Hämorrhoiden – immer noch ein Tabu-Thema?!

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Jeder Mensch besitzt von Natur aus im Enddarm einen sogenannten rektalen Schwellkörper, der die Aufgabe hat, bei Bedarf anzuschwellen, um den Enddarm gas- und flüssigkeitsdicht zu verschließen. Dieser Schwellkörper liegt etwa vier bis fünf Zentimeter vom After entfernt. Er besteht aus netzartig miteinander verschlungenen Gefäßen. Wenn sich diese Gefäße krankhaft erweitern, entstehen Hämorrhoiden.

Haben die Hämorrhoiden eine bestimmte Größe erreicht, dann können sie über den äußeren Schließmuskel schmerzhaft nach außen treten und werden damit auch sicht- und tastbar.

Hämorrhoiden werden in vier Schweregrade eingeteilt, die auch unterschiedlich behandelt werden müssen. Im Stadium I ist der rektale Schwellkörper vergrößert, tritt beim Pressen aber nicht hervor. Da in seinem Bereich keine schmerzempfindlichen Nerven liegen, verursacht dies auch keine Beschwerden. Im Stadium II treten Blutungen und Schmerzen auf. Die Knoten sind im Enddarm tastbar.

Im Stadium III treten die Knoten beim Pressen (z.B.Stuhlgang) nach außen und ziehen sich spontan nicht mehr zurück. Im Stadium IV sind die Knoten dauernd nach außen getreten und lassen sich nicht mehr zurückführen.

Ursachen und Symptome

Die Entstehung von Hämorrhoiden wird durch eine Reihe von Faktoren begünstigt. Wesentlicher Auslöser ist eine erbliche oder hormonell bedingte Veranlagung für ein schwaches Bindegewebe. Auch Bewegungsmangel und Übergewicht können Ursachen für das Leiden sein.

Wesentlich gefördert werden Hämorrhoiden durch eine chronische Verstopfung und natürlich durch alles, was diese hervorruft. Dazu gehört auch eine falsche, ballaststoffarme Ernährung. Die dadurch erschwerte Stuhlentleerung zwingt die Betroffenen zu verstärktem Pressen, wodurch es zu Stauungen in den rektalen Blutgefäßen kommt.

Besonders anfällig sind auch Schwangere. Zum einen ist während der Schwangerschaft das Becken stärker durchblutet und zum anderen kann die vergrößerte Gebärmutter auf die Gefäße im Enddarm drücken.

Hämorrhoiden machen sich zuerst durch Jucken und Brennen im Bereich um den Darmausgang bemerkbar. Nässen und ein fremdartiges Druckgefühl können im nächsten Stadium dazukommen.

Charakteristisch ist auch eine leichte Blutung mit hellrotem Blut, entweder auf dem Klopapier oder im Stuhl. Erst im weiteren Verlauf kommt es zu starken Schmerzen, die mitunter ein längeres Sitzen unmöglich machen.

Abhilfe ist möglich

Ist die Erkrankung noch im Anfangsstadium, dann können schon eine ballaststoffreiche Kost und viel Flüssigkeit in Form von Mineralwasser und verdünnten Fruchtsäften hilfreich sein. Verzichtet werden sollte in dieser Zeit auf Kaffee, schwarzen Tee, Kakao oder Cola.

Wichtig ist es auch, sich nach sitzender oder stehender Tätigkeit ausreichend zu bewegen. Der Darm wird dadurch aktiviert und das ungesunde Herauspressen des Stuhls kann vermieden werden.

Als zweiter Schritt können Salben oder Zäpfchen eingesetzt werden, die in der Apotheke angeboten werden. Beide besitzen eine örtliche Wirkung und können die vorhandenen Beschwerden wie Juckreiz, Brennen und Schmerzen beseitigen. Ebenso können sie Schleimhautschwellungen und Entzündungen hemmen.

Salben eignen sich für die Behandlung der Analhaut und werden mehrmals am Tag, besonders nach dem Stuhlgang, aufgetragen. Zäpfchen werden in den Enddarm nach einem Stuhlgang eingeführt. Sie sollten aber nicht zu tief eingeführt werden (sie sollten durch den After noch berührt werden können), da sie sonst in den Mastdarm wandern und dort nahezu wirkungslos liegen bleiben.

Bei häufig wiederkehrenden Beschwerden sollten die Hämorrhoiden beseitigt werden. Hierbei haben sich zwei Verfahren bewährt. Beim Sklerosieren spritzt der Arzt ein Verödungsmittel in den Knoten. Bei der Ligatur schiebt der Arzt einen kleinen Gummiring über den Knoten, der ihn an seiner Basis abschnürt. Die Hämorrhoiden trocknen dadurch ein und die Vergrößerung verschwindet. Beide Verfahren müssen unter Umständen mehrfach wiederholt werden.

Damit es erst aber gar nicht so weit kommt, sollte zur Vorbeugung die Afterschließmuskulatur gezielt trainiert werden: Die Muskeln mehrmals täglich etwa 30 Mal zusammenkneifen – ähnlich dem Beckenbodentraining.

Wichtig ist auch eine gründliche Analhygiene nach jedem Stuhlgang, die verhindern soll, dass sich Keime und Bakterien an der gereizten Stelle ansiedeln und zu weiteren Entzündungen führen. Es gibt in der Apotheke spezielle Reinigungstüchlein, die mithelfen, den Analbereich sauber und frei von Reizstoffen zu halten.

Am wirkungsvollsten ist aber zur Vorbeugung die Umstellung der Ernährung auf viel grünes Gemüse, Obst und Vollkornprodukte, dagegen weniger Nudeln und Mehlspeisen.