Eisenmangel: häufig bei Frauen

Die Aufgaben des Eisens

Eisen ist ein Metall, das für die Blutbildung unerlässlich ist. Auch für einige Eiweißstoffe (Enzyme) ist es ein wichtiger Stoff, denn ohne Eisen können diese Enzyme nicht aufgebaut werden. Dadurch laufen dann manche Stoffwechselvorgänge nicht mehr ordnungsgemäß ab.

Ohne Eisen kann insbesondere der rote Blutfarbstoff, das Hämoglobin, nicht gebildet werden. Das Hämoglobin ist der Stoff, an den im Blut der Sauerstoff gebunden und zu den Organen transportiert wird. Daher kommt es bei einem Eisenmangel zu einer Blutarmut (Anämie) und einer verminderten Belastbarkeit - aufgrund eines Sauerstoffmangels des Körpers. Der Eisenmangel ist der häufigste Grund für eine Blutarmut, etwa 80 % aller Anämien sind durch einen Eisenmangel verursacht.

Durch die Nahrung aufgenommenes Eisen wird im Körper in den roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) und in den Muskelfarbstoff (Myoglobin) eingebaut oder in Form von Ferritin oder Hämosiderin gespeichert. Ein 70 kg schwerer Mann besitzt ca. 3,5 g Eisen (50 mg pro Kilogramm Körpergewicht), eine 60 kg schwere Frau kommt auf 2,1 g Eisen (35 mg pro Kilogramm Körpergewicht).

Der Tagesbedarf an Eisen beträgt beim Mann 1 mg, Frauen brauchen im gebärfähigen Alter 2 mg und Schwangere 3 mg Eisen pro Tag. Da Frauen über die Regelblutung immer wieder Eisen verlieren, trifft man bei etwa 10 % der Frauen im gebährfähigen Alter eine Eisenmangelanämie an, bei Männern sind nur 3 % davon betroffen.

Ursachen für Eisenmangel

Das benötigte Eisen wird über die Nahrung aufgenommen und im Magen und Dünndarm aus der Nahrung extrahiert. Welcher Anteil des Nahrungseisens schließlich in den Körper gelangt hängt davon ab, ob ein Eisenbedarf vorliegt oder die so genannten Eisenspeicher gefüllt sind.

Bei ausgeglichener Eisenbilanz werden weniger als 10 % des Nahrungseisens aufgenommen, im Falle eines Eisenmangels kann dieser Prozentsatz auf maximal 25 % gesteigert werden. Wird der vorhandene Eisenverlust nicht mehr durch das Nahrungsangebot gedeckt, kommt es zum Eisenmangel und später zur Eisenmangelanämie.

Die häufigsten Ursachen eines Eisenmangels sind Eisenverluste durch chronische Blutungen (80 % der Fälle). Diese chronischen Blutungen werden z.B. ausgelöst durch:

  • Genitale Blutungen der Frau (z.B. Regelblutung)
  • Blutungen aus dem Verdauungstrakt (Geschwüre, Krebs, entzündliche Darmerkrankungen)
  • Blutverluste aus anderen Organen (Nase, Lunge, Harnwege)
  • Operationen
  • Unfälle
  • Dialyse
  • Blutspende

Andere Gründe für einen Eisenmangel sind wesentlich seltener anzutreffen. Erwähnenswert sind hier die mangelhafte Zufuhr von Eisen zum Beispiel bei Säuglingen, Kleinkindern und Vegetariern oder der gesteigerte Bedarf an Eisen während bestimmter Lebensphasen (Wachstum, Schwangerschaft, Stillzeit).

Aber es gibt auch Situationen, in denen genügend Eisen im Darm vorhanden ist, dieses aber nicht in ausreichender Menge vom Körper aufgenommen werden kann. Das ist unter anderem nach einer teilweisen Entfernung des Magens oder bestimmten Dünndarmerkrankungen der Fall. Der Eisenmangel wird in drei verschiedene Stadien eingeteilt:

  • Prälatenter Eisenmangel (Mangel an Speichereisen)
  • Latenter Eisenmangel (Verminderte Eisenspiegel im Serum und Knochenmark)
  • Manifester Eisenmangel (Eisenmangelanämie)

Die Anzeichen

Der Eisenmangel entwickelt sich meist schleichend, daher sind die Symptome oft erst in fortgeschrittenen Stadien deutlich zu erkennen, weil sich der Körper des Betroffenen zunächst auf das verminderte Eisenangebot einzustellen versucht.

