Erkältungsmythen auf dem Prüfstand

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Obwohl Erkältungskrankheiten zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt gehören, ranken sich viele Mythen darum. Dabei geht es um die Dauer, um hilfreiche Mittel und um Verhaltenstipps.

Husten, Schnupfen, Heiserkeit sind typische und lästige Begleiter der nass-kalten Jahreszeit. Für einen Erwachsenen sind zwei bis drei Infekte im Jahr normal, Kinder bringen es auf bis zu zwölf Erkrankungen. Meist ist der grippale Infekt harmlos und lässt sich häufig schon mit ausreichend Schlaf und Schonung lindern.

Die mögliche Dauer eines solchen Infekts hat jedoch zu unterschiedlichen Weisheiten geführt. So sagt die eine: "Die Erkältung kommt drei Tage, bleibt drei Tage, geht drei Tage". Andere wiederum behaupten, sie würde 14 Tage dauern. Im Schnitt kommt eine Erkältungskrankheit auf etwa sieben Tage, nach spätestens zwei Wochen sollten alle Symptome komplett abgeklungen sein.

Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung mit den Viren bis zum Ausbruch der Erkrankung, liegt bei zwei bis fünf Tagen. Meist verläuft eine Erkältung Schritt für Schritt: Nach dem ankündigenden Halskratzen kommen später Schnupfen und Husten hinzu.

Der Zusammenhang zwischen Kälte und Erkältung ist nur mittelbar vorhanden. Auf keinen Fall kann gesagt werden, dass Kälte der Auslöser einer Erkältung ist. Auslöser sind Viren, am häufigsten Rhino-, Corona-, Adeno- und Respiratory-Syncytial-Viren. Diese werden über Tröpfcheninfektionen übertragen. Niest also beispielsweise der Sitznachbar in der Bahn, ist es gut möglich, dass man die Viren einatmet.

Kälte kann jedoch das berühmte i-Tüpfelchen sein, das bei einer beginnenden Infektion zu viel ist - und diese dann ausbrechen lässt. Außerdem führt Kälte dazu, dass man sich vermehrt in beheizten, teilweise überheizten Räumen aufhält. Durch die Heizungsluft können die Schleimhäute austrocknen, die dann ihre Schutzfunktion vor Viren und Bakterien einbüßen.

Auch kalte Füße verursachen keine Erkältung, sondern sind das erste Krankheitssymptom. Wegen der beginnenden Infektion werden die Füße weniger durchblutet und sind deshalb kalt.

Während die bisherigen Mythen meist eher falsch waren, ist der Mythos des Kussverbotes bei Erkältungen hingegen leider richtig. Durch das Küssen werden Viren besonders schnell weitergegeben und das Ansteckungsrisiko erhöht. Daher sollte man - wenn auch schweren Herzens - darauf verzichten.

Rund um Bier und Honig

Ist die Erkältung da, gibt es vielfältige Ratschläge zu hilfreichen Mittelchen. So der, warmes Bier zu trinken. Für diesen Mythos gibt es allerdings keine wissenschaftlichen Belege - und der Geschmack trägt auch nicht dazu bei, diesen Rat zu befolgen. Allgemein sind Alkohol und Zigaretten - nicht nur - für Erkältete nicht unbedingt hilfreich.

Viele Menschen schwören auch auf den heilsamen Effekt einer Hühnersuppe, die natürlich selbst gekocht sein sollte. Doch dies scheint nur ein subjektives Empfinden zu sein, wie Experten meinen, die den Effekt auf die Wärme und die Hilfe bei der Lösung des Schleims zurückführen.

Auch haben Forscher der Universität Nebraska festgestellt, dass die Brühe weiße Blutkörperchen blockiert. Zudem wird dem im Hühnchenfleisch enthaltenen Zink eine positive Wirkung auf das körpereigene Immunsystem zugeschrieben. Aber vielleicht ist es auch nur das gute Gefühl, das mit einer schmackhaften und leicht verdaulichen selbstgekochten Suppe einhergeht.

Bei Husten hilft eine heiße Milch mit Honig eher nicht. Dafür wird sie bei Halskratzen und Halsschmerzen als hilfreich eingeschätzt. Der Honig enthält entzündungshemmende Stoffe - und wie andere warme Getränke lindert die heiße Milch vor allem Rachenbeschwerden.

Geteilt ist das Echo auf die Empfehlung, heiße Zitrone zur Linderung von Erkältungsbeschwerden zu trinken. Ist die Rachenschleimhaut gereizt, kann die recht starke Säure der Zitrone eher negativ sein. Ansonsten kann heiße Zitrone ebenso wie Tee oder Wasser den Flüssigkeitshaushalt decken, da es wichtig ist, bei einer Erkältung viel zu trinken.

Nasenduschen, Antibiotika und Co.

