Verletzungen der Achillessehne

Die Ferse des Achilles

Bei der Achillessehne (Tendo Calcaneus) handelt es sich um die Verbindung des Fersenbeins mit der Wadenmuskulatur. Ihren Namen hat sie aus der griechischen Mythologie. Gilt doch die Achillesferse als Schwachstelle des ansonsten unbesiegbaren Achilleus.

Der Sohn des menschlichen Vaters Peleus und der göttlichen Mutter, der Meeresgöttin Thetis, war eigentlich sterblich. Um ihn unverwundbar zu machen, tauchte ihn Thetis in den Fluss Styx, der die Unterwelt von der Oberwelt trennt. Die Stelle an der Ferse, an der sie Achilleus mit der Hand hielt, blieb jedoch vom Wasser unbenetzt - und dadurch verwundbar.

Inzwischen gilt die Achillesferse im übertragenen Sinn als verwundbare Stelle eines Systems oder einer Taktik. Denn so verletzlich ist die Achillessehne nicht. Ein Riss ist zwar folgenschwer, aber dennoch seltener als gedacht.

Insbesondere bei ambitionierten Sportlern sind Probleme mit der Sehne bekannt, die vor allem für die Beugung des Sprunggelenkes unentbehrlich ist. Durch die Bewegung wird der Vorfuß kraftvoll nach unten gezogen - wesentlich für den Abstoß des Fußes beim Gehen und Laufen.

Außerdem überträgt die Achillessehne nicht nur die Kraft der Wadenmuskulatur auf den Fuß, sondern sie fängt mit jedem Schritt auch ein Mehrfaches des Körpergewichts auf. Diese extremen Belastungen werden durch eine besondere Reißfestigkeit und Dicke der Sehne ermöglicht.

Die durchschnittliche Länge der Achillessehne liegt zwischen 20 und 25 Zentimetern, der mittlere Querschnitt bei 80 mm². Ihre schmalste Stelle liegt etwa vier Zentimeter über dem Ursprung, anschließend wird die Sehne wieder breiter.

So ist die Achillessehne Belastungen von 60 bis 100 N/mm² (Newton pro Quadratmillimeter) gewachsen. Dieses entspricht bei 80 mm² Fläche einer Tragfähigkeit von bis zu 800 kg.

Wenn die Sehne reißt

Ein Achillessehnenriss geschieht zumeist plötzlich - und sehr häufig mit einem lauten, peitschenknallähnlichen Geräusch. Vielfach sind Vorschädigungen durch Über- und Fehlbelastungen vorhanden, die einen Riss begünstigen.

Dabei erfährt die Sehne immer wieder kleinere Verletzungen, die die Versorgung des Gewebes stören und so zur Degeneration der Festigkeit führen. In vielen Fällen reißt die Achillessehne in ihrem schmalsten Bereich, der sogenannten Achillesssehnentaille.

Obwohl viel über Achillessehnenrisse zu hören und zu lesen ist, gehören diese doch zu den eher seltenen Sportverletzungen. Insbesondere bei Sportarten, die sich durch schnelle Richtungsänderungen auszeichnen, sind diese Risse jedoch möglich. Im Fußball, Handball oder beim Tennis sind die Fallzahlen deutlich höher als beim Schwimmen oder Radfahren.

Allgemein gibt es eine Häufung bei sportlich aktiven Männern im Alter von 30 bis 50 Jahren - überdurchschnittlich häufig sind sportlich aktive Menschen von einem Achillessehnenriss betroffen.

Ist die Sehne gerissen, lässt sich bei frischen Rupturen meist eine Lücke ertasten. Zudem ist das Gehen auf Zehenspitzen nicht mehr möglich, der betroffene Bereich ist nach kurzer Zeit blutunterlaufen und geschwollen.

Festgestellt werden kann der Riss auch durch eine Ultraschalluntersuchung. Sind die Befunde nicht eindeutig, kommt eine Kernspintomographie zum Einsatz. Bei dieser können auch veraltete Rupturen oder Degenerationen der Sehne festgestellt werden.

Behandlung des Sehnenrisses

Bei Verdacht auf einen Achillessehnenriss sollte möglichst rasch ein Arzt aufgesucht werden. Zumeist ist es der Orthopäde, der aktiv wird. Zunächst wird das Bein entlastet und hoch gelagert. Die schmerzende Stelle sollte vorsichtig gekühlt werden.

