Der Herzinfarkt (Myokardinfarkt)

Was ist ein Herzinfarkt?

Ein Herzinfarkt ist das Absterben eines Teils des Herzmuskels nach Unterbrechung der Durchblutung.

Die Herzkranzgefäße (Koronararterien) versorgen das Herz über das Blut mit Sauerstoff und mit Nährstoffen. Nur solange diese Versorgung des Herzens gewährleistet ist, kann das Herz seine enorme Pumpleistung vollbringen und den gesamten Körper mit Blut versorgen.

Durch die Arterienverkalkung der Herzkranzgefäße (Koronarsklerose) oder durch ein Blutgerinnsel (Thrombus), das mit dem Blutstrom herangeführt wird, kann ein solches Blutgefäß verstopft und die Blutzufuhr damit unterbrochen werden. Bleiben die Herzmuskelzellen für eine bestimmte Zeit ohne Sauerstoff, so gehen sie zu Grunde. Die Folge ist, dass der nicht mehr mit Blut versorgte Teil des Herzmuskels abstirbt.

Der entstehende Schaden ist umso größer, je größer das verschlossene Blutgefäß ist, denn umso größer ist auch der nicht mehr versorgte Teil des Herzmuskels. Den so entstandenen Gewebstod nennt man Herzinfarkt. Je nachdem, ob die vordere oder die hintere Herzwand betroffen ist, spricht man von einem Vorder- oder Hinterwandinfarkt.

Häufigkeit und Risikofaktoren

Die Herz-Kreislauf-Erkrankungen stehen in den Industrienationen als Todesursache mit Abstand an erster Stelle. Die häufigste Todesursache bei den Herz-Kreislauf-Erkrankungen wiederum ist der Herzinfarkt. Etwa 280.000 Herzinfarkte ereignen sich pro Jahr in Deutschland.

Nur gut die Hälfte der Herzinfarkt-Patienten überlebt ihren Infarkt. 30 % der Infarktpatienten sterben in der ersten Stunde nach dem Infarkt. Männer sind dreimal so oft von einem Infarkt betroffen wie Frauen. Der Risikogipfel liegt zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr.

Risikofaktoren

Die wichtigsten Risikofaktoren für einen Herzinfarkt sind auch die, die eine koronare Herzerkrankung begünstigen, da diese fast jedem Herzinfarkt vorausgeht, nämlich:

  • Bluthochdruck
  • erhöhte Cholesterinwerte
  • Rauchen
  • Diabetes mellitus
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • Stress
  • Erbfaktoren

Krankheitszeichen und Diagnose

Der Herzinfarkt kann bei geringer oder hoher Belastung (Sport) oder auch im Schlaf eintreten.

In immerhin rund 20 % der Fälle verläuft der Herzinfarkt "stumm", d.h. ohne erkennbare Krankheitszeichen. Er ist dann nur im Elektrokardiogramm (EKG) zu erkennen. Vor allem bei älteren Patienten und bei Diabetikern kann dies vorkommen. Für den Diabetes ist typisch, dass er nach langer Dauer zu einer Störung von schmerzleitenden Nervenfasern führen kann. Dies erklärt, weshalb zuckerkranke Menschen die Warnzeichen oder gar den Infarkt selbst nicht wahrnehmen.

Meist wird der Infarkt jedoch von starken Schmerzen hinter dem Brustbein begleitet, die einen lebensbedrohlichen Charakter haben (Vernichtungsschmerz). Der Schmerz kann auch in den linken Arm, den Hals, den Unterkiefer, den Rücken und in den Oberbauch ausstrahlen. Teilweise ist dies davon abhängig, welcher Herzbereich betroffen ist. Viele der Betroffenen leiden unter Atemnot, sind blass und haben Schweißausbrüche. Übelkeit und Unruhe bis hin zu Todesangst sind weitere Begleiterscheinungen.

Manche dieser Symptome gehen einem Infarkt auch voraus und werden als Angina pectoris bezeichnet. Die Angina pectris ist eine Brustenge mit Atemnot, Schmerzen in der linken Schulter oder im Arm. Auch Rückenschmerzen, Halsschmerzen oder Bauchschmerzen könen auftreten. Sie ist Ausdruck des Sauerstoffmangels der Herzmuskulatur bei der koronaren Herzkrankheit. Eine Angina pectoris kann Vor(warn)zeichen eines drohenden Herzinfarktes sein.

Die wesentlichen diagnostischen Elemente zum Nachweis eines Herzinfarkts sind die Symptomatik des Patienten, das Elektrokardiogramm (EKG) und bestimmte Laborwerte, die das Absterben der Herzmuskelzellen erfassen können.

Die Behandlung

Ein Herzinfarktpatient muss sofort notärztlich behandelt und auf die Intensivstation eines Krankenhauses gebracht werden. Es ist lebenswichtig, so schnell wie möglich mit der Behandlung zu beginnen und den Verschluss des betreffenden Herzkranzgefäßes aufzulösen bzw. zu beseitigen. Je schneller die Behandlung beginnt, umso größer ist die Chance, dass die minderversorgten Herzmuskelzellen sich wieder erholen und nicht zu Grunde gehen.

Zur Eröffnung des verstopften Gefäßes stehen mehrere Verfahren zur Verfügung. Falls das Krankenhaus über die Möglichkeit eines Herzkatheters verfügt, kann man im Rahmen einer Notfall-Herzkatheteruntersuchung versuchen, das verschlossene Gefäß wieder zu eröffnen.

Ist das nicht der Fall wird man versuchen, durch gerinnselauflösende Medikamente das verschlossene Gefäß zu eröffnen. Denn einmal abgestorbenes Herzmuskelgewebe ist unwiederbringlich verloren; es gibt keine Möglichkeit, dieses Gewebe wieder in funktionsfähiges Muskelgewebe umzuwandeln.

Dies ist auch der Grund, weshalb sich im Anschluss an einen Herzinfarkt Komplikationen am Herzen und Folgeerkrankungen einstellen können. Nach der Intensivbehandlung wird deshalb die weitere Therapie darin bestehen, den Patienten durch Medikamente und durch eine Änderung der Lebensgewohnheiten dahin zu bringen, dass derartige Komplikationen und vor allem auch ein wiederholter Herzinfarkt (Re-Infarkt) vermieden wird.

In manchen Fällen ist allerdings ein operativer Eingriff erforderlich, um die Engstelle in einem Herzkranzgefäß zu beseitigen oder ein nicht mehr durchlässiges Gefäß durch einen Bypass zu überbrücken.