Ein weitverbreiteter Mythos ist, dass Antibiotika nicht schaden, nein, sogar helfen können. Dies ist jedoch falsch. Zum einen wirken Antibiotika nur bei bakteriellen Infekten - und sowohl grippale Infekte wie auch die Grippe werden durch Viren ausgelöst.

Zum anderen stimmt es nicht, dass sie nicht schaden. Ganz im Gegenteil kann die Einnahme von Antibiotika zahlreiche Nebenwirkungen auslösen, wie z.B. Durchfall oder andere Magen-Darm-Beschwerden. Außerdem können sich Resistenzen bilden. Zudem reagieren manche Menschen allergisch auf diese Präparate. Daher sollten sie nie leichtfertig eingenommen werden.

Auch eine Grippeschutzimpfung hilft nicht gegen die klassische Erkältung, da sie nur vor den Erregern der echten Grippe, der Influenza, schützt. Gegen eine Erkältung kann man sich - noch nicht - impfen lassen. Eine Grippeschutzimpfung muss jedes Jahr erneuert werden, da die Hauptarten der Influenzaviren dazu neigen, sich zu verändern. So wird alljährlich ein Impfstoff daran angepasst.

Es gibt jedoch Menschen, die betonen, dass ihre Erkältung dank einer Grippeschutzimpfung weniger stark und kürzer ausfällt. Dafür gibt es allerdings keine wissenschaftliche Bestätigung. Auf jeden Fall sollten sich Menschen über 60 Jahre, chronisch Kranke jeden Alters, Schwangere und medizinisches Personal impfen lassen.

Ein weiterer Erkältungsmythos betrifft die Nasendusche. Sie soll bei verstopfter Nase hilfreich sein. Experten verneinen dies jedoch. So sei der Gebrauch einer Nasendusche ein zusätzlicher Reiz für die Nasenschleimhaut und könne bei häufigem Gebrauch sogar zu einem Dauerschnupfen führen.

Dahingegen wird Meerwassernasenspray empfohlen, um die Schleimhäute zu befeuchten. Salzwasser kann zudem, ebenso wie Kamille, für Inhalationen genutzt werden, um die Erkältungssymptome zu lindern.

Vitamine und mehr

Viel Vitamin C beugt einer Erkältung vor, so ein weiterer bekannter Erkältungsmythos. Studien haben allerdings belegt, dass dem nicht immer so ist. Für die Funktionen des Immunsystems wird Vitamin C - wie viele andere Vitalstoffe - natürlich benötigt. Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung stellt jedoch in den meisten Fällen die Versorgung sicher.

Außerdem besteht die Gefahr bei sehr großen Mengen des sauren Vitamins, dass sich Nierensteine bilden. Einen geringen Vitamin-C-Überschuss scheidet der Körper hingegen einfach wieder aus.

Umstritten ist laut Studienlage die Wirkung von Zink. Viele Untersuchungen sprechen dafür, wenige dagegen. Zink kann die Vermehrung von Erkältungsviren hemmen, außerdem sollen sich zinkhaltige Präparate positiv auf den Verlauf einer Erkältung auswirken können. Nimmt man sie zu Beginn einer Erkrankung, kann damit die Dauer der Erkältung verkürzt werden.

Hilfreich bei Husten und kratzigem Hals sind auch Lutschtabletten, da sie die Schleimhaut beruhigen. Hier können verschiedene Arzneipflanzen zum Einsatz kommen. Beliebt sind Eukalyptus, Salbei, Kamille oder Isländisch Moos.

Auch der Mythos, dass es besser ist, die Nase hochzuziehen, als zu schnäuzen, stimmt in vielen Fällen. Beim Schnäuzen entsteht ein hoher Druck im Rachenraum, durch den Krankheitserreger auch in die Nebenhöhlen gelangen und dort zu einer Entzündungsreaktion führen können.

Wer jedoch "sanft" schnäuzt, entfernt damit gleichzeitig das Sekret. Dazu die Nase nicht mit zu großem Druck putzen - und zunächst den Schleim aus dem einen Nasenloch herausschnauben, während man das andere zuhält, dann umgekehrt. Das benutzte Taschentuch sollte umgehend entsorgt und die Hände gewaschen werden.

Überhaupt ist Hygiene in Erkältungszeiten sehr wichtig. Ein Großteil der Viren verbreitet sich, indem man beispielsweise Türklinken, Telefonhörer, PC-Tastaturen usw. berührt - und sich anschließend vielleicht an der Nase kratzt. Regelmäßiges Händewaschen hilft hier.

Ansonsten gibt es noch keine wirklich wirksame Therapie bei einer Erkältung. Viele Mittel lindern nur mehr oder weniger gut die Symptome. Effektiv ist es, sich zu schonen, ausreichend zu schlafen, Stress zu reduzieren und viel zu trinken.