Vitamin A - Retinol

Der Retinol-Stoffwechsel

Im menschlichen Körper kommt Vitamin A in verschiedenen verwandten chemischen Verbindungen vor.

Nachgewiesen wurden bisher das so genannte All-trans-Retinol (ein Vitamin-A-Alkohol), das All-trans-Retinal (ein Vitamin-A-Aldehyd), die Retinsäure (auch: Vitamin-A1-Säure) und das Dehydroretinal (auch: Vitamin A2).

Carotine sind Provitamine und werden im Stoffwechsel in das wirksame Vitamin A umgeformt. Sie bilden in reiner Form intensiv gelb gefärbte Kristalle. Beta-Carotin ist das wichtigste Provitamin A.

Die Resorption (Aufnahme in den Körper) von Retinol wird durch folgende Faktoren beeinflusst:

  • die Gallensäureproduktion,
  • die Verdaulichkeit der Nahrung,
  • Nahrungsfette,
  • Proteinzufuhr,
  • mehrfach ungesättigte Fettsäuren.

Retinol bzw. Carotin kann in der Leber als Retinol-Palmitat gespeichert werden. Die Leber verfügt daher generell über einen Vitamin-A-Vorrat, durch den der Bedarf über mehrere Monate gedeckt werden kann. Bei Bedarf wird es dann ans Blut abgegeben. Die Ausscheidung von Vitamin A erfolgt in Form von Retinsäure mit der Galle.

Funktionen des Vitamin A

Vitamin A scheint zwei wichtige Funktionen im menschlichen Organismus zu erfüllen: Einerseits ist es ein Hautschutz- und Epithelschutzvitamin und andererseits elementarer Bestandteil des Sehpurpurs.

Retinol wird für das Wachstum verschiedener Zellarten benötigt. Besonders bedeutend ist es für das Epithelwachstum, d.h. für das Deckgewebe, das die Körperoberfläche bzw. die Hohlorgane und Körperhöhlen auskleidet.

Bisher ist die vollständige Bandbreite der Funktionen des Vitamin A im Zellstoffwechsel nicht bekannt. Wahrscheinlich fördert es auch die Eiweißsynthese und wirkt der Verhornung der Zellen entgegen.

Die Netzhaut (Retina) des menschlichen Auges enthält mehr als hundert Millionen winzige Stäbchen und Zapfen, die als Lichtrezeptoren das Sehen ermöglichen.

Diese Stäbchen enthalten das Pigment Rhodopsin als Sehpurpur. Die Zapfen enthalten Iodopsin. Beide Chromoproteine (Farbeiweiße) enthalten unterschiedliche Eiweißarten und Retinal (eine Vitamin-A-Verbindung) als Farbstoffanteil.

Mangel und Überzufuhr

Das Sehpurpur in der Netzhaut des Auges wird durch Lichteinwirkung gespalten und durch Vitamin A wieder erneuert.

Erste Folgen eines Vitamin-A-Mangels sind daher Sehprobleme in der Dämmerung. Das Auge kann sich nicht mehr an geringe Lichtstärken anpassen. Ein weiterer Retinolmangel kann dann zur Nachtblindheit, zum Austrocknen der Hornhaut und schließlich zur Erblindung führen.

Außerdem bewirkt der Retinolmangel eine krankhafte Verhornung von Haut und Schleimhäuten.

In Entwicklungsländern ist der Vitamin-A-Mangel die häufigste Ursache für eine Erblindung von Kindern. In westlichen Industrienationen ist der Vitamin-A-Mangel dagegen sehr selten.

Überdosierungen treten hier zu Lande nicht auf

Da das Vitamin A in der Leber gespeichert werden kann, kommt es bei einer extremen Überzufuhr zu einer Hypervitaminose (Vergiftung durch sehr hohe Vitamindosen). Beispielsweise zeigen Eskimos derartige Vergiftungserscheinungen, wenn sie große Mengen an Eisbärenleber verzehren.

Als Folge dieser Hypervitaminose kommt es zu Erbrechen, Durchfall, Knochenbrüchigkeit, Schleimhautblutungen und Überregbarkeit. Derartige Erkrankungen treten durch die typische Kost in den Industrienationen nicht auf.

Bedarf und Bedarfsdeckung

Der Retinolbedarf kann durch Vitamin A und die verschiedenen Carotine gedeckt werden. Auf Grund möglicher Verluste bei der Aufnahme in den Körper und zur Vereinheitlichung werden die Empfehlungen für die Zufuhr in Retinol-Äquivalenten angegeben. Dabei gilt:

1 mg Retinol-Äquivalent entspricht 1 mg Retinol oder 6 Mikrogramm Beta-Carotin oder 12 Mikrogramm anderer Carotine.

Eine I.E. (Internationale Einheit) Vitamin A entspricht 0,3 Mikrogramm Retinol.

Laut den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sollte ein erwachsener Mensch täglich 0,8 bis 1,0 mg Vitamin A aufnehmen.

Im Allgemeinen wird in den Industrienationen diese Zufuhrempfehlung deutlich überschritten. Dabei wird der Bedarf vorwiegend durch Fleisch und Wurstwaren, Gemüse und Milchfett abgedeckt.

Da Vitamin A und Beta-Carotin empfindlich gegenüber Sauerstoff und Licht sind, müssen diese Faktoren bei der Lebensmittelverarbeitung besonders vermieden werden. In ranzigem Fett treten große Verluste auf. Vitamin E verhindert die oxidative Zerstörung von Vitamin A.

Vitamin A in Lebensmitteln

itamin A kommt praktisch nur in tierischen Lebensmitteln vor. Da dieses Vitamin vorwiegend in der Leber gespeichert wird, stellt sie auch die mit Abstand beste Nahrungsquelle dar.

Da Innereien im Allgemeinen neben den positiven und wünschenswerten Inhaltsstoffen leider auch sehr schadstoffbelastet sind, wird von einem übermäßigen Verzehr von mehr als ein bis zwei Portionen pro Monat abgeraten. Daneben ist auch ihr Cholesterin- und Harnsäuregehalt im Vergleich zu anderen Lebensmitteln zu hoch.

Da bei der klassischen Herstellung von Wurst und Wurstwaren häufig auch Innereien verwendet werden, zählen diese Produkte zu den retinolhaltigsten Lebensmitteln. Außerdem finden sich nennenswerte Retinolmengen in Hühnereiern, Milch und Milchprodukten.

Da der Retinolgehalt in der Milch und daraus hergestellten Produkten mit dem Fettgehalt in Zusammenhang steht, ist zu bedenken, dass in den fettarmen, entrahmten Produkten praktisch kein Vitamin A enthalten ist.

Von den Speisefetten und Ölen enthalten natürlicherweise nur die Butter sowie einige Fischöle hohe Mengen an Vitamin A. Da nach dem deutschen Lebensmittelrecht Pflanzenmargarine vitaminisiert werden darf, finden sich auch in diesem Lebensmittel entsprechende Retinolmengen.