Hunger und Sättigung

Der Hypothalamus als Schaltstelle

Die biologische Steuerung des Hunger- und Sättigungsgefühls ist im Hypothalamus des Gehirns lokalisiert. Der Hypothalamus reguliert das Gleichgewicht im menschlichen Stoffwechsel.

Tierexperimentelle Untersuchungen konnten zeigen, dass unterschiedliche Regionen im Hypothalamus sich die Aufgaben teilen. Der außenliegende Bereich wird als Hunger- oder Appetitzentrum, der innenliegende als Sättigungszentrum bezeichnet.

Diese beiden Zentren arbeiten gegen- und miteinander und üben somit gegenseitig eine Kontrollfunktion aus. Es ist dennoch nicht ausgeschlossen, dass auch weitere Gehirnbereiche Einfluss auf die Hunger- und Sättigungsregulation haben.

Besonders enge Verbindungen des Hypothalamus gehen zur Hypophyse, die durch die vermittelten Reize die Arbeit hormonproduzierender Drüsen regelt. Die Schilddrüse, die Gonaden sowie die Nebennieren werden über diesen Weg dazu veranlasst, Hormone, die direkt Hunger und Sättigung regeln, auszuschütten.

Neurotransmitter und Hormone

Neurotransmitter wie Catecholamine, Noradrenalin, Adrenalin, Acetylcholin und Serotonin wirken auf das Hunger- und Sättigungszentrum.

Wie viel nun tatsächlich von diesen Neurotransmittern regulierend einwirken kann, hängt von der Konzentration der Vorstufen im Blut ab. Diese wiederum wird durch die Aufnahme dieser Nährstoffe bestimmt.

Da diese Signalboten ebenfalls eng mit der psychischen Situation des Menschen zusammenhängen, z.B. hohe Adrenalinauschüttung bei Stress, gibt es hier auch eine Erklärung für Hunger und Sättigung bei bestimmten Stimmungen.

Unter den Hormonen gibt es zahlreiche Botenstoffe, deren Ausschüttung über den Hypothalamus gesteuert wird, die wiederum selbst jedoch auch auf diese Schaltstelle wirken.

Insulin und Glukagon - die zwei wichtigen Gegenspieler im Kohlenhydrat-Stoffwechsel - sind sicherlich die bekanntesten Hormone. Jedoch auch Cortison, Östrogen und Progesteron, Verdauungshormone und viele weitere üben eine wichtige Kontrolle auf das Essverhalten aus.

Sensorische Faktoren

Das Aussehen, der Geruch sowie der Geschmack des Essens fördern oder hemmen den Appetit auf die Mahlzeit und nehmen direkt und indirekt Einfluss auf das Hunger- bzw. Sättigungsgefühl.

Menschen, die über eine Sonde die Nahrung direkt in den Magen bekommen, verspüren schneller eine Sättigung als Personen, die mit Genuss das schön zubereitete Essen genießen.

Der Appetit führt auch häufig dazu, dass zu schnell gegessen wird. Dadurch kommt es verspätet zu einem Sättigungsgefühl, dass in der Regel erst nach 20 Minuten eintreten kann. Die Folge: Es wurde zu viel gegessen.

Kontrolle der Nahrungsaufnahme

Der Speisebrei gelangt zunächst in den Magen, dieser gibt ihn an den Dünndarm ab. Wie schnell der Speisebrei in den Darm-Trakt abgegeben wird, ist abhängig von der gegessenen Menge und der Zusammensetzung der Nahrung. So verlangsamen Kohlenhydrate und Fette die Magenentleerung.

Über Rezeptoren erkennt der Magen-Darm-Trakt die Dehnung und chemische Veränderungen. Diese Meldungen gehen an das Sättigungszentrum weiter und es kommt zur Kontrolle der Nahrungsaufnahme.

Hunger- und Sättigungstheorien

Es gibt mehrere Theorien, wie die Hunger- und Sättigungsregulation beeinflusst wird.

Die glukostatische Regulation stützt sich auf die Annahme, dass die Ausschüttung von Insulin nach dem Verzehr einer Mahlzeit aufgrund ansteigender Blutglukose-Konzentrationen größer wird und für den Abtransport von Glukose sorgt.

Dann wiederum kommt es zur Freisetzung von Glukagon, das dem Gehirn signalisiert, dass es an Nährstoffen fehlt: Hunger folgt. Somit nehmen die Kohlenhydrate in der Nahrung eine zentrale Rolle ein.

Bei der aminostatischen Theorie hingegen soll der Proteingehalt in der Nahrung das entscheidende Kriterium sein. Ebenso besteht eine lipostatische Therorie, die sich auf den Fettgehalt der Nahrung stützt.

Die glykogenostatische Regulation erklärt die Nahrungsaufnahme über Veränderungen im Stoffwechsel der Leber. Die Leber koordiniert Informationen über den Zustand der Energieversorgung und leitet sie weiter an das Gehirn.

Alle Theorien gehen davon aus, dass das Hunger- und Sättigungszentrum zwei von einander unabhängige Zentren im Gehirn sind.

Ballaststoffe

Aufgrund der Unverdaulichkeit und des Wasserbindevermögens nehmen die Ballaststoffe eine Sonderrolle ein. Ballaststoffreiche Mahlzeiten weisen nur eine geringe Energiedichte auf, d.h. bei relativ hohem Verzehrsvolumen sind nur relativ wenig Kalorien enthalten.

Ballaststoffbomben benötigen intensives Kauen und sind mit einem hohen Speichelfluss verbunden. Dadurch wird der Appetit gedämpft und die Sättigung tritt eher ein.

Im Magen quillt der Speisebrei auf und signalisiert eine Volumenerhöhung. Der Magensaft wird vermehrt freigesetzt, die Verweildauer des Speisebreis im Magen steigt an. Dadurch wird Sättigung weiterhin unterstützt.

Dieses praktische Beispiel verdeutlicht nochmals vier theoretische Ansätze:

  • Es kann nicht nur von einem Regulationsmechanismus ausgegangen werden, sondern es spielen zahlreiche kleine und große Faktoren eine wichtige Rolle in der Regulation der Nahrungsaufnahme.
  • Durch langsames Essen und gründliches Kauen kann in jedem Fall eine überhöhte Nahrungs- und Energieaufnahme gedämpft werden.
  • Wer zudem auf eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Kartoffeln und Vollkornprodukte achtet, reduziert die Energiedichte der Mahlzeit und damit die Kalorienzufuhr.
  • Wichtig ist es für die Gesundheit, dass der Hunger-Satt-Mechanismus funktioniert und nicht durch Gelüste und Gewohnheiten überdeckt wird.