Die Hinweise für den Eisenmangel beinhalten einige Hauterscheinungen und typische Allgemeinsymptome:

Hautsymptome

  • Die Zunge ist blass und kann brennen.
  • Die Nägel sind brüchig und weisen die Form von Hohlnägeln auf.
  • Die Haut ist trocken.
  • Das Schlucken kann schmerzen (Plummer-Vinson-Syndrom).
  • An den Mundwinkeln finden sich kleine Einrisse (Rhagaden).

Allgemeinsymptome

  • Blässe von Schleimhäuten und Haut
  • Schwäche
  • Verminderte Belastbarkeit
  • Müdigkeit
  • Luftnot bei Belastung

Die Diagnose

Die Diagnose wird aufgrund von Laboruntersuchungen gestellt. Vorher wird der Arzt aber noch eine genaue Befragung (Anamnese) vornehmen und eine körperliche Untersuchung anschließen. Besteht dann der Verdacht auf einen Eisenmangel weiter, wird er eine Blutentnahme veranlassen, die den Verdacht dann bestätigen kann. Dabei wird er folgende Werte bestimmen:

  • Differentialblutbild
  • Ferritin (Speichereisen)

Findet er dabei eine Verminderung des roten Blutfarbstoffs (Hypochromie) in Verbindung mit verkleinerten roten Blutkörperchen (Mikrozytose) und ein vermindertes Ferritin, ist die Verdachtsdiagnose bestätigt.

Damit ist aber nur die Hälfte der Arbeit getan. Zusätzlich muss noch geklärt werden, woher der Eisenmangel rührt. Auch hier hilft dem Arzt vielleicht schon die genaue Anamnese weiter. Anderenfalls wird er nach einer Blutungsquelle suchen, da in über 80 % der Fälle eine versteckte Blutung für den Eisenmangel verantwortlich ist.

Er wird daher erst einmal mittels einer Stuhlprobe nach Blut im Stuhl suchen und bei weitergehendem Verdacht eine Ultraschalluntersuchung des Bauches vornehmen. Eventuell wird er auch eine Magen- und/oder Darmspiegelung veranlassen. An Blutungsquellen aus dem Harnwegsbereich muss in zweiter Linie gedacht werden und bei Frauen sollte der Frauenarzt hinzugezogen werden. Auch Zahnfleischblutungen oder große Blutergüsse nach Unfällen sowie Sportverletzungen sollten mit in die Überlegungen einbezogen werden.

Manchmal ist es sehr schwierig, die Ursache des Eisenmangels zu ergründen, gar nicht so selten bleibt die Ursache auch erst einmal unklar.

So wird therapiert

Wenn man eine beeinflussbare Ursache für den Eisenmangel gefunden hat (z.B. ein blutendes Magengeschwür), wird man natürlich diese Ursache behandeln. In allen anderen Fällen muss man dem Körper über das normale Nahrungsangebot hinaus Eisen zuführen. Dazu muss der Betroffene täglich Eisentabletten einnehmen.

Wichtig ist bei dieser Therapie, dass das Eisen in ausreichend hoher Dosis und über einen längeren Zeitraum eingenommen wird. Das Präparat sollte anfangs in niedriger Dosierung vor den Mahlzeiten eingenommen werden und über 2 Wochen bis auf eine Tagesdosis von 100 bis 200 mg gesteigert werden. Dieses Vorgehen vermindert die Nebenwirkungen von Seiten des Magen-Darm-Traktes, die nicht selten während der Therapie auftreten.

Magenempfindliche Patienten können das Eisen aber auch während oder nach den Mahlzeiten einnehmen, auch wenn die Resorptionsrate dann nicht so hoch ist wie bei einer Einnahme auf nüchternen Magen.

Der Stuhl nimmt unter der Eisengabe eine schwarze Farbe an und kann auch unangenehm riechen. Patienten, die dies nicht wissen, erschrecken oft über diese Begleiterscheinung.

Nach ein bis zwei Wochen sollte sich der Effekt der Eisengabe in den Blutwerten bemerkbar machen und nach sechs bis acht Wochen ist die Blutarmut meist ausgeglichen. Zu diesem Zeitpunkt sind aber die Eisenspeicher noch nicht gefüllt, so dass eine weitere Eisengabe erforderlich ist.

Anhand des Ferritinspiegels kann die Füllung der Eisenspeicher überprüft werden, und erst nachdem das Ferritin sich wieder im Normbereich befindet, sollte die Eisengabe beendet werden. Meist ist dies nach vier bis sechs Monaten Therapie der Fall.