Problemfall "Trockenes Auge"

Vielfältige Ursachen

Die Symptome beim Sicca-Syndrom, so die medizinische Bezeichnung des trockenen Auges, sind vielfältig. Meist hat man das Gefühl, die Lider würden über das Auge kratzen, zum Teil juckt und brennt es.

Im Allgemeinen sind die Augen dann sehr empfindlich gegenüber Licht, die Lider schwellen an und Kontaktlinsen werden nicht mehr vertragen.

Die Gründe für das trockene Auge sind vielfältig. So kann z.B. eine zu geringe Produktion an Tränenflüssigkeit vorliegen oder eine veränderte Zusammensetzung des Tränenfilms, ebenfalls möglich sind allergische Ursachen, verschiedene Erkrankungen des Auges oder allgemeine Stoffwechselerkrankungen.

Auch das Alter ist ein Risikofaktor für trockene Augen, da in höherem Alter nicht mehr so viel Tränenflüssigkeit produziert und gleichzeitig der Lidschlag seltener wird. Außerdem kommt es im Alter häufiger vor, dass das untere Augenlid etwas herunterhängt - eine Folge nachlassender Gewebespannung, so dass die Augäpfel nicht mehr optimal bedeckt sind.

Eine Hauptursache liegt im Berufsalltag vieler PC-Arbeitsplätze. Durch Nichteinhalten der Arbeitspausen, übermäßige Arbeit am Computerbildschirm oder auch lange Zeit vor dem Fernseher werden die Augen ermüdet und beginnen zu brennen.

Die steigende Zahl von Klimaanlagen und die damit verbundene mangelnde Luftfeuchtigkeit in den Räumen zählt ebenso zu den Ursachen des trockenen Auges. In der kalten Jahreszeit kommt trockene Heizungsluft als Risikofaktor hinzu.

Einen negativen Einfluss auf den Tränenfilm hat auch das Verhütungsmittel Nummer eins, die Pille - genau wie viele Hormonpräparate, die bei Wechseljahrsbeschwerden verordnet werden.

Zur Funktion des Tränenfilms

Juckreiz, Rötungen und Fremdkörpergefühl können genau wie müde Augen ernsthafte Folgen haben. Das liegt an der zentralen Funktion, die der natürliche, hauchdünne Tränenfilm für die Sehkraft und die Gesundheit der Augen besitzt.

Normalerweise produziert das Auge mit jedem Lidschlag einen Tränentropfen, der gleichmäßig auf der Augenoberfläche verteilt wird. Beeinträchtigungen treten dann auf, wenn die Fließeigenschaften nicht mehr einwandfrei vorhanden sind oder sich die Zusammensetzung des aus drei unterschiedlichen Flüssigkeiten bestehenden Tränenfilms verändert.

Die Tränen bilden eine aktive Schutzschicht für die Hornhaut der Augen. So enthalten sie beispielsweise Lysozyme. Dies sind spezielle Stoffe, die Krankheitskeime vernichten. Ist zu wenig Tränenflüssigkeit vorhanden, so wird das Auge anfälliger für Infektionen.

Zudem ist der Tränenfilm der wichtigste Sauerstofflieferant für die Hornhaut. Reißt der Film, wird das äußere Auge provisorisch über die Bindehautgefäße versorgt. Weil diese Adern dann meist anschwellen, rötet sich das Auge - ein Grund, weshalb trockene Augen häufig mit einer Bindehautentzündung verwechselt werden.

Die feuchte Schutzschicht ist auch Teil der Augen-Optik, denn sie trägt zur Brechkraft der Hornhaut bei. Bei einem trockenen Auge kann es deshalb langfristig zu Sehstörungen kommen, wie z.B. zu einem verschwommenen Blick und sogar zu Vernarbungen der Hornhaut.

Künstliche Tränen als Lösung

Ein trockenes Auge kann mit künstlichen Tränen behandelt werden. Diese auch Filmbildner genannten Produkte sind Ersatzflüssigkeiten, die die natürliche Tränenflüssigkeit möglichst perfekt nachahmen.

Die künstlichen Tränen enthalten dabei keine pharmakologisch wirksamen Stoffe, sondern wässrige Lösungen mit erhöhter Viskosität, die die Hornhaut des Auges feucht halten. Dies wird beispielsweise durch den Zusatz von Gelbildnern erreicht.

Die Verwendung von künstlichen Tränen hat - soweit bislang bekannt - keine unerwünschten Wirkungen. Es kommt auch zu keiner Reduzierung der körpereigenen Tränenproduktion.

Allein die in einigen Produkten verwendeten Konservierungsstoffe können zu Allergien führen oder bei einer Langzeitanwendung schädliche Nebenwirkungen zeigen. Ab einer Anwendungshäufigkeit vom mehr als vier bis fünf Mal täglich sollte man daher auf unkonservierte Tränenersatzmittel umsteigen.

Bei weichen Kontaktlinsen sollten grundsätzlich Produkte ohne Konservierungsmittel verwendet werden, die sich in so genannten Einmal-Dosen im Handel befinden.

So bleibt kein Auge trocken

Blinzeln ist zur Verteilung der Tränenflüssigkeit unabdingbar. Unbewusst blinzelt der Mensche etwa alle fünf bis zehn Sekunden.

Wer am Computer arbeitet oder lange fernsieht, blinzelt jedoch seltener. Daher leiden Büroangestellte besonders häufig unter trockenen Augen - dem "Office-Eye-Syndrom", wie es US-Ärzte nennen.

Man sollte daher für Abwechslung sorgen, wenn man am Bildschirm arbeitet: In bestimmten Abständen - etwa alle zehn Minuten - den Blick in die Ferne schweifen lassen und ein paar Mal bewusst blinzeln.

Auch diese Tipps sind hilfreich:

  • Räume mit trockener und verrauchter Luft meiden. Wer in klimatisierter Umgebung arbeitet, sollte auf die Luftfeuchtigkeit achten - gegebenenfalls einige Schalen mit Wasser (und ätherischen Ölen) aufstellen.
  • Zugluft vermeiden und das Frischluftgebläse im Auto nicht direkt auf das Gesicht einstellen.
  • Man sollte regelmäßig zum Augenarzt gehen, um die Sehschärfe überprüfen zu lassen. Unbehandelte Fehlsichtigkeit (v.a. bei Weitsichtigkeit) oder die falsche Brille begünstigen trockene Augen, weil man bei schlechter Sicht unwillkürlich die Augenmuskeln stärker anspannt und deshalb weniger oft blinzelt.
  • Kosmetika im Augenbereich können den Tränenfilm irritieren - sollten daher nur zurückhaltend verwendet werden.
  • Auch für die Gesundheit des Auges sollte viel getrunken werden: mindestens zwei Liter täglich - idealerweise Mineralwasser, so die Faustregel. Auf langen Flugreisen bietet sich eine Erhöhung der Trinkmenge an.
  • Nicht nur der Organismus braucht ausreichend Zeit zur Regeneration, auch die Augen benötigen Ruhe und Entspannung. Menschen, die permanent zu wenig schlafen, sind häufig auch in ihrer Sehleistung beeinträchtigt und neigen vermehrt zu Symptomen des trockenen Auges.
  • Die beste und teuerste Beleuchtung kann die Natur nicht ersetzen. Das "Kuratorium Gutes Sehen" rät daher, auch den Augen so viel Tageslicht wie nur möglich zu gönnen.