Ernährung bei Diabetes

Entscheidende Kohlenhydrate

Etwa 90 Prozent aller Menschen mit Diabetes haben einen Typ-II-Diabetes, der fast immer mit einem Zuviel an Gewicht einhergeht. Mit steigendem Gewicht und damit verbundenem wachsenden Körperfettanteil werden die Rezeptoren an Muskel- und Fettzellen jedoch unempfindlicher gegen das im Blutstrom vorhandene Insulin.

Da auch die Insulinaufnahme in die Zellen nicht mehr ausreichend funktioniert, bleibt Zucker im Blut zurück und der Blutzuckerspiegel steigt - insbesondere dann, wenn die falschen Lebensmittel verzehrt werden.

So wird beim gesunden Menschen sofort Insulin ausgeschüttet, wenn Zucker aus dem Darm ins Blut übertritt. Das hält den Blutzuckerspiegel weitgehend konstant. Da dieser Mechanismus bei Diabetikern gestört ist, sollten sie darauf achten, nicht zu viel schnell verwertbare Kohlenhydrate zu sich zu nehmen.

Wie die Kohlenhydrate auf den Blutzuckerspiegel einwirken, hängt entscheidend von der Zusammensetzung der Nahrung ab. So treibt Weißbrot den Blutzucker rasanter in die Höhe als Vollkornbrot, Apfelsaft wirkt schneller als ein roher Apfel.

Da die Kohlenhydrate einen starken Einfluss auf den Stoffwechsel von Diabetikern haben, wurde die früher übliche Broteinheit (BE) durch die Kohlenhydrateinheit (KE) abgelöst. Eine KE entspricht ca. 10 bis 12 Gramm verdaulicher Kohlenhydrate.

Die KE der verschiedenen Lebensmittel werden in entsprechenden Kohlenhydrat-Austauschtabellen aufgeführt, die regelmäßig überprüft und den Ernährungsgegebenheiten angepasst werden.

Während die KE angeben, wie viel Diabetiker von einem bestimmten Lebensmittel pro Einheit essen können, sagen sie jedoch nichts über die Geschwindigkeit des Blutzuckeranstiegs aus. Da die Wirkung auf den Blutzuckerspiegel sehr unterschiedlich ist, sollte man auf den glykämischen Index (GI oder Glyx genannt) achten.

Maßgabe für diese Einheit ist Traubenzucker, der in einer Menge von 50 Gramm einem GI von 100 entspricht. Je geringer der GI ausfällt, desto besser ist das Lebensmittel für den Blutzuckerspiegel.

Beim Fett auf Qualität achten

Fett hat von den Hauptnährstoffen, zu denen auch Kohlenhydrate und Eiweiß zählen, den höchsten Energiegehalt mit ca. 9 kcal pro Gramm. Eine dauerhaft zu fettreiche Ernährung fördert nicht nur Übergewicht, sie beeinflusst auch die Blutfettwerte ungünstig. Langfristig führt das zu krankhaften Gefäßveränderungen.

Ein besonderes Augenmerk ist auf die so genannten versteckten Fette zu richten. Wurstwaren enthalten häufig große Mengen unsichtbarer Fette, und auch Schokolade liefert nicht nur Zucker, sondern auch große Mengen Fett.

Der Bedarf an Fetten sollte vorwiegend über flüssige pflanzliche Öle, z.B. Oliven-, Distel- oder Sonnenblumenöl, gedeckt werden. Ihre ungesättigten Fettsäuren können den Blutfettspiegel positiv beeinflussen, indem sie dazu beitragen, den Anteil an LDL-Cholesterin zu senken. Wichtiger Bestandteil der Ernährung ist auch Eiweiß, das sowohl in tierischen wie auch in pflanzlichen Lebensmitteln enthalten ist. Eiweiß, auch Protein genannt, ist der Oberbegriff für eine Fülle an lebenswichtigen Baustoffen, den Aminosäuren.

Aus ihnen bildet der menschliche Organismus sein Körpereiweiß. Besonders gut verwerten kann der Körper eine Kombination von tierischem und pflanzlichem Eiweiß innerhalb einer Mahlzeit, z.B. bei Kartoffeln mit Quark.

Grundsätzlich sollten die Hauptnährstoffe in einem ausgewogenen Verhältnis verzehrt werden. Die optimale Verteilung sieht folgendermaßen aus:

  • 50 bis 55 Prozent der Gesamtenergie in Form von Kohlenhydraten
  • 30 bis 35 Prozent der Energie durch Fett
  • 15 bis 20 Prozent in Form von Eiweiß.

Wie groß der Energiebedarf ist, ist individuell unterschiedlich und abhängig von Alter, Geschlecht, Körpergröße, Körpergewicht und Arbeitsintensität.

