Wissenswertes über die Intimzone

Stress wirkt auch auf die Vagina

Eine Studie der Uni Bamberg zeigt, dass Stress die Hauptursache für immer wiederkehrende Pilzinfektionen ist. "Stress löst im Unterleib einen Dominoeffekt aus", erklärt die Frauenärztin Sheila de Liz. "Er treibt den Cortisolspiegel in die Höhe, wodurch die schützenden Milchsäurebakterien in der Vagina, die Pilze bekämpfen, zugrunde gehen".

Damit die Scheide Erreger loswird, produziert sie dann mehr Ausfluss. Wer die Vagina bei Stress schützen will: Zweimal wöchentlich eine Milchsäurekapsel eingeführt bewahrt die gesunde Scheidenflora.

"Immer wieder klagen Patientinnen, dass sie Ausfluss haben", sagt Sheila de Liz. "Dabei ist es nicht nur ganz normal, sondern sogar außerordentlich wichtig". Jede Frau produziert am Tag rund einen Teelöffel voll des weiß bis leicht gelblichen Sekrets, das leicht säuerlich riecht und die Scheide innerlich reinigt.

Zudem sorgt ein saurer pH-Wert dafür, dass Krankheitserreger unschädlich gemacht werden. Aber Vorsicht: Verändert sich seine Farbe oder der Geruch, sollte man zum Arzt gehen - dies deutet auf eine Infektion hin.

Rasieren und zu viel Waschen ist nicht gesünder

Es mag reiner aussehen - gesünder ist es nicht. Etwa jede dritte Frau ist mittlerweile komplett rasiert. "Beim Rasieren entstehen immer Mikroverletzungen, in die Keime eindringen können", so Sheila de Liz. Um das zu verhindern, sollte man den Bereich nach der Rasur mit einem milden antiseptischen Mittel für den Intimbereich desinfizieren.

Gesünder sei es, so die Expertin, die Haare mit Wachs oder Zuckerpaste zu entfernen. Ganz unnütz sind Schamhaare übrigens nicht: Sie nehmen den Duft der Sexualpheromone auf. Lockstoffe, mit denen man unbewusst Lust auf Sex signalisiert.

Man muss - oder sollte vielmehr - auf keinen Fall zu viel tun: "Einmal am Tag waschen reicht völlig sagt de Liz. Intimsprays oder gar -spülungen sind sogar kontraproduktiv. "Es besteht die Gefahr, dass der pH-Wert in der Scheide steigt und Krankheitserreger ein leichtes Spiel haben".

Wer empfindlich ist und häufig Infektionen hat, sollte sich nur mit Babyseifen, einem Intimduschgel oder nur mit purem Wasser waschen. Anschließend, gerade im Sommer, jede Hautfalte gut abtrocknen, sonst wachsen schnell Pilze.

Trockene Phasen kommen vor

Angefangen von Hormonumstellungen, etwa in der Schwangerschaft oder der Stillzeit, über die falsche Pille bis hin zu Krankheiten, wie etwa Bluthochdruck oder Diabetes: Es kann viele Gründe geben, warum die Vagina zu trocken ist. "Gerade Krankheiten, welche die Gefäße verengen, wirken sich negativ aus.

Denn die Feuchtigkeit entsteht nur bei guter Durchblutung", erklärt die Expertin. Wichtig in trockenen Phasen: Die Intimregion täglich mit einer befeuchtenden Fettcreme pflegen.

Nach der Menopause machen zudem drei von fünf Frauen Bekanntschaft mit der "Vulvavaginalen Atrophie". Davon spricht man, wenn infolge des Hormondefizits die vaginale Schleimhaut dünner, schmerzempfindlicher und trockener wird, wodurch die Scheide schrumpfen kann. "Über dieses Thema redet fast niemand, obwohl viele Frauen wirklich sehr darunter leiden", sagt Gynäkologin Sheila de Liz.

Vorbeugen kann man dem, indem man ab der Menopause zweimal wöchentlich Milchsäurezäpfchen einführt und den Scheideneingang mit einer verschreibungspflichtigen, östrogenhaltigen Creme pflegt.

Schmerzen beim Sex sollten nicht sein

Bei jeder zehnten Frau ist Sex schmerzhaft, das hat der Berufsverband der Frauenärzte herausgefunden. Die meisten Frauen leiden schweigend und vertrauen sich ihrem Gynäkologen erst an, wenn die Partnerschaft bereits darunter leidet.

Die Schmerzen können verschiedene Ursachen haben: nicht nur mangelnde Feuchtigkeit, sondern auch die falsche Pille, Pilze oder bakterielle Infektionen (z.B. mit Chlamydien). Je nach Diagnose kann der Gynäkologe dann Hormonpräparate, ein Fungizid oder Antibiotika verordnen.

Manchmal gibt es für die Schmerzen aber auch überhaupt keine körperliche, sondern eine seelische Ursache: " Bei der Dyspareunie, die sogar recht häufig vorkommt, sagt der Körper Nein zu Sex", erklärt Sheila de Liz. Hier rät die Frauenärztin, den Grund mithilfe einer Psychotherapie herauszufinden - damit Sex wieder so schön wird, wie er immer war.