Was sind Vitamine?

Der Begriff "Vitamin"

Ende des 19. Jahrhunderts wusste man, dass eine Ernährung mit poliertem Reis zu Beri-Beri führt - einer Erkrankung, die durch Vitamin-B1-Mangel hervorgerufen wird. Die Zufuhr von Reiskleie verhinderte bzw. heilte dagegen Beri-Beri.

Im Jahr 1911 isolierte der Amerikaner Casimir Funk diejenige Substanz aus der Reiskleie, die gegen Beri-Beri wirkt. Bei der chemischen Analyse des Moleküls zeigte sich, dass es eine Aminogruppe (eine bestimmte Kombination von Stickstoff und Wasserstoff) enthielt.

Daher schlug Funk 1912 für alle Substanzen, mit denen man Mangelkrankheiten heilen kann, die Bezeichnung Vitamin vor, gebildet aus Vita (lat.: Leben) und Amin wegen der Aminogruppe. Später zeigte sich, dass das "Anti-Beri-Beri-Vitamin" das einzige Vitamin ist, das eine Aminogruppe enthält.

Bis 1941 wurden 12 weitere Vitamine entdeckt, mehr sind bis heute nicht bekannt. Da die Vitaminforschung in den ersten 30 Jahren sehr rasant voranschritt, erfolgte die Benennung der Vitamine recht chaotisch:

Einige Vitamine haben Buchstaben, manche zusätzlich eine Zahl, andere "nur" einen chemischen Namen, für manche gibt es beides - und manche Substanzen sind zwischenzeitlich als Vitamine bezeichnet worden, obwohl sie keine sind.

Die Definition von "Vitamin"

Die Wissenschaft versteht unter einem Vitamin eine komplexe chemische Verbindung, die der Körper für lebenswichtige Funktionen benötigt - aber nicht in der erforderlichen Menge oder sogar überhaupt nicht herstellen kann.

Man geht davon aus, dass die Fähigkeit zur Synthese (Herstellung) der entsprechenden Substanzen irgendwann im Laufe der Evolution verloren gegangen ist. Bei bestimmten Tieren oder Pflanzen ist diese Fähigkeit noch erhalten, deshalb kann sich der Mensch dort "bedienen".

Die Vitamine müssen über die Nahrung aufgenommen werden, entweder als fertige Vitamine oder als so genannte Provitamine (Vorstufen, die im Körper zu den eigentlichen Vitaminen umgewandelt werden).

Im Gegensatz zu Kohlenhydraten, Fetten oder Eiweißen liefern sie weder Energie noch Baumaterial für den Körper. Vielmehr steuern oder begünstigen sie bestimmte Stoffwechselprozesse.

Deshalb braucht der Körper auch nur sehr geringe Mengen. Die Empfehlungen liegen zum Teil im Mikrogramm-Bereich, in bestimmten Situationen werden (nicht unumstritten) höchstens einige Gramm pro Tag empfohlen.

Die Liste der Vitamine

Die im Folgenden aufgeführten Substanzen bilden die Gruppe der Vitamine.

Das bedeutet nicht, dass sie chemisch ähnlich sind, sondern dass sie der Definition des vorigen Kapitels entsprechen:

Name chemische Bezeichnung Jahr der Entwicklung
Vitamin A Retinol 1909
Vitamin B1 Thiamin 1897
Vitamin B2 Riboflavin 1920
Vitamin B6 Pyridoxin 1934
Vitamin B12 Cobalamine 1926
Vitamin C Ascorbinsäure 1912
Vitamin D Calciferole 1918
Vitamin E Alpha-Tocopherol 1922
Vitamin K Phyllochinon 1929
Folsäure Folsäure 1941
Niacin Nicotinamin 1936
Pantothensäure Pantothensäure 1931
Biotin (alt: Vitamin H) Biotin 1931

Jedes Vitamin hat seine besondere Funktion im Körper, daher kann man nicht ein Vitamin durch ein anderes ersetzen. Die Vitamine unterscheiden sich außerdem

  • in ihrem Vorkommen in unterschiedlichen Lebensmitteln,
  • in ihrer Empfindlichkeit gegenüber Umweltfaktoren (Luft, Hitze, pH-Wert),
  • in dem Maße, wie der Körper die in der Nahrung vorkommende Menge für sich ausnutzen und speichern kann.

Die körpereigenen Reserven an Vitamin B1 reichen z.B. nur eine bis zwei Wochen, während Vitamin B12 für mehrere Jahre gespeichert werden kann.

Vitaminversorgung

Heutzutage stehen die verschiedensten Nahrungsmittel in mehr als ausreichender Menge zur Verfügung. Trotzdem sind mögliche Mangelzustände ein Thema in der Medizin.

Der Grund: Verarbeitete Lebensmittel, insbesondere Fast Food, sind eher vitaminarm. Falsche Zubereitung und Lagerung von Nahrungsmitteln vermindern den Vitamingehalt zusätzlich.

Frisches, rohes Obst und Gemüse - die klassischen Vitaminquellen - werden dagegen leider oft zu wenig gegessen.

Außerdem kann es durch bestimmte Umstände zu einer verminderten Verwertung der Vitamine im Körper bzw. zu einem höheren Bedarf kommen, z.B. bei

  • Magen-Darm-Erkrankungen mit Durchfall und/oder Erbrechen,
  • fieberhaften Erkrankungen,
  • Stress,
  • Schwangerschaft und Stillzeit,
  • Rauchen oder erhöhtem Alkoholkonsum,
  • Diabetes.