Schön, aber gefährlich: Der Riesenbärenklau

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Seit Ende des 19. Jahrhunderts hat sich der Riesenbärenklau in Parkanlagen und Gärten verbreitet. Majestätisch anzusehen ist die auch Herkulesstaude genannte Pflanze. Doch bei Berührung drohen Verbrennungen und Hautentzündungen.

Siegeszug in den europäischen Gärten

Der Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum) stammt - im Gegensatz zu heimischen Arten wie etwa dem Wiesenbärenklau - aus dem Kaukasus. Nach dem Wiener Kongress, der 1815 auf den Sieg über Napoleon folgte, schenkte Zar Alexander I. dem österreichischen Grafen Metternich ein Gefäß mit Samen der Pflanze.

Metternich ließ die Samen zu seiner Sommerresidenz in Böhmen bringen und dort anpflanzen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam die eindrucksvolle Staude auch im übrigen Europa in Mode. Sie wurde z.B. in den Parks der englischen Königsfamilie kultiviert.

Man hielt den Riesenbärenklau außerdem für eine nützliche Pflanze. So wollte man mit ihm Böschungen befestigen. Doch seine Pfahlwurzeln halten die Erde nur schlecht. Und unter den großen Blättern der schnellwachsenden Herkulesstaude gedeihen kaum noch andere Pflanzen.

So verdrängte der eingeschleppte Riesenbärenklau in seinem Ausbreitungsgebiet viele heimische Pflanzen - und die Tiere, die auf diese Pflanzen angewiesen sind. Am Ende zeigte sich, dass Böschungen, die mit Riesenbärenklau besiedelt sind, besonders leicht abrutschen.

Die Stauden der Pflanze können bis zu fünf Meter hoch aufschießen. Die Samen fliegen und keimen vor allem am Straßenrand, aber auch in Gärten. Jede Pflanze bildet zwischen 10.000 und 50.000 Samen, die sogar schwimmen können. Daher wird der Riesenbärenklau von Botanikern auch als invasiver Neophyt bezeichnet – als eindringende neue Pflanze.

Gefahr für die Haut

Alle Bärenklau-Arten enthalten einen giftigen Pflanzensaft. Wenn dieser auf die Haut gelangt, kommt es unter Einwirkung von Sonnenlicht zu verbrennungsartigen Hautschäden. Dafür werden sogenannte Furocumarine verantwortlich gemacht.

Der Riesenbärenklau hat einen besonders hohen Gehalt an diesen Substanzen. Für eine Reaktion mit den fototoxisch wirkenden Substanzen genügt es schon, die Blätter des Riesenbärenklaus zu berühren.

Bei starker Sonnenstrahlung gibt die Pflanze sie auch an die Luft ab, sodass es bereits bei einem Aufenthalt in der Nähe der Pflanzen zu Atemnot kommen kann. Außerdem kann der Pflanzensaft auch Kleidung durchdringen.

  • Daher gilt: Treten nach Kontakt mit dem Riesenbärenklau zusätzlich Symptome wie Kreislaufprobleme, Fieber oder Schweißausbrüche auf, sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden.

Wochenlang kann es dauern, bis die Hautschäden abklingen, die nach der Berührung von Riesenbärenklau entstehen. Nach dem Abheilen der Wunden kann es zudem zu Störungen der Hautpigmentierung, z.B. braunen Stellen, kommen, die noch monatelang zu sehen sind.

Daher sind insbesondere Kinder eindringlich vor dem Riesenbärenklau (und den anderen Bärenklau-Arten) zu warnen. Wenn man trotz aller Vorsichtsmaßnahmen die Pflanze berührt hat, sollte man die betroffenen Hautstellen sofort ausgiebig mit Wasser spülen.

Anschließend wird empfohlen, eine Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor aufzutragen und mehrere Tage lang das Sonnenlicht zu meiden. In manchen Fällen lassen sich die Hautschäden dadurch verringern oder sogar vermeiden. Kommt es zu Hautreaktionen, ist auf jeden Fall ein Arztbesuch empfehlenswert.

Erkennen und bekämpfen

Die Pflanze gedeiht vor allem an Flussufern, Waldwegen und Straßenrändern. Sie kann bis zu fünf Meter hoch werden. Die Blätter sind stark gezackt, den haarigen Stängel zieren grüne und rötliche Sprenkel. Die weißen auffälligen Blüten zeigen sich im Juni und Juli.

Die hohe Gefährlichkeit des Pflanzensaftes hat zu einem grundlegenden Umdenken im Umgang mit dem Riesenbärenklau geführt. Inzwischen wird allgemein empfohlen, ihn gründlich zu bekämpfen.

Auf öffentlichem Grund und Boden ist die jeweilige Naturschutzbehörde dafür zuständig. Die Ämter sind in der Regel dankbar für Hinweise auf das Vorkommen des Riesenbärenklaus.

Grundstücksbesitzer sind dagegen selbst verantwortlich für die Bekämpfung der Herkulesstaude. Allerdings bieten die Ämter vielerorts Hilfen an. Wer den Riesenbärenklau selbst ausrotten will, sollte größte Vorsicht walten lassen.

Wichtig ist eine ausreichende Schutzkleidung: lange Hosen, ein langärmeliges Hemd, Handschuhe, Gesichtsschutz und eine Schutzbrille. Gut ist auch ein wolkenverhangener Tag, um die Arbeiten durchzuführen.

Die Pflanzenteile, insbesondere die Blüten und Samen, gehören nicht in den Kompost. Denn dort können sie zu einer Notreife gelangen und für eine weitere Verbreitung der Pflanze sorgen.

Am besten verpackt man alles in dicke Kunststoffbeutel und entsorgt es über den Hausmüll, denn dieser landet am Ende in der Verbrennungsanlage. Wichtig ist es, die Wurzeln mindestens 15 cm tief auszustechen und mit zu vernichten, damit die Pflanze von dort nicht wieder austreibt.