Allergien richtig erkennen

Das Allergie-Tagebuch

Viele mögliche Allergien können schon im ausführlichen Arzt-Patient-Gespräch abgeklärt werden. Leicht aufzuspüren ist beispielsweise eine Katzenhaarallergie. Schwieriger dagegen ist es, eine Nahrungsmittelallergie zu entschlüsseln.

Hilfreich für das Aufspüren von Allergenen ist ein Allergie-Tagebuch. Dieses sollte über einige Wochen geführt und dann mit dem Arzt besprochen werden. Hier können Betroffene notieren, welche Beschwerden sie wann hatten, in welchem Ausmaß sie auftraten, ob sie Medikamente dagegen eingenommen haben, was sie gegessen und getrunken haben.

Auch Notizen zum Wetter, zu psychischen Belastungen sowie zum Umgang mit Farben, Lacken und vielem mehr sollten im Allergie-Tagebuch ihren Platz finden. Wichtig ist es, dass man sich selbst sehr genau beobachtet.

Anhand der Anhaltspunkte, die dem Allergologen geliefert werden, wird er eine erste Diagnose fällen. Mit Allergenextrakten kann er direkt oder im Labor untersuchen, ob tatsächlich eine Allergie auf die verdächtige Substanz vorliegt.

Die Anamnese

Das Allergie-Tagebuch kann bei der Anamnese hilfreich sein. Dabei werden im ausführlichen Gespräch zwischen dem Arzt und dem Patienten nicht nur die aktuellen Beschwerden, sondern auch die Krankheitsgeschichte des Betroffenen ausgelotet.

Insbesondere schwerwiegende, den gesamten Organismus betreffende Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Probleme, Rheuma oder Arteriosklerose müssen erwähnt werden, damit sie der Arzt bei der Allergiediagnose und -therapie berücksichtigen kann.

Da Allergien des atopischen Krankheitskreises, wie z.B. Heuschnupfen und allergisches Asthma, gehäuft in so genannten Allergikerfamilien vorkommen, ist es für den Arzt außerdem wichtig, über das Auftreten von Allergien innerhalb der Familie Bescheid zu wissen.

Denn die Kinder von Allergikern haben die Veranlagung, eine dieser Allergien zu entwickeln, bereits seit ihrer Geburt in den Genen. Ob sie zum Ausbruch kommen, hängt jedoch von zahlreichen weiteren Faktoren ab.

Zur ausführlichen Anamnese zählt auch die Befragung des Patienten über sein persönliches Umfeld. Interessant sind nicht nur die Wohnung, sondern auch der Arbeitsplatz oder Hobbys. Zusätzlich sollten Essgewohnheiten, Pflegeprodukte und Stresssituationen unter die Lupe genommen werden.

Hauttests

Das Prinzip aller Hauttests ist es, verdächtige Allergene auf oder unterhalb der Haut aufzubringen und die Reaktionen zu beobachten. Dazu benutzt der Allergologe Allergenextrakte. Diese speziell hergestellten Präparate enthalten das verdächtige Allergen in sehr reiner Form.

Sofortreaktionen sind schnell nach dem Auftragen des Allergens auf die Haut zu erkennen. Schon Minuten später kommt es zur Rötung der Haut sowie zum eventuellen Juckreiz.

Die Allergenextrakte werden beim Test auf die Haut gegeben. Dann wird die Haut entweder leicht eingeritzt (Scratchtest) oder mit einer Lanzette eingestochen (Pricktest). Eine andere Möglichkeit ist, den Extrakt unter die Haut zu spritzen (Intrakutantest).

Spätreaktionen werden mit einem Epikutantest geprüft. Dabei werden Pflasterstreifen, die die verdächtigen Allergene enthalten, auf den Rücken geklebt. Nach einigen Tagen kann abgelesen werden, worauf eine Reaktion erfolgt ist.

Hauttests bergen jedoch ein gewisses Risiko. Zum einen kann eine sehr starke Reaktion auf ein bestimmtes Allergen nicht ausgeschlossen werden. Zum anderen sind auch falsche Reaktionen möglich. So kann es sein, dass der Patient lediglich auf das Pflaster reagiert oder aber eingenommene Medikamente das Ergebnis verfälschen.

Laboruntersuchungen

Das Blut eines Allergikers zeigt typische Spuren. Die Konzentration des ansonsten in nur geringen Mengen vorhandenen Immunglobulin E (IgE) ist bei Allergikern stark erhöht.

Im Labortest werden in Hinblick auf IgE zwei unterschiedliche Messwerte bestimmt: das Gesamt-IgE und das allergenspezifische IgE. Zu den Test-Methoden gehören der PRIST-Test (Papier-Radio-Immuno-Sorbens) und die RAST-Methode (Radio-Allergo-Sorbens-Test).

Für diese allergische Nachweisreaktion wird dem Patienten etwas Blut abgenommen. In der Zentrifuge wird der Blutkuchen vom Serum getrennt. Aus etwa 6 ml Blut lassen sich 2-3 ml Serum gewinnen. Mit 1 ml Serum kann auf 20 unterschiedliche Allergene getestet werden.

Doch auch diese hochspezialisierten Untersuchungen bringen nicht immer hundertprozentige Ergebnisse. So kommt der RAST nicht als Suchtest für Allergien in Frage, da zum einen die Allergenpalette eingeschränkt, zum anderen dieser Test sehr teuer ist.

Provokationstests

Bei den Provokationstests wird nicht mit Allergenextrakten gearbeitet, sondern mit dem Allergen selbst. Wird zum Beispiel eine Kuhmilchallergie vermutet, dann trinkt der Patient in der Praxis ein Glas Milch.

Ebenso werden Allergiker mit Medikamenten, Staub, bestimmten Dämpfen, Pollen usw. direkt provoziert. Das Allergen wird dabei an das reagierende Organ gebracht: Nahrungsmittel werden geschluckt, Asthma auslösende Allergene werden über Aerosole eingeatmet.

Patienten, bei denen Heuschnupfen vermutet wird, bekommen verdächtige Substanzen auf die Nasenschleimhaut geträufelt. Es gibt nasale (Nase), orale (Mund), konjunktivale (Augen) und bronchiale (Bronchien) Provokationstests.

Diese sind jedoch nur als Bestätigungsreaktion gedacht. Sie bergen ein erhebliches Risiko für den Patienten und es sollten auf keinen Fall ganze Allergenreihen mit diesem Test durchgeführt werden.

Ein Provokationstests sollte unbedingt in Anwesenheit eines Arztes - und nie allein! - durchgeführt werden. Es kann zu starken Reaktionen - bis hin zum anaphylaktischen Schock - kommen.