Der Nährstoffbedarf

Was ist der Nährstoffbedarf?

Der Nährstoffbedarf wird als diejenige Menge eines Nährstoffs definiert, die aus objektivierbaren, naturwissenschaftlichen Gründen für die Aufrechterhaltung des Organismus und somit für optimale Gesundheit und Leistungsfähigkeit benötigt wird.

Auch für den Begriff Gesundheit, der alltäglich wie selbstverständlich über die Lippen geht, gibt es eine Definition. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet sie als den Zustand vollständigen, körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Erkrankungen und Gebrechen.

Gesundheit ist dennoch nicht absolut bestimmbar, denn sie hängt von vielen individuellen Bedürfnissen und Empfindungen eines einzelnen Menschen ab. Daher ist auch die objektive Messung der Größe Gesundheit nicht machbar. Auch ist eine absolute Trennung zwischen Gesundheit und Krankheit nicht immer möglich.

Die Berechnung des Nährstoffbedarfs

Der Bedarf an einzelnen Nährstoffen ist kein Einzelwert, sondern gibt einen Versorgungsbereich mit einem Nährstoff an.

Er besteht aus drei Komponenten: dem Grundbedarf, dem Mehrbedarf sowie einem Sicherheitszuschlag.

Der Grundbedarf

Der Grundbedarf ist die niedrigste Zahl, die notwendig ist, um Mangelerscheinungen zu verhüten. Diese Mängel im menschlichen Körper werden durch Symptome, klinische Merkmale oder durch biochemische Messgrößen (z.B. Blutwerte) nachgewiesen. Der Grundbedarf ist im Einzelfall sicherlich schwer ermitteln, denn er weist starke Streubreiten auf.

Der Mehrbedarf

Hinzu zu rechnen zum Grundbedarf ist der Mehrbedarf. Besondere physiologische Bedingungen wie z.B. bei einer Schwangerschaft, während der Stillzeit oder der Wachstumsphase erhöhen den Bedarf einzelner Nährstoffe.

Ähnliche Situationen können durch bestimmte Krankheiten, Stress oder extremer körperlicher Beanspruchung entstehen. Vergessen werden darf ebenfalls nicht die Interaktion einzelner Nährstoffe im Essen, die den Bedarf ebenfalls erhöhen können.

Der Sicherheitszuschlag

Der Sicherheitszuschlag berücksichtigt die bis zum Verzehr des Nahrungsmittels entstehenden Verluste einzelner Nährstoffe. Zum Beispiel verlieren zahlreiche Vitamine ihre Aktivität, wenn sie erhitzt werden.

Die Einflussfaktoren

Der Nährstoffbedarf wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst. Sie sind für die einzelnen Personen sehr unterschiedlich. Daraus resultiert die große Spannbreite des Nährstoffbedarfs.

Die wichtigsten Einflussfaktoren sind:

  • die Lebensnotwendigkeit und Funktion des Nährstoffes,
  • die individuellen Unterschiede der Personen,
  • die Umweltbedingungen sowie
  • die Anpassung des Körpers an veränderte Nährstoffzufuhren.

Auch wenn die ernährungswissenschaftliche und medizinische Forschung sehr weit vorangeschritten ist, so gibt es immer noch Wissenslücken bei der Funktion der lebensnotwendigen Nährstoffe. Je mehr Funktionen ein Nährstoff im Organismus hat, desto höher ist der Grundbedarf, der dabei nach wie vor eine Schätzgröße ist.

Der individuelle Unterschied einzelner Menschen bezieht sich nicht nur auf das Alter und das Geschlecht, sondern auch auf die Körperkonstitution, der physiologischen Situation und der genetischen Ausstattung.

Umweltbedingungen wie Klima, Höhenlagen, starke körperliche Aktivität und Zufuhr anderer Nährstoffe und Nichtnährstoffe beeinflussen ebenfalls den Bedarf.

Veränderte Umweltbedingungen rufen in dem flexiblen System des menschlichen Körpers Anpassungsmechanismen hervor. So benötigt der Körper weniger Energie, wenn er langfristig in einem Hungerzustand existieren muss.

Der Einfluss durch die Verdauung

Nicht jeder Nährstoff gelangt direkt von der Nahrung in den Mund und verbleibt dann zu 100 % im Körper und kann für den Stoffwechsel genutzt werden. Auf dem Weg vom Teller bis zur Ausscheidung beeinflussen zahlreiche Verdauungsparameter die Verwertung der Nährstoffe.

So ist die Bioverfügbarkeit, d.h. die Menge eines zugeführten Nährstoffes, die tatsächlich vom Körper aufgenommen wird, abhängig von der Dosis, in der er verzehrt wird und von den begleitenden Nährstoffen, die die Aufnahme behindern oder fördern können. Eine wichtige Einflussgröße ist auch die Speicherkapazität einzelner Nährstoffe. Es gibt unterschiedlich hohe Reserven im Körper für die einzelnen Nährstoffe.

Zentrale Speicher für Mineralstoffe, fettlösliche Vitamine und Vitamin B12 unterscheiden sich von diffusen Speichern der wasserlöslichen Vitamine. Sie sind in vielen Zellen z.B. als Bestandteil eines Enzyms vorhanden.

Die Ausscheidung einzelner Nährstoffe mit dem Urin oder dem Stuhl kann ebenfalls Einfluss auf den Bedarf haben.

Die Messung des Nährstoffbedarfs

Nährstoffbedarfswerte bilden die Basis für die Empfehlungen der Nährstoffzufuhr. Sie werden auf unterschiedlichem Wege ermittelt. Erhebungen über die Nahrungs- und Nährstoffaufnahme einzelner gesunder Bevölkerungsgruppen erlauben eine akzeptable Schätzung des Bedarfs. Die Ergebnisse dieser breit angelegten Studien werden unterstützt durch biochemische Untersuchungen und Bilanzstudien.

In den 40er Jahren wurden an "freiwilligen Personen" so genannte Mangelexperimente durchgeführt. Insbesondere Männer verzichteten so über einen kontrollierbaren Zeitraum auf bestimmte Nährstoffe. Anhand von Blutbestimmungen und anderer medizinischer Untersuchungen konnten Rückschlüsse auf den Nährstoffbedarf ermöglicht werden.

Bilanzstudien ermöglichen Aussagen über den Verbleib einzelner Nährstoffe im Körper. Die Konzentration der aufgenommenen Menge wird mit der ausgeschiedenen verglichen. So wird bekannt, wie viel der Körper verwertet.