Starkes Übergewicht – Adipositas

Übergewicht - wie wird es definiert?

Die Festlegung der Gewichtsnormwerte erfolgt heute über die Berechnung des so genannten Body-Mass-Index (BMI). Das Körpergewicht in Kilogramm wird durch die Körperlänge im Quadrat geteilt (kg/m²).

Der BMI berücksichtigt die Körpergröße und wird daher in der Berechnung des Ideal- und Normalgewichtes am ehesten den besonders kleinen und großen Menschen gerecht. Zudem korreliert der BMI am besten mit der direkten Fettgewebsmessung.

Die Einteilung mit dem BMI erfolgt in vier Klassen:

  • Bei einem BMI unter 20 liegt starkes Untergewicht vor.
  • Der wünschenswerte Bereich liegt zwischen 20 und 25.
  • Ein BMI von 25 bis 30 deutet Übergewicht an, welches bei Vorliegen von Erkrankungen medizinischer Kontrolle bedarf.
  • Ein BMI über 30 ist kennzeichnend für eine Adipositas und muss immer medizinisch kontrolliert sowie behandelt werden.

Handelt es sich um eine Essstörung?

Auch für den Begriff der psychogenen Essstörung liegt eine eindeutige Definition vor: Störungen der Nahrungsaufnahme bzw. des Körpergewichtes ohne organische Ursachen, die sich in den verschiedenen klinischen Bildern manifestieren können: Magersucht, Bulimie und Adipositas.

Es handelt sich somit bei starkem Übergewicht um eine Essstörung. In diesem Zusammenhang lohnt es sich, einige weitere interessante Aspekte zu betrachten. Denn neben dem gestörten Essverhalten werden auch genetische und organische Ursachen diskutiert.

Diese sind nach dem heutigen Stand der Wissenschaft in einem hohen Maße daran beteiligt, ob ein Mensch adipös werden kann. Aber erst die Umgebung und die Psyche sind dafür verantwortlich, ob er es tatsächlich wird.

Familiäre Ernährungsgewohnheiten, das Elternverhalten als Vorbild, extreme Essreaktionen auf Stresssituationen, Umfeldbedingungen sowie Nahrungsmittelangebot und intrapsychische Konflikte sind nur einige Stichworte in der Auslöserliste.

Übergewicht schon in der Kindheit

Allein 14 % der Kinder und 12 % der Jugendlichen in den USA sind übergewichtig. In Europa zeichnet sich eine vergleichbare Entwicklung ab. Vor allen Dingen in den letzten 20 Jahren nahm das Problem der Adipositas bei Kindern in Deutschland stark zu.

Wer als Sechsjähriger schon übergewichtig ist, birgt ein erhebliches Risiko, auch als Erwachsener adipös zu bleiben. Die Wahrscheinlichkeit beträgt 50 % gegenüber 10 % bei nicht adipösen Einschulungskindern.

Auch das Risiko, Folgeerkrankungen des Übergewichts zu entwickeln, steigt, wenn das Übergewicht schon in der Kindheit bestand. Heute fällt zudem auf, dass bereits sehr junge Menschen an Folgeerkrankungen leiden.

Neben den gesundheitlichen Einbußen kämpfen dicke Kinder und Jugendliche mit der erheblichen psychosomatischen Belastung und Entwicklungsbeeinträchtigung. Übergewicht ist daher ein ernst zu nehmendes Gesundheitsproblem. Dringend erforderlich sind präventive und therapeutische Ansätze, die der Adipositas im Kindes- und Jugendalter entgegenwirken.

Fatale Folgen

Nach dem Rauchen ist Adipositas die zweithäufigste vermeidbare Todesursache. In Amerika wird geschätzt, dass ca. 58 Millionen Erwachsene in einem Maße übergewichtig sind, dass sie Gesundheitsschäden riskieren.

So viele Gründe die Adipositas auch haben mag, es existieren ebenfalls unzählige Folge-Leiden. Insbesondere die nachfolgenden acht Erkrankungen verschlimmern sich mit zunehmenden Körpergewicht:

  • koronare Herzerkrankung
  • Hypertonie (Bluthochdruck)
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Diabetes
  • Schlaganfall
  • Schlafstörungen
  • Blutstau in den Venen
  • Arthrose.

Psychische Veränderungen sind bisher nicht eindeutig der Adipositas zuzuordnen. Häufig kommt es einem sozialen Rückzug, zu Depressionen, sexuellen Störungen und beruflichen Problemen.

Was tun?

Nur 15 % aller Adipösen erreichen tatsächlich ihre normale Lebenserwartung. Dadurch wird verdeutlicht, dass starkes Übergewicht nicht nur ein ästhetisches und kosmetisches Problem ist, sondern insbesondere ein medizinisches, das behandelt werden muss.

Beeinflussbar sind dabei insbesondere die Kalorienzufuhr sowie der Kalorienverbrauch über die körperliche Bewegung. Der Grad des Übergewichts entscheidet, ob diese Lebensumstellung ambulant mit Hilfe einer Ernährungsberatung oder aber stationär stattfinden sollte.

Empfohlen wird eine fettarme kohlenhydratreiche ausgewogene Kost. Eine optimale Kalorienzufuhr zwischen 1.000 und 1.500 Kalorien am Tag garantiert die Versorgung mit allen Nährstoffen. Dadurch wird langsam Gewicht abgebaut.

Der Übergewichtige lernt, seine Ernährung umzustellen und das Verhalten sowie das Gewicht zu kontrollieren. Wichtig ist die Steigerung der körperlichen Bewegung. Da Übergewicht die Gelenke extrem belastet, werden Sportarten wie Schwimmen, Aqua-Jogging und Radfahren empfohlen.

Bei extremem Übergewicht mit einem BMI von über 40 sind medikamentöse und operative Therapien teilweise nicht zu umgehen.