Vitamin B12 - Cobalamine

Stoffwechsel der Cobalamine

Als Vitamin B12 oder Cobalamine werden verschiedene chemisch verwandte Verbindungen zusammengefasst, die im Zentrum ihres Ringsystems ein Kobalt-Atom enthalten.

Cobalamine können nur von Bakterien und nicht von höheren Pflanzen oder Tieren gebildet werden. Dadurch enthalten Pflanzen praktisch keine Cobalamine. Lediglich in den Leguminosen, in deren Wurzelknöllchen Bakterien wachsen, wird Vitamin B12 produziert. Für die Aufnahme von Cobalaminen in den Körper ist ein so genannter Intrinsic-Faktor notwendig. Er wird in der Magenschleimhaut gebildet. Ist das Cobalamin an dem Faktor gebunden, ist es vor dem Abbau durch Mikroorganismen im Darm geschützt.

Als Komplex wird es dann durch die Magen-Darm-Schleimhaut transportiert und im Blut an drei unterschiedliche Transporteiweiße gebunden. Am wichtigsten ist dabei das Trans-Cobalamin, welches das Vitamin zur Leber, Niere, Milz, Herz und Lunge bringt und dort an die Zellen abgibt.

Die Ausscheidung erfolgt hauptsächlich über den Urin. Cobalamin, das im Stuhl zu finden ist, wurde von den Darmbakterien gebildet. Die Speicherkapazität beläuft sich auf 2 bis 5 mg, die Hälfte davon befindet sich in der Leber.

Funktionen im Körper

Vitamin B12 ist als Coenzym am Auf- und Abbau einzelner Aminosäuren beteiligt und nimmt somit einen wichtigen Einfluss auf den Eiweißstoffwechsel. Ebenso steuert es den Abbau einiger Fettsäuren.

Eine weitere wichtige Funktion übt Vitamin B12 bei der Reifung von Körperzellen aus. So kann die Bildung der roten Blutkörperchen nicht ohne Vitamin B12 stattfinden.

Ferner sind die Cobalamine unentbehrlich für den Stoffwechsel der Folsäure (wasserlösliches Vitamin). Sie spielen eine wesentliche Rolle bei der Überführung der Speicher- und Transportformen der Folsäure in ihre Wirkform. Bei einem Vitamin-B12-Mangel kommt es automatisch auch zu einem Folsäuremangel.

Vitamin B12 ist als Coenzym auch für zahlreiche enzymatische Reaktionen verantwortlich, in denen Methylgruppen übertragen werden. Es ist ebenfalls wichtig für den Aufbau der Nucleinsäuren (RNA und DNA).

Mangelzustände

Ein Mangelzustand kann sich entwickeln, wenn nach Entfernung des Magens oder bei bestimmten chronischen Magenschleimhautentzündungen kein Intrinsic-Faktor mehr gebildet wird.

Mängel können jedoch auch bei schweren entzündlichen Veränderungen im unteren Dünndarm auftreten, da dadurch die Aufnahme des Vitamin-B12-Intrinsic-Faktor-Komplexes verhindert werden kann.

Da die Körperspeicher des Organismus, vor allem der Leber, im Normalzustand 2 bis 5 mg Cobalamine enthalten, macht sich ein Absinken dieser Speicher und das Auftreten klinischer Mangelzustände erst nach Jahren bemerkbar.

Vitamin-B12-Mangel kann ernährungsbedingte Ursachen haben. Bei Veganern, also Menschen, die den Verzehr jeglicher tierischer Produkte ablehnen, besteht ein erhöhtes Risiko, einen Vitamin-B12-Mangel zu entwickeln.

Bei einem entsprechenden Mangel ist der Gehalt an roten Blutkörperchen vermindert, da Reifungsstörungen dieser Zellen vorliegen. Es kann dann zu einer Blutarmut (perniziöse Anämie) kommen. Außerdem kommt es zur Degeneration der Hinter- und Seitenstränge des Rückenmarks und zu Schädigungen der Mund- und Rachenschleimhaut.

Bedarf an Cobalaminen

Der Tagesbedarf eines gesunden Erwachsenen beträgt 2 Mikrogramm tatsächlich zugeführtes Vitamin B12.

Die Bioverfügbarkeit ist umso geringer, je größer die zugeführte Einzeldosis ist. Da über zwei Drittel der Gesamtzufuhr mit den Hauptmahlzeiten erfolgt, muss bei den hiesigen Ernährungsgewohnheiten damit gerechnet werden, dass aus einer gemischten Kost lediglich die Hälfte des Vitamin B12 vom Körper aufgenommen wird.

Deshalb ist mit einer Bedarfsdeckung erst bei einer Zufuhr von 3 Mikrogramm pro Tag zu rechnen. Häufig wird mehr als diese empfohlene Menge Vitamin B12 mit der Nahrung aufgenommen; diese Mehrzufuhr ist jedoch unbedenklich.

Obwohl während der Schwangerschaft häufig ein Abfall der Vitamin-B12-Konzentration im Blut zu beobachten ist, ist mit einem akuten Mangel bei vorher normal gefüllten Speichern nicht zu rechnen. Als Sicherheitsmaßnahme wird aber empfohlen, eine Mehrzufuhr von 0,5 Mikrogramm täglich einzuplanen.

Ähnliches gilt für die Stillzeit. Während dieser Zeit soll eine Mehrzufuhr von 1,0 Mikrogramm pro Tag eingeplant werden, damit die Verluste durch die Frauenmilch ausgeglichen werden.

Bedarfsdeckung

Neben Innereien (3 Mikrogramm Vitamin B12 sind bereits in wenigen Gramm enthalten) sind vor allem Fische sehr gute Cobalaminlieferanten (siehe Tabelle).

Lebensmittel mit einem weit überdurchschnittlichen Gehalt an Vitamin B12:

Lebensmittel Mikrogramm/100 g
Roter Thun 9,4
Wildkaninchen, gegart 9,0
Leberpastete 9,0
Hering, gegart 8,0
Makrele, gegart/geräuchert 8,0
Sprotte, geräuchert 6,0
Thunfisch, gegart 5,0
Forelle, gegart 5,0
Rindfleisch, mager i.D. 5,0
Forelle, geräuchert 4,0
Rinder-/Schweinehackfleisch 4,0

Auch Milch, Milchprodukte und Eier enthalten nennenswerte Mengen. Durchschnittlich wird mit 250 g dieser Lebensmittel etwa ein Drittel des Tagesbedarfs aufgenommen.

Ein halber Liter Bier liefert zwischen 0,5 und 1,0 Mikrogramm Vitamin B12. Dies ist auf den hohen Gehalt in der Bierhefe zurückzuführen.