Trinken nicht vergessen

Ein wichtiger Bestandteil der Ernährung sind Ballaststoffe, weitgehend unverdauliche Stoffe in Getreideprodukten, Obst, Gemüse oder Kartoffeln. Damit sie ihre positive Wirkung auf die Verdauung erreichen können, muss allerdings ausreichend getrunken werden.

Die Empfehlung lautet, anderthalb, besser noch zwei Liter kalorienfreie Flüssigkeit täglich zu sich zu nehmen, um den Körper ausreichend zu versorgen. Am besten eignen sich Mineralwasser, Früchte- und Kräutertees.

Kaffee, grüner und schwarzer Tee können in einer Menge von etwa einem halben Liter in die empfohlene tägliche Flüssigkeitsmenge einbezogen werden. Kalorienarme Limonaden, die mit Süßstoffen gesüßt wurden, sowie colahaltige Light-Getränke sind ebenfalls in Maßen erlaubt, da sie fast kohlenhydratfrei sind.

Dagegen stecken in alkoholischen Getränken reichlich Kalorien. So liefert 1 g Alkohol 7 kcal. Außerdem hat er eine appetitanregende Wirkung und verhindert den Fettabbau im Körper. Je hochprozentiger das Getränk bzw. je mehr getrunken wird, desto stärker wird die Leber belastet.

Alkohol ist ein Genussmittel und sollte nur in kleinen Mengen konsumiert werden. Bei Übergewicht sollte man ihn wegen des hohen Kaloriengehaltes möglichst völlig meiden. Außerdem kann Alkohol auch eine Unterzuckerung fördern.

Süßes trotz Diabetes?

Das vollständige Verbot von Zucker und zuckerhaltigen Speisen, das lange Zeit für Diabetiker galt, ist inzwischen aufgehoben. Es sollte allerdings der Genuss im Vordergrund stehen - und nicht die Menge. So können sich Diabetiker gerne ab und zu ein Stückchen Schokolade gönnen - und dieses langsam auf der Zunge zergehen lassen.

Auch Haushaltszucker (Saccharose) ist als Bestandteil von Lebensmitteln in kleinen Mengen kein Problem für Diabetiker, die allerdings bei der Zubereitung von Süßspeisen auf kalorienfreie Süßmittel zurückgreifen sollten.

Süßstoffe wie Saccharin, Cyclamat, Aspartam und Acesulfam-K sind eine kalorienfreie Alternative zu Zucker und Zuckeraustauschstoffen. Sie haben keine Auswirkung auf den Blutzuckerspiegel und sind zudem zahnfreundlich.

Zu den Zuckeraustauschstoffen zählen Sorbit, Fruchtzucker, Xylit, Mannit, Isomalt oder Maltit. Sie haben nur eine geringe Wirkung auf den Blutzuckerspiegel, haben aber einen etwa gleich großen Kaloriengehalt wie herkömmlicher Zucker.

Vitamine und Spurenelemente

Da durch Diabetes Gefäße und Nerven beeinträchtigt werden, ist es wichtig, auf eine ausreichende Versorgung mit gefäß- und nervenschützenden Vitalstoffen zu achten. Die Empfehlung, viel Obst und Gemüse zu essen, gilt selbstverständlich auch und besonders für Diabetiker.

Ein erhöhter Blutzuckerspiegel wirkt sich u.a. negativ auf die Blutgefäße aus. Die Medizin spricht davon, dass er den oxidativen Stress durch freie Radikale erhöht. Daher sollten vor allem Diabetiker in ihrer Ernährung darauf achten, dass sie dem entgegenwirken.

Schützende Stoffe, so genannte Antioxidanzien, sind die Vitamine C und E sowie Carotinoide und die Spurenelemente Zink und Selen. Es zeigt sich, dass Diabetiker häufig einen verringerten Vitamin-C-Spiegel im Blut haben.

Zudem beeinträchtigt ein erhöhter Blutzuckerspiegel auch den Transport von Vitamin C in die Zellen, was sich negativ auf die Wundheilung und die Immunabwehr auswirken kann. Daher empfehlen manche Studien eine Zufuhr von 500 mg Vitamin C pro Tag über geeignete Präparate aus der Apotheke.

Ein Mangel an dem Spurenelement Zink kann, insbesondere bei Typ-II-Diabetes, die Wirksamkeit des Insulins verschlechtern. Außerdem schützt auch Zink die Zellen und Gefäße vor oxidativem Stress.

Ein Zinkmangel kann ebenfalls durch geeignete Produkte aus der Apotheke behoben werden. Besonders wirksam sind Präparate, in denen Zink an die körpereigene Aminosäure Histidin gebunden ist.