Allergie - was ist das genau?

Fehlentscheidung des Immunsystems

Allergien beruhen auf einer Über-Empfindlichkeit gegenüber Allergenen. Allergene sind Nahrungs- oder Umweltsubstanzen, die durch den Mund oder über die Luftwege aufgenommen werden oder mit denen man über einen Hautkontakt in Berührung kommt. Andere Menschen, die gegenüber diesen Stoffen nicht über-empfindlich sind, zeigen bei Kontakt mit diesen Substanzen keinerlei Symptome.

Normalerweise lernt unser Immunsystem bereits in der Kindheit, exakt zwischen unschädlichen und schädlichen Substanzen wie Bakterien und Viren, die unsere Gesundheit angreifen, zu unterscheiden. Säuglinge und Kleinkinder sind zahllosen Krankheitserregern ausgesetzt. Der Kontakt mit solchen Erregern führt zu einer Erkrankung, aber auch dazu, dass das Immunsystem Antikörper dagegen produziert. Diese Antikörper sind besondere Eiweißsubstanzen, die Immunglobuline. Gemeinsam mit bestimmten Abwehrzellen des Blutes sind sie in der Lage, als "gefährlich" erkannte Substanzen unschädlich zu machen.

Bei Allergikern macht das Immunsystem jedoch Fehler. Es greift auch Substanzen an, die normalerweise unschädlich sind, wie Pollen, Hausstaubmilben oder bestimmte Nahrungsmittel.

Die genaue Ursache dieser Fehlentscheidung des Immunsystems ist bis heute unklar. Man weiß allerdings, dass erbliche Faktoren und eine übertriebene Hygiene im Kindesalter eine Rolle spielen. Für letztere Annahme spricht, dass Kinder, die in scheinbar "unhygienischer" Umgebung von Bauernhöfen aufwachsen seltener an Allergien leiden als Stadtkinder mit geringerer Schmutzbelastung.

Die Abwehrreaktion

Das Immunsystem produziert fünf verschiedene Klassen von Antikörpern, nämlich IgA, IgM, IgG, IgD und IgE; "Ig" steht für "Immunglobuline", denn das sind ja die Antikörper. Jede dieser fünf Antikörper-Klassen hat eine bestimmte Aufgabe.

Immunglobuline der Klasse E (IgE) sind die Antikörper, die speziell gegen Allergene gebildet werden. Die IgE-Antikörper heften sich an das Allergen (z.B. Pollen-Moleküle) und an zwei Arten von Abwehrzellen (Mastzellen und Basophile). Diese Abwehrzellen setzen dann eine Reihe chemischer Stoffe frei, die man Mediatoren nennt. Histamin ist z.B. solch ein wichtiger Mediator.

Dieses Histamin ist es, das dann die laufende Nase, Niesen, Juckreiz und andere allergische Krankheitszeichen auslöst. Manche Mediatoren arbeiten sehr schnell. Deshalb kommt es oft sofort beim Kontakt mit einem bestimmten Allergen zur allergischen Reaktion.

Für die Allergie ist es charakteristisch, dass das Immunsystem nicht nur einmalig einen an sich unschädlichen Stoff irrtümlich als gefährlich ansieht und das Abwehrsystem aktiviert, sondern sich diese Reaktion auch noch "merkt". Das heißt: Jedes Mal, wenn der Allergiker mit "seinem" Allergen in Kontakt kommt, macht das Immunsystem denselben Fehler wieder, und es kommt erneut zur allergischen Reaktion.

Es kann zudem passieren, dass eine bestimmte, bereits bestehende Allergie z.B. gegen Gräserpollen gleichzeitig noch eine Allergie gegen einen anderen Stoff, z.B. Erdnüsse, auslöst. Wenn auf diese Art zwei Allergien ineinander übergehen, nennt man dies eine Kreuzallergie.

Allergene

Die unterschiedlichsten Substanzen und Stoffe können Allergien auslösen, d.h. zu Allergenen werden. Die häufigsten Allergene sind hier aufgeführt. Prinzipiell kann der Mensch aber auf jede erdenkliche Substanz allergisch reagieren.

Inhalationsallergene

= Aufnahme über die Schleimhäute der Atemwege (auch der Augen)

  • Blütenpollen
  • Hausstaub(milben)
  • Tierhaare
  • Getreidepartikel

Ingestionsallergene

= Aufnahme über die Schleimhäute des Mundes und des Magen-Darm-Trakts

  • Milch
  • Eier
  • Fisch
  • Schalentiere
  • Obst
  • Nüsse
  • Gewürze
  • Medikamente

Kontaktallergene

= Reaktion des Körpers auf Hautkontakt

  • Metalle
  • Chemikalien
  • Latex

Die Diagnose

Zur Diagnosestellung einer Allergie ist es wichtig, dem Arzt genau die Begleitumstände der Beschwerden zu nennen.

Eventuell muss der Patient einen Fragebogen ausfüllen, damit klar wird, wann, wo und wie die mutmaßlich allergischen Beschwerden auftreten.

Der Arzt wird dann versuchen, mittels verschiedener Hauttests und/oder durch eine Blutuntersuchung zu bestimmen, auf welche Stoffe der Patient allergisch reagiert.

Schwer Verlag GmbH, Medizin und Naturwissenschaften Aktualisierung: 10.07.2003