Folgeschäden des Diabetes

Hauptgrund: Verstopfte Adern

Durch einen dauerhaft zu hohen Blutzuckerspiegel kommt es zu Verdickungen der Gefäßwände, der Arteriosklerose. Diese Krankheit ist zwar auch bei Nichtdiabetikern möglich, bei Menschen mit Diabetes tritt sie jedoch eher, häufiger und stärker auf.

Zunächst werden die Wände der Blutbahnen immer dicker, so genannte Plaques aus Kalk und Fett lagern sich an den Innenwänden ab. Nun kann weniger Blut an diesen verengten Stellen durch die Adern fließen - die Versorgung der Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen wird eingeschränkt.

An den Ablagerungen kann das Blut sogar gerinnen und sich zu Blutgerinnseln, Thromben genannt, verdichten. Diese lösen sich nicht wieder auf, sondern bleiben kleben und flattern wie ein Fähnchen im Wind eine Zeitlang im Blutstrom. Irgendwann reißen sie jedoch ab und bewegen sich im Blut weiter, bis sie dann in einem dünneren Blutgefäß stecken bleiben und dieses verstopfen.

Durch diese Verstopfung kann es dazu kommen, dass das umliegende Gewebe nicht mehr ausreichend versorgt wird und abstirbt. Dies ist einer der Hauptgründe für Amputationen z.B. von Zehen oder Füßen.

Lebensgefährlich ist es, wenn ein solches Blutgerinnsel wichtige Adern wie die Herzkranzgefäße verstopft, die das Herz mit Nahrung und Sauerstoff versorgen. Bei Verstopfung droht ein Herzinfarkt. Ein Schlaganfall ist möglich, wenn die lebenswichtigen Versorgungsadern des Gehirns verstopft werden.

Ein zu hoher Blutzuckergehalt greift jedoch nicht nur die großen Blutgefäße im Körper an, sondern hat auch Auswirkungen auf die vielen winzigen Adern, die Kapillargefäße. Diese sind dafür zuständig, dass an alle Orte des Körpers Nährstoffe und Sauerstoff gelangen - Schäden an den Kapillaren haben beispielsweise Nierenversagen oder Sehstörungen zur Folge.

Weitere Risikofaktoren

Rund 70 Prozent der Menschen mit Typ-2-Diabetes haben zum Zeitpunkt ihrer Diabetesdiagnose bereits erhöhte Blutdruckwerte. Zudem begünstigt eine Diabeteserkrankung den hohen Blutdruck - eine Kombination, die Ursache für weitere Komplikationen ist.

Sowohl die erhöhten Blutzuckerwerte als auch der erhöhte Blutdruck schädigen die Gefäße. Deshalb sollten Diabetiker auf einen gut eingestellten Blutdruck achten, dessen oberer Wert zwischen 130 und 140 mmHg und dessen unterer Wert zwischen 80 und 85 mmHg liegen sollte. Optimal ist ein Blutdruckwert von 130 zu 80 mmHg.

Menschen mit Diabetes sollten zudem auf ihre Blutfettwerte achten. Erhöhte LDL-Cholesterin- und Triglyceridwerte tragen ebenso zur Verkalkung der Arterien bei. Als Richtwert gilt, dass der LDL-Wert unter 160 mg/dl liegen sollte - bei Menschen mit Diabetes sollte er 130 mg/dl möglichst nicht überschreiten.

Im Gegensatz dazu hat das HDL-Cholesterin einen positiven Einfluss auf die Gefäße. Ideal sind Werte über 40 mg/dl.

Der Triglyceridwert bezeichnet die Menge der "normalen" Fette ohne Cholesterin im Blut. Ein hoher Wert weist auf ein vergrößertes Herz-Kreislauf-Risiko hin. Dieser Wert sollte unter 150 mg/dl liegen.

Insbesondere die Kombination von starkem Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhtem Blutzuckerspiegel und gestörtem Fettstoffwechsel, die seit einiger Zeit als Metabolisches Syndrom bezeichnet wird, hat sich gegenseitig verstärkende Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System.

Für die Therapie des Metabolischen Syndroms ist eine Umstellung der Lebens- und Ernährungsgewohnheiten unerlässlich. Bei Bedarf können die einzelnen Symptome auch medikamentös behandelt werden. Ziel ist es, das Gewicht zu reduzieren und Fett- und/oder Kohlenhydratstoffwechsel sowie Blutdruck zu normalisieren und damit Folgeerkrankungen möglichst zu vermeiden.

