Selen schützt die Zellen

Aufgaben im menschlichen Körper

Selen liegt im Körper vor allem als Bestandteil von Eiweißen vor. Das bekannteste Seleneiweiß ist das Enzym Glutathionperoxidase, dessen Hauptaufgabe der Schutz vor freien Radikalen ist.

Freie Radikale bilden sich ständig im Körper. Es sind Spaltprodukte, die beim Stoffwechsel entstehen und sehr heftig reagieren. Im Organismus können sie schwere Schäden anrichten und letztendlich krank machen. Freie Radikale können auch durch Umweltbelastungen wie z.B. starke Sonneneinstrahlung, Nikotin, Schadstoffe oder Stress entstehen.

Studien haben gezeigt, dass Selen vor Krebs schützen kann. Es wurde ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Selenspiegel im Blut und der Sterberate auf Grund von Krebsauslösern festgestellt. Für einige Krebsforscher erscheint Selen durch sein breites Wirkungsspektrum heute sogar als das stärkste Mittel in der Anti-Krebstherapie.

Beim Versuch, diese krebsschützende Wirkung zu erklären, geht man heute von zwei Hypothesen aus:

  • Selen wird zur Bildung bestimmter Zelleiweiße für die Regulation des Zellzyklus benötigt.
  • Selenprodukte hemmen das Wachstum von Tumorzellen.

Um die Tumorentstehung zu verhindern, muss Selen jedoch bereits in einer sehr frühen Phase ergänzt werden.

Selenversorgung in Deutschland

Selen wird von Pflanzen aus dem Boden aufgenommen und in Eiweiße eingebaut. Deutschland zählt zu den "Selenmangelländern". Die Selenzufuhr erfolgt vor allem über Fleisch, Fisch und Hühnereiern. Besonders gute Lieferanten sind auch Linsen und Spargel.

Selengehalt verschiedener Lebensmittel:

Lebensmittel Selengehalt (Mikrogramm/100 g)
Fisch 24,7
Eier 23,5
Fleisch 14,1
Wurst 4,8
Milch/Milchprodukte 3
Brot/Getreide 1,8
Gemüse 0,8
Obst 0,4
Getränke 0,2

Da die Bioverfügbarkeit von Selen aus den Böden für Pflanzen in Deutschland im Durchschnitt sehr niedrig ist, tragen hier pflanzliches Eiweiß, Getreide und Brot - im Unterschied zu Nordamerika und Kanada, wo die Böden selenreicher sind - nur zu einem geringen Teil zur Selenzufuhr bei.

Wer sich vegetarisch ernährt, sollte daher den geringen Selengehalt in den heimischen Acker- und Gartenfrüchten beachten. Eine gute Ergänzung können Nüsse, Ölsaaten und Hülsenfrüchte sein. Produkten aus den USA sollte man hierbei auf Grund des hohen Selengehaltes den Vorzug geben.

Selenbedarf

Der Selengehalt der Frauenmilch kann auf Grund regionaler Unterschiede sehr stark schwanken.

In den ersten Lebensmonaten eines Neugeborenen reicht eine niedrige Selenzufuhr aus, da die Leber des Säuglings von der Geburt Selen gespeichert hat. Der Selengehalt der Nahrung steigt durch die Einführung der Beikost an.

Für Kinder wird der Wert für eine angemessene Zufuhr zwischen den bekannten Bereichen bei Säuglingen (5 bis 30 Mikrogramm/Tag) und Erwachsenen (30 bis 70 Mikrogramm/Tag) geschätzt.

Die Höhe einer ausreichenden Selenzufuhr bei schwangeren und stillenden Frauen ist in der Ernährungswissenschaft noch nicht einheitlich festgelegt worden.

Da die Wirksamkeit einer die Schätzwerte übersteigenden Zufuhr von Selen bei der Vorbeugung von Herzinfarkt, Krebs oder Störungen des Immunsystems nach Meinung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung noch nicht ausreichend geklärt wurden, verweigert sie zur Zeit noch eine Empfehlung der Selenzufuhr oberhalb der Schätzwerte.

Selenmangel

Eindeutige Mangelerscheinungen durch eine unzureichende Selenzufuhr konnten bei der so genannten Keshan-Krankheit, einer Herzmuskelerkrankung, nachgewiesen werden.

Die Selenzufuhr lag bei diesen Patienten unter 10 Mikrogramm pro Tag und führte in China häufig zum Tode. Erst als man sie als Selenmangelerkrankung erkannte und Selen verabreichte, konnte man sie heilen. Heute weiß man, dass ein "friedliches" Virus (Coxsackie B4) durch Selenmangel krankheitserregend wird und dann diese Krankheit hervorruft.

Erfolgt bei einer langfristigen parenteralen (künstlichen) Ernährung keine Ergänzung von Selen, kommt es auf Grund des Selenmangels zu Störungen der Muskelfunktion.

Auch bei der totalen parenteralen Ernährung Neugeborener, bei speziellen Diäten oder bei bestimmten Aufnahmestörungen im Magen-Darm-Trakt, kann die Selenzufuhr unzureichend sein.

Oft werden auch bei Patienten unter chronischer Dialyse sehr niedrige Selenkonzentrationen im Blutplasma festgestellt. Daher wird bei diesen Patienten Selen ergänzt. Ob dies gleichermaßen für Personen gilt, bei denen Risiken für erhöhte Selenverluste (Traumapatienten, schwere Verbrennungen, Blutverluste, erhöhte Ausscheidungen mit dem Urin und Stuhl) bestehen, bleibt noch zu klären.

Selentherapie bei Tumorpatienten

Selen wird als Natriumselenit in der Therapie von Tumorerkrankungen während der Chemo- und Strahlentherapie verabreicht. Dadurch werden einerseits die oxidativen Schutzmechanismen regeneriert und andererseits gesunde Zellen vor der Zerstörung geschützt.

Eine sich gegenseitig ergänzende Selentherapie kann folgende verschiedene Vorteile bieten:

  • Stabilisierung des Immunsystems
  • Verringerung von Nebenwirkungen der Krebsmedikamente und der Strahlentherapie
  • Verringerung der Tumorneubildung

Prinzipiell ist es sinnvoll, Selen vor dem Zytostatikum zu verabreichen, um insbesondere die Immunzellen zu schützen. Erfahrungen aus der Praxis können die schützende Wirkung des Natriumselenits gegenüber toxischen Nebenwirkungen der Chemotherapie bestätigen. Der Gesamtzustand und die Lebensqualität des Tumorpatienten wird positiv beeinflusst. In pharmakologischen Dosen erhöht Selen, zumindest in Versuchen mit Ratten, deren Überlebensrate bei Ganzkörperbestrahlung.