Bei Diabetes die Füße richtig pflegen

Bei vielen Menschen werden die Füße, oft im Gegensatz zu den übrigen Körperteilen, in Sachen Pflege vernachlässigt. Während dies bei Gesunden meist unproblematisch ist, sind Diabetiker durch Verletzungen oder Hautrisse besonders gefährdet.

Grund dafür ist die häufigste Folgeerkrankung des Diabetes, die Neuropathie. Die Nervenschädigungen und Durchblutungsstörungen an den kleinen und großen Blutgefäßen entstehen, wenn der Blutzucker nicht optimal eingestellt ist oder die Diabeteserkrankung jahrelang unentdeckt verlief. Durch einen hohen Blutzuckerspiegel werden die Arterien angegriffen, die Blutgefäße "verzuckern". Auch die Nervenzellen werden nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt und nicht mehr richtig durchblutet.

So geht auch das Gefühl für Kälte, Wärme, Druck und Schmerz verloren - das Warnsignal "Schmerz", das z.B. auf Verletzungen hinweist, wird nicht mehr bemerkt. Dies hat zur Folge, dass Verletzungen oft wochenlang nicht ernst genommen werden, frei nach dem Motto "es tut doch nicht weh, also kann es auch nicht schlimm sein".

Unbemerkte Verletzungen

Durch die verminderte Schmerzempfindlichkeit in den Füßen sind diese besonders anfällig für unbemerkte Verletzungen. Diese treten beispielsweise auf, wenn schlecht sitzende (neue) Schuhe zu einem konstanten Druck oder Reibung führen.

Wärmeeinwirkung ist ebenfalls eine Gefahr. So werden z.B. ein zu warmes Heizkissen oder zu warmes Badewasser nicht erkannt. Auch ein falscher Schnitt bei der Fußpflege oder ein eingetretener Gegenstand werden oftmals nicht sofort bemerkt.

Eine bereits vorhandene Wunde kann sich so unbemerkt zum Geschwür entwickeln, wenn sich Bakterien in der Wunde ansiedeln. Daraus kann sich beispielsweise eine feuchte Gangrän (deutlich begrenzter und schlecht heilender Gewebeschaden) bilden.

Die Füße von Diabetikern sind zudem für Fußpilz besonders anfällig. Die Haut ist oft trocken und rissig, so dass sich Pilze leicht ansiedeln können. Juckreiz, Entzündungen und weißliche Verfärbungen sind die Folge.

Tägliche Kontrolle ist nötig!

Als Diabetiker sollten Sie täglich Ihre Füße auf Veränderungen kontrollieren. Das können Druckstellen sein, genau wie Schwellungen, Verletzungen, eingewachsene Fußnägel oder Rötungen. Dabei sollten Sie auch an die Fußsohlen und Zehenzwischenräume denken. Wer seine Fußsohlen nicht sehen kann, kann einen Spiegel benutzen. Reicht die Sehkraft für diese Kontrolle nicht mehr aus, kann man Angehörige oder Pfleger um Hilfe bitten.

Die Kontrolle der Füße kann am besten vor dem täglichen Fußbad unternommen werden. Dieses wird insbesondere Diabetikern empfohlen, um die Füße intensiv zu pflegen. Dabei sollte das Wasser nicht zu heiß sein (ca. 35 bis 37 °C) und das Fußbad nicht länger als drei Minuten dauern. Nutzen Sie ein Thermometer zur Temperaturkontrolle des Wassers. Bei zu heißem Wasser kann es zu Verbrühungen kommen, die Sie eventuell nicht bemerken. Längere Fußbäder weichen die Haut auf, es bildet sich ein guter Nährboden für Keime.

Benutzen Sie eine milde, rückfettende Waschlotion. Herkömmliche Seife trocknet die Haut zu sehr aus. Ideal ist der Zusatz von feuchtigkeitsbindendem Harnstoff, aber auch Babyseife kann verwendet werden.