Gefahr für Herz und Kreislauf

Das Risiko für einen Herzinfarkt ist bei männlichen Diabetikern um das 3,5-Fache erhöht, bei Frauen sogar um das 5,9-Fache. Mehr als die Hälfte aller an Diabetes Erkrankten stirbt an einem Herzinfarkt.

Auch die Koronare Herzerkrankung (KHK) ist bei Diabetikern häufiger. Bei dieser schweren Erkrankung des Herzens kommt es zu Durchblutungsstörungen in den Herzkranzgefäßen. Bemerkbar macht sie sich beispielsweise durch ein Engegefühl in der Brust.

Insbesondere bei Diabetikern geht die KHK häufig in eine Herzmuskelerkrankung über, die als diabetische Kardiomyopathie bezeichnet wird. Generell ist die Wahrscheinlichkeit für eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) bei Menschen mit Diabetes um etwa das 5-Fache erhöht.

Auch das Risiko für Diabetiker, einen Schlaganfall zu erleiden, ist im Vergleich zu nicht Zuckerkranken deutlich erhöht. Statistiken gehen davon aus, dass etwa 15 Prozent aller akuten Schlaganfälle auf einen Diabetes zurückzuführen sind.

Zudem hat eine verminderte Durchblutung auch Auswirkungen auf die Haut. Wird das Gewebe nicht mehr ausreichend versorgt, ist eine verminderte Wundheilung genauso eine Folge wie trockene, zu Juckreiz und Infektionen neigende Haut.

Schädigung von Nerven und Nieren

Zu den typischen Spätfolgen eines erhöhten Blutzuckerspiegels bei Diabetes zählen Schädigungen der Nerven. Dafür verantwortlich soll die Beeinträchtigung der feinen Blutgefäße sein, die auch die Nerven versorgen.

Da die Nerven den gesamten Körper durchziehen, kann sich ihre Erkrankung, die durch eine dauernde Unterversorgung entsteht, an ganz unterschiedlichen Stellen und auch auf innere Organe auswirken. Diese Erkrankungen werden als Neuropathien bezeichnet.

So ist beispielsweise bei der diabetischen Magenlähmung, der Gastroparese, die Steuerung der Muskelkontraktionen des Magens beeinträchtigt, wodurch dieser sich nicht mehr richtig entleeren kann.

Von einer diabetischen Zystopathie sprechen Mediziner, wenn die Nerven, die die Blasenentleerung steuern, beeinträchtigt sind. Auch diese typischen Beschwerden einer Blasenschwäche können im Rahmen eines Diabetes auftreten.

Neben den Fuß- und Beinerkrankungen, die in einem eigenen Artikel behandelt werden, sind auch Auswirkungen auf die sexuellen Funktionen möglich. Die mit dem Diabetes einhergehenden Nervenschädigungen können die Funktionen der Sexualorgane beeinträchtigen.

Auch die Nieren werden durch einen schlecht eingestellten Blutzucker langfristig in Mitleidenschaft gezogen. Sie verlieren ihre Filterfunktion in zunehmendem Maße und es entwickelt sich eine Nierenschwäche (Niereninsuffizienz). Sie kann bis zum völligen Nierenversagen fortschreiten, was eine Dialyse bzw. Transplantation erforderlich macht.

Durch Durchblutungsstörungen in den winzigen Blutgefäßen der Netzhaut werden diabetische Augenerkrankungen (diabetische Retinopathien) verursacht. Es kommt zu einer verminderten Blut- und Sauerstoffversorgung.

Im Laufe der Zeit lässt die Sehleistung - häufig schleichend und zunächst unbemerkt - nach. Langfristig kann die Netzhautschädigung zur Erblindung führen. In Europa gehen etwa 30 Prozent aller Erblindungen auf eine Diabeteserkrankung zurück.

Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen

Um die Folgeschäden möglichst zu verhindern, sollten regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wahrgenommen werden. Dabei können entsprechende Therapien mit dem Arzt besprochen und eingeleitet werden.

Wichtig sind:

  • Gewicht
  • Blutdruck
  • Blutzucker
  • Blutfettwerte (Lipidstatus)
  • HbA1c (Langzeitblutzuckerwert)
  • Mikroalbuminurie (gilt als Vorläufer einer diabetischen Nierenschädigung)
  • Fußinspektion
  • Augenärztliche Untersuchung
  • Nierenfunktionsuntersuchung
  • Peripheres Nervensystem
  • Gefäßstatus
  • Belastungs-EKG

Die jeweiligen Werte können in einen speziellen Gesundheitspass eingetragen werden.