fettzellen. Diese vermehren sich bei jeder Gewichtszunahme. Dabei soll sich der Stoffwechsel verlangsamen und Kohlenhydrate werden in Fett umgewandelt und so gespeichert.

Abgenommen werden kann nur dann, wenn dem Organismus dieses Fett genommen wird. Drei Möglichkeiten werden vorgeschlagen: Es wird auf fettreiche Nahrungsmittel verzichtet oder es wird intensiv Sport getrieben oder aber - so die Anzeige - man nimmt Nahrungsmittel negativer Kalorien zu sich. Die Verdauung erfordert angeblich mehr Energie als tatsächlich geliefert wird.

Die Nahrungsmittel

Auf dem Speiseplan dominieren "fettverzehrende Nahrungsmittel". Sie sollen mindestens ein Viertel der täglichen Ernährung ausmachen.

Dazu zählen: Artischocken, Spargel, rote Bete/rote Rüben, Mangold, Möhren, Sellerie, Chicoree, Brokkoli, Wirsing/Kohl, Paprikaschoten, Radieschen, Rettich, Endivien, Spinat, grüne Bohnen, Kopfsalat, Feldsalat, Steckrüben, Zwiebeln, Löwenzahn, Blumenkohl, Gurken, Zucchini, Kresse und Gewürze.

Obst sollte von anderen Nahrungsmitteln getrennt verzehrt werden. Bestimmte Früchte wie Ananas, Erdbeeren, Grapefruit, Mandarinen, Papaya, Preiselbeeren und Blaubeeren sind als Beigaben zum Salat erlaubt.

Mehr als eineinhalb Liter Flüssigkeit pro Tag, so die Erfinderin dieser Diät Isabelle Martin, sind unerwünscht.

Weitere Details

Diese Diät ist zum Nachkochen für zu Hause gedacht. Die Autorin stellt für Berufstätige nur einige wenige "Notimbisse" vor. Daher ist die Praktikabilität dieser Negativen Kalorien-Diät eher gleich Null.

Die Kalorienaufnahme ist sehr unterschiedlich. Es werden durchschnittlich 1.000 Kalorien am Tag verzehrt. Die Dauer der Diät wird von Isabelle Martin mit unbegrenzt angegeben, da sie in ihren Augen die neue Ernährungsweise sein wird.

Dabei darf jeder so weiter essen, wie er es gewohnt ist: Es wird keine Diät gehalten, noch der Lebensstil geändert. Teigwaren, Soßengerichte, Butter, Kuchen, Pommes und Bratwurst - alles ist erlaubt. Wichtig ist demnach nur, dass die Nahrungsmittel mit negativen Kalorien zusätzlich auf den Speiseplan rücken.

Ein weiterer Vorteil dieser "Diät", der herausgestellt wird: Die Nahrungsmittel mit negativen Kalorien zählen zu den gesundmachenden Nahrungsmitteln. So wird die Senkung des Cholesterinspiegels damit in Verbindung gebracht.

Wie viele Pfunde purzeln?

In den Anzeigen und im Buch, das zur Durchführung der "neuen Ernährungsweise" empfohlen wird (Nahrungsmittel, die schlank machen), werden hohe Abnehmerfolge in kürzester Zeit versprochen.

Bei weniger als 10 kg Übergewicht verlieren die Testpersonen durchschnittlich 2,5 bis 3 Kilogramm in der ersten Woche und 1,5 bis 2 Kilogramm in den folgenden Wochen.

Bei mehr als 10 Kilogramm Übergewicht soll das Abnehmen noch schneller gehen. Einige Menschen, die über 20 Kilogramm zuviel wogen, sollen 6 Kilogramm innerhalb der ersten Woche abgenommen haben.

Auch der langfristige Effekt wird ausgelobt. Mit den Nahrungsmitteln negativer Kalorien lässt sich das neue Gewicht ganz einfach halten: Einfach weiterhin diese Nahrungsmittel im Speiseplan belassen und regelmäßig verzehren.

Bewertung

Auch hier gilt: Nur wer fettarm kocht und weniger Kalorien aufnimmt als er verbraucht, nimmt auch tatsächlich ab. Wenn man die Liste der Nahrungsmittel negativer Kalorien betrachtet, so fällt auf, dass sie alle wenig Kalorien enthalten und fettarm sind.

Wer also 25 % der bisherigen Nahrungsmittel durch diese kalorienreduzierten ersetzt, wird zwangsläufig weniger Kalorien zu sich nehmen - und die Pfunde purzeln lassen. Entscheidend ist jedoch auch, welche Nahrungsmittel ansonsten verzehrt werden.

Es handelt sich um eine ballaststoffreiche und fettarme Ernährung, jedoch wird sie pseudowissenschaftlich verbrämt:

fettfressendes Gemüse und negative Kalorien gibt es nicht!

Bedenklich ist die Empfehlung, möglichst nicht mehr als eineinhalb Liter Flüssigkeit am Tag zu sich zu nehmen. Achten Sie immer, insbesondere wenn Sie am Abnehmen sind, darauf, dass Sie deutlich mehr trinken.