Vom Mund in den Magen

Der Speichel macht's

Schon vor dem ersten Biss wird der Speichelfluss angeregt. Der Geruch und das Aussehen sowie später der Geschmack reizen die verschiedenen Speicheldrüsen im Mund.

Die Zusammensetzung des täglich etwa 1,5 Liter produzierten Speichels kann stark variieren und hängt zum einen vom Bildungsort, zum anderen von der Geschwindigkeit des Speichelflusses ab.

Alpha-Amylase spaltet Kohlenhydrate

Ein wichtiger Bestandteil des Speichels ist die Alpha-Amylase. Dieses Enzym spaltet bereits im Mund chemisch Kohlenhydrate. Aus Dextrinen, Glykogen und Stärke entstehen kleinere Kohlenhydratmoleküle und Maltose (Malzzucker).

Gleitfähig für die Speiseröhre

Die Speiseröhre beginnt unmittelbar nach dem Kehlkopf. Der gleitfähige Speisebrei wird durch Schlucken in diese etwa 25 cm lange Röhre "katapultiert". Der obere Muskel an der Speiseröhre ist im Verdauungstrakt der einzige Muskel, der willentlich mit dem Schluckakt zu bewegen ist.

Die Speiseröhre (auch Ösophagus genannt) bewegt sich durch Zusammenziehen und Lockerung der Muskeln in schlangenförmigen Bewegungen, der so genannten Peristaltik. Die Innenwand der Speiseröhre ist mit einer glatten Schleimhaut ausgekleidet. Die dort eingebetteten Schleimdrüsen sorgen für eine höhere Gleitfähigkeit des Speisebreis.

Der Zwerchfellmuskel ist eine kuppelartige Trennung zwischen Brust- und Bauchraum. Die Speiseröhre verläuft durch eine kleine Lücke in diesem starken Muskel. Genau an dieser Durchtrittsstelle ist die Speiseröhre durch einen Muskel, der wie ein Ring aussieht, verschlossen.

Er öffnet sich beim Durchtritt vom Speisebrei und schließt sich ebenso schnell wieder. Lediglich beim Erbrechen oder saurem Aufstoßen gelangt Speisebrei aus dem Magen wieder in die Speiseröhre.

Der Aufbau des Magens

Der Magen sieht aus wie ein Sack, ist innen hohl und hat ein Fassungsvermögen von 1,5 bis 2 Litern.

Er lässt sich in mehrere Bereiche einteilen:

  • Der Mageneingang, auch als Kardia bezeichnet, ist durch das
  • Magengewölbe (Fundus) und dem
  • Magenkörper (Korpus) von dem
  • Magenausgang (Antrum) getrennt. An ihn schließt sich der
  • Magenpförtner (Pylorus) an, der den Speisebrei portionsweise in den
  • Zwölffingerdarm (Duodenum) abgibt.

Die Magenschleimhaut besteht aus einer sehr sauren Schicht, die für das Abtöten der Keime sorgt. In der Mitte liegt die tatsächliche Schleimschicht, die als mechanische Barriere die hintere Magenwand vor Verätzungen der Säure schützt.

In der Schleimhaut von Fundus und Korpus sitzen weiterhin unterschiedliche Zelltypen:

  • Die Belegzellen produzieren die Säure,
  • die Hauptzellen liefern die eiweißspaltenden Enzyme (Pepsinogene) und
  • die Nebenzellen geben Mucine (Schleimstoffe) ab, deren wesentliche Aufgabe der Schutz vor Selbstverdauung ist.
  • In den anderen Magenbereichen finden sich nur schleimproduzierende Zellen. Die Schleimschicht bildet sich alle drei Tage neu.

Die Verdauung im Magen

Im Magen beginnt bereits die Protein-(Eiweiß-)Verdauung. Bevor die Enzyme die großen Nahrungsbestandteile spalten können, ist es notwendig, dass die Säure die Eiweiße denaturiert. Darunter ist nichts anderes als eine Ausflockung der Eiweiße zu verstehen.

Pepsine aus den Hauptzellen zerlegen die Eiweiße dann in kleinere Eiweißstücke und in die Einzelsubstanzen, die Aminosäuren.

Die Verdauung der Kohlenhydrate, die bereits im Mund begonnen hatte, wird im Magen fortgesetzt. Der Magen selbst produziert keine Enzyme, die Kohlenhydrate aufspalten können. In sehr geringem Maße wird die Fettverdauung begonnen.

Ein wichtiger Prozess bei der Magenverdauung ist die Freisetzung des so genannten Intrinsic-Faktors, der in den Nebenzellen gebildet wird. Vitamin B12 kann ohne dieses Transportmittel nicht in den Körper gelangen. Die Folge ist eine spezielle Form der Blutarmut.

Perfektes Zusammenspiel

Der Magensaft übernimmt die zentrale Steuerung der Magenverdauung. Von ihm werden täglich 1,5 bis 3 Liter gebildet. Die Regulation erfolgt zum einen reflektorisch - sobald etwas gegessen wird, kommt es zur Freisetzung - zum anderen humoral über das Hormon Gastrin. Sobald der Magen gedehnt wird, der Inhalt nur unzureichend sauer ist (pH-Wert über 2,5) oder aber bereits Aminosäuren aus der Proteinverdauung im Magen vorliegen, wird Gastrin an die Blutbahn abgegeben und zu den Belegzellen des Magens gebracht. Dort stimuliert es dann die Salzsäureproduktion.

Je nach Verdaulichkeit verweilt der Nahrungsbrei weniger als eine Stunde (z.B. Suppen) oder bis zu sechs Stunden (Gänse- und Schweinebraten) im Magen. Somit kommt dem Magen auch eine wichtige Funktion als Speicherorgan zu.