Wenn das Essen krank macht

Lebensmittelallergien auf dem Vormarsch

Allergien und Unverträglichkeitsreaktionen auf Nahrungsmittel und Zusatzstoffe nehmen in den Industrieländern kontinuierlich zu und sind häufig die Ursache von chronischen Erkrankungen. Vor allem die Vielfalt an Nahrungsmitteln und hier wiederum die Fertignahrungsmittel werden für die Ausbreitung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten verantwortlich gemacht.

Fertiggerichte enthalten oftmals eine schier unüberschaubare Menge an Zutaten und Zusatzstoffen. Mit der Vielzahl der aufgenommenen Substanzen steigt das Risiko, eine Nahrungsmittelunverträglichkeit oder Allergie zu entwickeln.

Auch Früchte aus fremden Ländern, die bis vor wenigen Jahren hier zu Lande noch völlig unbekannt waren, können Allergien auslösen, da sie das Immunsystem noch nicht kennt und als Feind einstufen könnte.

Insgesamt kann aber jedes Lebensmittel und jeder Zusatzstoff Allergien auslösen. Die Forschung hat jedoch gezeigt, dass bestimmte Nahrungsmittel häufiger allergische Symptome auslösen als andere.

Und auch das Lebensalter spielt eine Rolle. Säuglinge und Kinder reagieren verstärkt auf Kuhmilch und Hühnereiweiß. Bei Erwachsenen stehen hingegen Allergien gegen pflanzliche Nahrungsmittel an erster Stelle.

Allergie auf Lieblingsspeisen

Ein Versuch, die unterschiedlichen Allergen-Häufungen zu erklären, ist der regelmäßige Verzehr bestimmter Nahrungsmittel. So bekommen Kleinkinder tagtäglich Kuhmilch und entwickeln darauf - manchmal - eine Allergie.

Auch wenn diese allergischen Kleinkinder auf Sojamilch umgestellt werden, ist zu beobachten, dass sich nach einiger Zeit die Allergie auf Soja verlagern kann.

Erwachsene haben meist zwar einen wesentlich abwechslungsreicheren Speiseplan, dennoch liegen auch hier Vorlieben vor. Gerade die Nahrungsmittel, die sehr häufig gegessen werden, entpuppen sich später oft als Allergie auslösend.

Am häufigsten sind Allergien gegen Schalentiere, Milch, Fisch, Sojabohnen, Weizen, Eier, Nüsse sowie Obst- und Gemüsesorten.

Häufige Symptome

Experten halten es für fatal, dass angeblich rund die Hälfte aller Allergiker nichts von ihrer Erkrankung weiß. Plötzlicher Schwindel, Müdigkeit oder Haarausfall werden in vielen Fällen nicht mit dem Essen in Verbindung gebracht.

Anders ist es, wenn die allergische Reaktion sofort beim Essen auftritt. So führt der Genuss von Nüssen bei den Betroffenen spätestens nach fünf Minuten zu tränenden Augen und/oder Mundbrennen. Unmittelbar nach dem Erdbeergenuss haben entsprechende Allergiker unter Zungenschwellungen und Hautrötungen zu leiden.

Die Symptome treten vor allem im Bereich der Haut, der Atemwege und des Magen-Darm-Traktes auf. So kann es an den Lippen beim Kontakt mit Allergenen zu akuten Entzündungen und Wassereinlagerungen kommen.

Im Magen-Darm-Trakt zeigt sich eine Nahrungsmittelallergie mit Übelkeit, Erbrechen, Druck im Oberbauch oder Durchfall. Auch eine verzögerte Darmpassage der Nahrung durch Ödeme an der Dünndarmschleimhaut ist als allergische Reaktion möglich.

Häufig zeigt sich die Nahrungsmittelunverträglichkeit auch an der Haut. Juckreiz, Rötungen, Ausschlag oder Nesselfieber sind möglich. Diese Symptome können am ganzen Körper oder nur begrenzt auftreten.

Schon vorhandene Hauterkrankungen können sich bei regelmäßigem Verzehr von allergenen Nahrungsmitteln verschlechtern und zu chronischen Hautleiden werden.

Was tun?

Bei einer Nahrungsmittelallergie kommt es vor allem darauf an, sein Allergen herauszufinden. Dementsprechend wird dann ein Speiseplan zusammengestellt, der das Risiko allergischer Reaktionen minimiert.

Die genaue Identifizierung des Allergens geschieht durch einen Provokationstest. Dabei bekommt der Allergiker zunächst eine Standardkost ohne Allergene. Nach und nach wird die Palette der Nahrungsmittel immer weiter ergänzt, bis die ersten Symptome auftauchen.

Diese mühsame Methode, um die allergieauslösenden Nahrungsmittel herauszufiltern, gleicht einem Puzzle, ist aber erfolgversprechender als Hauttests.

Ist der allergieauslösende Stoff (oder die Stoffe) gefunden, heißt es, sie möglichst vollständig zu meiden. Dies ist nicht so leicht, wie es klingen mag, denn Spuren der Substanzen sind vielleicht in Lebensmitteln vorhanden, in denen man sie überhaupt nicht vermutet.

So findet sich beispielsweise Hühnereiweiß in Wein, da manche Winzer Eiweiß zum Klären des Mostes verwenden. Und Soja findet sich fast überall. Sojamehl ist geradezu der Prototyp eines Mastfutters - selbst Forellen bekommen es.

Allgemeine Ernährungsempfehlungen

Da bei einer Nahrungsmittelallergie einige Allergene nur sehr schwer vollständig gemieden werden können, ist es sinnvoll, die folgenden Ernährungsempfehlungen zu beachten:

  • Selber kochen macht nicht nur Freude, sondern ist auch gesund. So wissen Sie genau, was im Essen steckt.
  • Durch Kochen oder Erwärmen werden viele Früchte und Gemüse für Allergiker besser verträglich - ihre Molekülstruktur verändert sich. Dazu zählen beispielsweise Kartoffeln, Brokkoli oder Möhren.
  • Obst und Gemüse je nach Saison und aus der Region bevorzugen.
  • Möglichst vollständiger Verzicht auf Fertigspeisen.
  • Den Konsum von Alkohol und Nikotin stark einschränken, da sie eine allergische Reaktion verstärken können, indem sie die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut erhöhen.
  • Normaler Haushaltszucker ist für Allergiker unbedenklich, Honig kann hingegen Pollen enthalten, was für Pollenallergiker mit Kreuzallergien gefährlich sein könnte.
  • Der Allergengehalt von Ölen wird als gering eingestuft. Wer jedoch gegen Erdnüsse allergisch ist, sollte auch auf das entsprechende Öl verzichten.
  • Viel zu trinken, gilt auch als Empfehlung für Allergiker. Dabei können jedoch gerade Kräutertees Probleme bereiten. So sind bei manchen Betroffenen schon die Dämpfe des Tees für allergische Reaktionen verantwortlich. Vorsicht müssen vor allem Beifußpollenallergiker walten lassen.
  • Zum Würzen sollten Sie einzelne Gewürze verwenden, da die Deklaration von Gewürzmischungen oft nur mangelhaft ist. Einige Gewürze können jedoch selbst allergische Reaktionen hervorrufen. Dazu zählen z.B. Anis, Kümmel und Fenchel.