Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien)

Gestörter Rhythmus

Herzrhythmusstörungen sind Unregelmäßigkeiten in der Schlagfolge des Herzens. Diese Unregelmäßigkeiten können bedeuten:

  • Das Herz schlägt zu schnell: Tachykardie (tachy = schnell)
  • Das Herz schlägt zu langsam: Bradykardie (brady = langsam)
  • Das Herz schlägt unregelmäßig: Arrhythmie (arrhythmisch = "un"-rhythmisch)
  • Extraschläge: Extrasystolen

Bei Extrasystolen handelt es sich um zusätzliche Herzschläge, die außerhalb des normalen Grundrhythmus zusätzlich auftreten. Dabei kann es sich um einzelne oder mehrere zusätzliche Schläge handeln. Der Patient empfindet sie als Herzstolpern. Extrasystolen können bei Gesunden und bei Herzkranken auftreten.

Es gibt auch Kombinationen dieser Rhythmusstörungen, nämlich:

  • Das Herz schlägt zu schnell und unregelmäßig (Tachyarrhythmie)
  • Das Herz schlägt zu langsam und unregelmäßig (Bradyarrhythmie)

Man definiert "zu schnell" und "zu langsam" wie folgt:

  • Tachykardie (zu schneller Herzschlag): über 100 Herzschläge pro Minute
  • Bradykardie (zu langsamer Herzschlag): unter 50-60 Herzschläge pro Minute

Die Herzschläge pro Minute werden dabei im Ruhezustand gemessen. Als "normal" gelten 60 bis 80 Herzschläge pro Minute.

Die normale Herzfunktion

Das Herz hat die Aufgabe, den Blutstrom in den Gefäßen aufrecht zu erhalten, damit den Organen und Geweben ständig die benötigten Nährstoffe und Sauerstoff zugeführt werden. Diese Aufgabe erfüllt das Herz dadurch, dass sich der Herzmuskel abwechselnd zusammenzieht und erschlafft, also eine Pumpleistung erbracht wird.

Das Herz ist vom Herzbeutel (Perikard) umhüllt. Durch die Herzscheidewand wird es in eine linke und in eine rechte Hälfte unterteilt. Jede Herzhälfte teilt sich wiederum in eine muskelschwächere obere Abteilung (Atrium, Vorhof) und in eine muskelstärkere untere Abteilung (Ventrikel, Kammer).

Das Zusammenziehen und Erschlaffen des Herzmuskels wird durch einen elektrischen Impuls bewirkt, den das Herz selbst erzeugt. Den Strom erzeugt ein (Stromerzeugungs-)Zentrum, der so genannte Sinusknoten, der sich im rechten Vorhof befindet. Vom Sinusknoten wird der Strom über ein zweites Zentrum, den so genannte AV-Knoten, auf die Kammermuskulatur weitergeleitet; der AV-Knoten liegt zwischen den Vorhöfen und den Kammern. Über Muskelfasern wird der Strom dann in die Kammerscheidewand, zur Herzspitze und weiter in die gesamte Kammermuskulatur geleitet.

Entstehung und Auslöser

In dem komplexen System der Stromerzeugung und Stromweiterleitung des Herzens können an jeder Stelle Störungen - Defekte und Unterbrechungen - entstehen. Dann kommt es zu Herzrhythmus-Störungen. Je nachdem, ob solche Störungen bei der Stromerzeugung oder bei der Weiterleitung entstehen, unterscheidet man:

  • Erregungsbildungsstörungen
  • Dabei kann es sich entweder um eine vermehrte oder um eine verminderte Erregungsbildung handeln.
  • Erregungsleitungsstörungen
  • Erregungsleitungsstörungen können an jeder Stelle des komplexen Leitungssystems auftreten. Man unterscheidet dabei drei Stufen.
  • 1. Grades: Die Erregungsleitung ist verzögert, aber nicht unterbrochen
  • 2. Grades: Die Erregungsleitung ist teilweise unterbrochen
  • 3. Grades: Die Erregungsleitung ist komplett unterbrochen (so genannter Block)

Auslöser von Rhythmusstörungen

Die Auslöser von Herzrhyhmusstörungen sind vielfältiger Natur. Folgende Erkrankungen und Störungen können z.B. Arrhythmien auslösen:

Herzerkrankungen

  • Koronare Herzkrankheit (KHK)
  • Herzinsuffizienz
  • Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathien)
  • Herzmuskelentzündung (Myokarditis)
  • Herzklappenerkrankungen