Vielfach erfordert ein Achillessehnenriss eine Operation. Bei der Achillessehnenrekonstruktion näht der Arzt die gerissene Sehne wieder zusammen. Gegebenenfalls wird sie mit einer benachbarten Sehne verstärkt, die elastischer ist als die Achillessehne.

Während der Wundheilung ist für 10 bis 14 Tage ein Liegegips oder eine sogenannte Gipslongette nötig. Anschließend ist für mindestens vier Wochen ein Gehgips oder eine Unterschenkel-Stiefel-Orthese erforderlich, die eine entlastende Spitzfußstellung ermöglichen. Zumeist ist danach eine Physiotherapie erforderlich, um den verkürzten Wadenmuskel und die eingesteiften Gelenke wieder in Gang zu bringen.

Bei der konservativen Therapie des Achillessehnenrisses wird auf die Operation verzichtet. Dies ist z.B. dann der Fall, wenn der chirurgische Eingriff durch Vorerkrankungen des Patienten sehr risikoreich wäre.

Nötig sind dann Gipsverbände, spezielles orthopädisches Schuhwerk oder Orthesen für eine deutlich längere Zeit als bei der operativen Methode. Um heilen zu können, benötigt die Sehne vor allem Zeit. Unterstützend können Physiotherapie und Wärmebehandlungen wirken.

Welche Behandlung zum Einsatz kommt, muss individuell entschieden werden. Sowohl die konservative als auch die operative Methode haben ihre Vor- und Nachteile.

Um das Risiko eines Achillessehnenrisses zu senken, werden diese Tipps gegeben:

  • Nicht überlasten, nach Sport oder Anstrengungen für Erholungsphasen sorgen.
  • Regelmäßiger, moderater Sport ist günstiger als seltene Spitzenleistungen.
  • Vor dem Training immer gut aufwärmen, damit die Muskeln, Bänder und Co. elastischer sind.
  • Beim Sport die Belastung nur allmählich steigern.
  • Auf gutes, individuell passendes Schuhwerk achten.

Die Achillessehnenreizung

Bei der Achillessehnenentzündung oder -reizung handelt es sich um eine typische Laufverletzung, die oft bei zu hohen Trainingsintensitäten auftritt. Die Schmerzen machen sich bemerkbar, wenn die Wadenmuskeln angespannt oder gedehnt werden oder wenn das Fußgelenk für längere Zeit belastet wird.

Typisch sind auch starke Beschwerden am Morgen. Es fällt schwer, aus dem Bett aufzustehen und barfuß die ersten Schritte zu gehen. Weil die Füße in der Nacht zumeist in Spitzfußstellung gehalten werden, belastet das morgendliche Auftreten die Achillessehne dann besonders stark.

Häufig ist eine gereizte Achillessehne von außen zu ertasten. Sie ist etwa fünf Zentimeter oberhalb des Fersenbeins verdickt - und beim Druck auf eben diese Stelle verstärken sich die Beschwerden.

Bei einer Reizung ist vor allem Schonung angesagt. Das Sprunggelenk sollte in leichter Spitzfußstellung gehalten werden - also die Fußspitze nach unten gestreckt, die Ferse angezogen werden. Mit dieser Fußstellung wird Spannung von der strapazierten Sehne und der Wadenmuskulatur genommen.

Bis die Achillessehnenbeschwerden abgeklungen sind, sollte auch auf Sportarten verzichtet werden, die die Sehne und die Wadenmuskulatur stark belasten. Unterstützend kann die schmerzende Stelle in den ersten Tagen gekühlt oder mit durchblutungsfördernden Salben eingerieben werden. Auch Bandagen oder erhöhte Schuhabsätze können nötig werden. Dies entscheidet der behandelnde Arzt.

Eine Reizung sollte auf jeden Fall behandelt werden, da sie zu Verschleiß- und Abnutzungsprozessen in der Sehne führen kann, die wiederum einen Riss begünstigen. In der Regel benötigt eine angeschlagene Achillessehne sechs bis acht Wochen, bis sie wieder voll belastbar ist - mit großen individuellen Unterschieden im Heilungsverlauf.