Sie sollten die Füße wegen der Verletzungsgefahr nicht mit einer Bürste schrubben, sondern einen Waschlappen verwenden. Nach dem Bad werden die Füße mit einem weichen Handtuch sorgfältig abgetupft. Besonders die Zehenzwischenräume sollten restlos trocken sein, damit sich hier keine Pilze einnisten können. Ein Kosmetik- oder Papiertaschentuch kann hier hilfreich sein, um auch noch den letzten Rest an Feuchtigkeit aufzusaugen.

Auf den Föhn zum Füßetrocknen sollten Sie verzichten! Dieser kann zum einen zu Verbrennungen führen, zum anderen trocknet die heiße Luft die Haut noch weiter aus.

Hat sich an den Füßen Hornhaut gebildet, so sollte diese möglichst sanft entfernt werden. Nutzen Sie einen Bimsstein, tabu sind wegen der Verletzungsgefahr Hornhauthobel, Feilen aus Metall, Hornhautraspel und Scheren. Aufgeweichte Hornhaut lässt sich besser entfernen, daher sollten Sie einmal pro Woche nach dem Fußbad ein paar Minuten dafür einplanen.

Auch die Nägel sollten Sie regelmäßig einkürzen. Mit der Feile sollten spitze Kanten geglättet werden, damit sie ihre Nachbarzehen nicht verletzen können. Gut geeignet sind eine Sandblatt- oder eine abgerundete Diamantfeile. Eingewachsene Fußnägel oder Hühneraugen sollten Sie nur von einem Fachmann entfernen lassen (Podologe oder Arzt).

Cremen gehört zur Fußpflege dazu. Sie können je nach Vorlieben Cremes, Lotionen oder Cremeschaum verwenden. Viele Produkte enthalten Harnstoff, der die Fußhaut mit Feuchtigkeit versorgt. Allerdings sollten Sie darauf verzichten, die Zehenzwischenräume einzucremen, da das so entstehende feuchte Klima Infektionen und Pilzbefall fördert.

Die richtige Wahl der Fußbekleidung

Wer Veränderungen an seinen Füßen bemerkt, sollte auch überlegen, ob vielleicht die Schuhe nicht richtig passen. Grundsätzlich ist der frühe Nachmittag die beste Zeit, Schuhe zu kaufen, da die Füße im Laufe des Tages durch das Stehen anschwellen.

Beim Schuhkauf sollten Sie auf weiches Obermaterial ohne störende Nähte und eine nicht zu dünne, gut gepolsterte Sohle achten. Die neuen Schuhe sollten dann nach und nach eingelaufen werden. Wichtig ist in dieser Zeit die tägliche Inspektion der Füße, um gegebenenfalls schnell reagieren zu können.

Auch für die Strumpfwahl gibt es entsprechende Tipps: Sie sollten aus Wolle oder Baumwolle hergestellt sein, möglichst ohne Nähte, da jede Unebenheit zu Verletzungen der Füße führen kann. Und: Das tägliche Wechseln der Strümpfe ist ganz besonders für Diabetiker zu empfehlen.

Wer Probleme mit den Füßen hat, sollte möglichst nicht barfuß laufen. Das gilt insbesondere in Hotels, Schwimmbädern und Saunen, um das Infektionsrisiko für Fußpilz zu minimieren.

Wer unter kalten Füßen leidet, sollte keine Wärmflasche oder Heizkissen benutzen, da deren zu große Wärmeentwicklung häufig nicht bemerkt wird. Weiche Wollsocken sind hier die bessere Alternative.

Nutzen Sie die Möglichkeit, sich ausführlich in Ihrer Apotheke vor Ort beraten zu lassen und hilfreiche Unterstützung für den Umgang mit Diabetes im Alltag zu holen. Finden Sie hier eine teilnehmende Apotheke in Ihrer Nähe.