Sonstige Erkrankungen

  • Hypertonie (Bluthochdruck)
  • Stoffwechselstörungen (z.B. Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes)
  • Autoimmunkrankheiten
  • Vergiftungen (Intoxikationen); auch Alkohol, Koffein
  • Erhöhter Säuregehalt im Blut (Azidose)
  • Erhöhte basische Reaktion des Blutes (Alkalose)

Andere Störungen

  • Elektrolytstörungen (Elektrolyte sind Bestandteile von Salzen, die sich im Blut oder in Geweben in gelöster Form befinden und die elektrische Leitfähigkeit beeinflussen. Störungen z.B. bei Niereninsuffizienz)
  • Nebenwirkungen von Medikamenten (z.B. Betablocker, Glycoside, Antiarrhythmika, Diuretika, Psychopharmaka)
  • Neurovegetative Störungen

Krankheitszeichen und Diagnose

Die Symptome bei Herzrhythmusstörungen können individuell sehr unterschiedlich sein. Manche Patienten nehmen überhaupt keine Beschwerden wahr, andere empfinden heftige Beschwerden und erleben diese als sehr bedrohlich. Neben dem Empfinden eines zu schnellen, zu langsamen oder unregelmäßigen Herzschlags können sich folgende Symptome zeigen:

Auch die Kombination dieser Symptome kann sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Einige Formen der Arrhythmien sind gefährlich, andere sind vollkommen harmlos. Glücklicherweise sind die meisten Herzrhythmusstörungen nicht behandlungsbedürftig. Ob eine Behandlung notwendig ist kann aber nur ein Arzt entscheiden.

Diagnose

Die wichtigste diagnostische Methode zur Erkennung von Herzrhythmusstörungen ist das Elektrokardiogramm (EKG), das als "normales EKG", als Belastungs-EKG und als Langzeit-EKG durchgeführt wird.

Neben diesen EKG-Untersuchungen wird der Arzt auch nach einer Grunderkrankung suchen, die für die Herzrhythmusstörungen verantwortlich sein könnte. Dazu wird meist eine Ultraschalluntersuchung des Herzens und des Bauches durchgeführt, auch eine Blutentnahme gehört zum Standardprogramm. Lassen sich die Herzrhythmusstörungen auf diese Weise nicht genau einstufen, wird man gegebenenfalls eine elektrophysiologische Untersuchung anschließen, bei der das EKG mittels eines Katheters im Herzen aufgezeichnet wird. Auf diese Art lassen sich sehr genaue Aufzeichnungen über die gestörten Erregungszentren gewinnen.

Therapie

Die Behandlung von Herzrhythmusstörungen richtet sich prinzipiell nach der jeweiligen Grunderkrankung. Der Arzt muss zunächst entscheiden, ob Aussicht besteht, dass mit der Behandlung der Grunderkrankung auch die Herzrhythmusstörungen in ausreichendem Maße beeinflusst werden können.

Daneben stehen aber auch spezielle Medikamente zur Bekämpfung der Rhythmusstörungen zur Verfügung, so genannte Antiarrhythmika, wie Natrium-Antagonisten, Beta-Blocker, Kalium- und Calcium-Antagonisten.

Teilweise sind Medikamente aber auch wirkungslos, sodass andere Maßnahmen ergriffen werden müssen. Beim Kammerflimmern zum Beispiel, der bei weitem gefährlichsten und lebensbedrohlichsten Form der Arrhythmien, schlägt das Herz mit rasender Geschwindigkeit bis zu 500mal in der Minute. Dadurch ist kein Blutfluss mehr möglich, und wegen der unterbrochenen Blutversorgung des Gehirns wird der Patient schon nach wenigen Sekunden bewusstlos. Mit einem sofort eingesetzten Defibrillator wird versucht, das Herz durch Stromstöße zu einem normalen Schlagrhythmus anzuregen.

Bei allen ständig oder wiederholt auftretenden Formen der so genannten supraventrikulären oder ventrikulären Bradykardie hilft langfristig nur die Implantation eines Herzschrittmachers.

  • Schwäche
  • Übelkeit
  • Schmerzen hinter dem Brustbein (Angina pectoris)
  • Schwindel
  • Luftnot
  • Unruhe und Angst
  • Schweißausbrüche
  • Bewusstlosigkeit
  • Herzstillstand