Tabuthema Inkontinenz

Viele Ursachen - viele Formen

Das Wasserlassen, medizinisch Miktion genannt, ist ein hochkomplexes Zusammenspiel von Gehirn und Nerven, Blase und Schließmuskel. Ab einem bestimmten Füllungsgrad melden Rezeptoren in der Blasenwand an das Gehirn, dass sich die Blase langsam füllt. Mit zunehmender Füllung erhöht sich der Harndrang, der aber in den meisten Fällen noch beherrscht werden kann. Man kneift den Schließmuskel zusammen und hält den Urin zurück, bis eine Toilette erreicht wird.

Stressinkontinenz

Menschen, die unter Inkontinenz leiden, können das nicht. Bei ihnen ist häufig eine Schwäche des Schließmuskelsystems am Blasenausgang zu erkennen. Diese kann durch Geburten, Operationen, äußere Verletzungen oder auch durch eine im Alter zunehmende Gewebeschwäche bedingt sein. So kann schon eine Druckerhöhung im Bauchraum, z.B. durch Niesen, Husten oder schweres Heben, den geschwächten Harnröhrenverschluss überwinden. Diese Form der Blasenschwäche wird auch "Stressinkontinenz" genannt. Darunter versteht man das unfreiwillige Abgeben von Urin durch Anstrengung.

Drang- und Überlaufinkontinenz

Daneben gibt es auch die "Dranginkontinenz". Hierbei entsteht ein plötzlicher, nicht mehr beherrschbarer Harndrang. Jeder Weg zur Toilette ist hierbei zu weit. Die dritte Form der Inkontinenz ist die "Überlaufinkontinenz", bei der ein unfreiwilliger Urinverlust in geringen Mengen stattfindet. und große Mengen Restharn in der Blase zurückbleiben.

Wenn jeder Termin zur Qual wird

Tabuisiert wird das Thema Inkontinenz vor allem aus Scham. Weil die Betroffenen den Harn häufig nicht mehr halten können, wird für sie jede Verabredung, jeder Gang ins Kino oder Theater oder auch nur ein Stadtbummel zur Qual. Ständig meldet sich die Blase. Dazu kommt die Angst, dass Außenstehende etwas von dem Problem bemerken, denn eine Geruchsentwicklung kann ohne entsprechende Einlagen nicht ausgeschlossen werden.

Stuhlinkontinenz

Auch bei der Stuhlinkontinenz wird zwischen zwei verschiedenen Formen unterschieden. Es gibt die "gelegentliche Stuhlinkontinenz", z.B. bei Durchfall, nach Operationen oder der Einnahme von Abführmitteln. "Dauerhafte Stuhlinkontinenz" ist beispielsweise nach einem Schlaganfall, bei Darmerkrankungen, nach Operationen oder Verletzungen der Analregion möglich.

Hilfe bei Inkontinenz

Wichtig ist, dass Betroffene schon frühzeitig einen Arzt aufsuchen, denn von alleine beruhigt sich eine überaktive Blase nur äußerst selten. Der Arztbesuch dient auch dazu, die genaue Ursache des Harnabgangs abzuklären. So können auch Harnwegsinfekte oder Blasensteine vorliegen, die behandelt werden müssten.

Falls der Arzt organische Ursachen für die Blasenschwäche ausschließen kann, besteht die Möglichkeit, den überaktiven Blasenmuskel mit Hilfe von Medikamenten zu entspannen. Dafür stehen bewährte und gut verträgliche pflanzliche Arzneimittel zur Verfügung, die rezeptfrei in Ihrer Apotheke erhältlich sind.

Wichtig sind auch aufsaugende Hilfsmittel, die Ihnen in Ihrer Apotheke gerne näher vorgestellt werden. Je nach Anwendungsbereich gibt es verschiedene Produkte. Obwohl häufig von Inkontinenz als reinem Frauenproblem gesprochen wird, sind doch rund 25 Prozent der Betroffenen Männer. Für sie gibt es ebenfalls spezielle Produkte.

Einlagen und Slips

Zu den aufsaugenden Hilfsmitteln für Frauen zählen Einlagen. Diese enthalten einen Saugkern, der die auftreffende Flüssigkeit in ein Gel umwandelt. Selbst unter Druck bleiben diese Einlagen dicht. Manche Einlagen enthalten Zusätze, die die Geruchsbildung hemmen. Diese Einlagen gibt es in den unterschiedlichsten Größen und Passformen. Dabei sind manche nicht größer als normale Damenbinden, andere wiederum sind anatomisch geformt.

Darüber hinaus sind Inkontinenzslips (auch Windelhosen) erhältlich, die bei schwerer Harninkontinenz sowie bei besonders pflegebedürftigen Patienten angewendet werden. Manche sind mit einem blauen, linienförmigen Nässe-Indikator ausgestattet, die anzeigen, wann ein Slipwechsel notwendig ist. Es gibt auch umweltfreundliche Varianten, die aus einem waschbaren, wiederverwendbaren Material hergestellt sind, das etwa 300 Wäschen bei 60 °C verträgt.

Speziell für Männer

Für Männer, die unter einer Tröpfelinkontinenz leiden, gibt es speziell geformte Einlagen, die so genannten Tropfenfänger. Die körpergerechte Taschenform passt sich der männlichen Anatomie an. Dabei richtet sich die zu wählende Größe nach der Inkontinenzstärke. Wie der Name schon sagt, eignen sich die Tropfenfänger nur für geringe Urinmengen. Sie werden per Haftstreifen oder Netzhose fixiert und sind für Außenstehende nicht zu sehen. Auch vor Geräuschen sollten Betroffene keine Angst haben.

Leiden Männer an stärkerer Inkontinenz, können sie auf Kondomurinale zurückgreifen. Diese werden wie ein Kondom über den Penis gestreift. Über einen Schlauch wird dann der Harn in einen Auffangbeutel geleitet, der am Bein befestigt wird. Das Kondomurinal ist ein Produkt, das Rollstuhlfahrer, mobile Patienten und sogar Sportler leicht anwenden können. Die Urinale müssen vom Arzt verordnet werden.

Die Stärken Ihrer Apotheke

In Ihrer Apotheke werden Sie umfassend über die verschiedenen Möglichkeiten einer Therapie der Inkontinenz und die idealen Hilfsmittel beraten. Sie können beispielsweise Muster der einzelnen Einlagen zum Ausprobieren mitnehmen und bekommen Informationen zur Anwendungsweise.

Sie brauchen keine Angst haben, mit Ihren Problemen in Ihre Apotheke zu kommen. Dort finden Sie geschultes Personal, das Sie in separaten Räumen diskret und umfassend berät.