Erkältung? Schnee von gestern!

Für das Immunsystem

Bevor es überhaupt zu einer Ansteckung mit Erkältungsviren kommt, stellt die Natur die nötige Unterstützung der körpereigenen Abwehrkräfte bereit. Zur Riege altbewährter Heilpflanzen wie etwa Sonnenhut gesellt sich ein relativ neuer Wirkstoff:

Beta-Glucan. Dabei handelt es sich um aus den Zellwänden bestimmter Hefepilze gewonnene, langkettige Zuckermoleküle. Sie sind in der Lage, sowohl das angeborene als auch das später aufgebaute Immunsystem positiv zu beeinflussen.

Unbehelligt passieren die säureresistenten Beta-Glucane den Magen und gelangen in den Dünndarm. Die dort ansässigen großen Fresszellen (Makrophagen) erkennen den Stoff als feindlichen Eindringling und zerlegen ihn.

Diese herumschwimmenden Beta-Glucan-Fragmente wiederum können nun an bestimmte Rezeptoren der weißen Blutkörperchen andocken und sie dadurch aktivieren. Erst dann stehen diese häufigsten Immunzellen des Körpers sozusagen "Gewehr bei Fuß".

"Die Zellen sind dadurch abwehrbereit und können Mikroorganismen wie Viren und Bakterien schnell und effektiv ausschalten", erklärt Prof. Dr. Kai Uwe Chow, Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie und Onkologie in Frankfurt am Main.

Wen es doch erwischt, der gönnt sich aber nur selten die Ruhe, die der Körper braucht, um sich die Krankheitserreger vorzuknöpfen. Dadurch riskiert man jedoch, den Infekt zu verschleppen.

Primel, Thymian und Süßholz

Das Sekret, das sich in Nase und Bronchien ansammelt, soll die Erreger aus dem Körper befördern. Dazu muss es möglichst flüssig bleiben. Bestimmte Wirkstoffe aus Pflanzen lindern die typischen Erkältungsbeschwerden auf sanfte Weise.

Die Extrakte aus der Wurzel der Primel enthalten reichlich Saponine, die den Schleimfluss in den Bronchien anregen und das Abhusten erleichtern sollen. In Fertigpräparaten kommt die Primel häufig in Kombination mit Thymian vor.

Das ätherische Öl Thymol wirkt keimtötend sowie krampflindernd und hilft, den Schleim von den Bronchien zu lösen. Thymian gilt daher als ein geeignetes Hustenheilkraut.

In der Apotheke bekommt man hochwertige Teezubereitungen oder Hustentropfen mit dem Heilpflanzenwirkstoff.

Süßholzwurzel enthält die auswurffördernde Glycyrrhizinsäure. Für einen Tee 1 bis 2 TL Süßholzwurzel (Apotheke) mit kochendem Wasser überbrühen, nach zehn bis 15 Minuten abseihen und drei Mal täglich nach den Mahlzeiten trinken.

Weitere pflanzliche Helfer

Cineol, der aus Eukalyptusblättern gewonnene Wirkstoff, nimmt den schmerzhaften Kopfdruck bei einer Nasennebenhöhlenentzündung, weil er die Atemwege von festsitzendem Schleim befreit.

Der Naturstoff soll zudem die Ausbreitung der Krankheitserreger stoppen. Das wohltuende Aroma des ätherischen Öls kann auch als Badezusatz genossen werden.

Als Arzneipflanze hat Efeu eine lange Tradition: Schon in der Antike soll Hippokrates sie angewendet haben. Heute hat die wissenschaftliche Forschung den schleimlösenden, entzündungshemmenden und entkrampfenden Effekt der Inhaltsstoffe bestätigt.

Anis und Fenchel wirken nicht nur bei Magenbeschwerden, sondern auch bei Erkältungskrankheiten. Die Inhaltsstoffe lösen Schleim, fördern den Sekretauswurf und hemmen das Wachstum der Keime.

Bibernelle: Bei einem Katarrh der oberen Luftwege befürwortet das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte die Verwendung dieser auch als Pimpernell bekannten alten Heilpflanze.

Belüftung der Atemwege und Homöopathie

Schwellen die Lüftungswege in den Schädelhöhlen rund um Nase, Stirn oder Kiefer zu, können sich Schleimbecken bilden, die einen ständigen Entzündungsherd darstellen. Im Extremfall kann sich das eitrige Geschehen zu den Augen oder bis zur Hirnhaut ausbreiten.

Damit es nicht so weit kommt, empfehlen Experten, möglichst früh die Belüftung der Atemwege sicherzustellen. Das schaffen offenbar Präparate, die den Schleim verflüssigen und über antibakterielle und antientzündliche Wirkstoffe verfügen.

Auch mit homöopathischer Hilfe soll man besser durch die Erkältungszeit kommen. Eine aktuelle Studie belegt, dass die kombinierte Einnahme eines homöopathischen Arzneimittels mit chemischen Präparaten die Krankheitsdauer verkürzt.

"Die Patienten der Gruppe, die das homöopathische Mittel einnahmen, konnten deutlich schneller ihre gewohnten Tätigkeiten wieder aufnehmen. Sie waren signifikant zufriedener mit der Behandlung und griffen wesentlich seltener zu symptomatischen Medikamenten wie beispielsweise Paracetamol", erläutert Dr. Manuela Thinesse-Mallwitz, Studienleiterin und niedergelassene praktische Ärztin in München.