Aids und HIV-Infektion

Was ist Aids?

Erreger der erstmals im Jahr 1981 beschriebenen Krankheit sind so genannte HI-Viren (HIV steht für "Human immunodeficiency virus"), die sich von Afrika über Amerika nach Europa ausgebreitet haben. Die Viren kommen in den Körperflüssigkeiten vor, zum Beispiel in Blut, Samenflüssigkeit, Scheidensekret, Speichel oder Muttermilch. Bei unmittelbarem Kontakt mit diesen Flüssigkeiten können die Viren durch kleine Defekte der Haut oder Schleimhaut in den Körper eindringen (Kontaktinfektion).

Eine Ansteckung durch Anniesen oder Anhusten (Tröpfcheninfektion) findet jedoch nicht statt. Allerdings können die Viren auch durch Injektionen oder Stiche mit infizierten Spritzen in den Körper gelangen.

Am häufigsten wird das HI-Virus beim Geschlechtsverkehr übertragen. Das größte Risiko, an Aids zu erkranken, besteht für Personen mit häufig wechselnden Sexualpartnern, für Homosexuelle und für Drogenabhängige, die sich Drogen spritzen. Allerdings ist es auch möglich, dass eine infizierte Mutter das Virus an ihr ungeborenes Kind weitergibt, so dass dieses gleich mit der Infektion zur Welt kommt.

Angriff auf das Immunsystem

Die Viren dringen in Körperzellen ein und vermehren sich dort. Vor allem befallen sie einen bestimmten Typ von Abwehrzellen, die so genannten

T-Lymphozyten. Die Zerstörung dieser Zellen hat eine erhebliche Beeinträchtigung der Immunabwehr zur Folge, später bricht das Immunsystem vollkommen zusammen und kann den Körper dann nicht mehr vor eingedrungenen Krankheitserregern schützen.

Auf diese Weise begünstigt Aids zahlreiche Infektionskrankheiten, mit denen ein gesunder Organismus normalerweise ohne weiteres fertig wird. Überdies können sich auch bösartige, ansonsten eher seltene Geschwülste wesentlich leichter entwickeln.

Entweder als Folge derartiger Krankheiten oder durch eine allgemeine Auszehrung (Kachexie) führt Aids schließlich zum Tod.

Vorkommen und Häufigkeit

In den 20 Jahren seit der Entdeckung des HI-Virus Anfang der 80er-Jahre wurden schätzungsweise 400 Millionen Menschen weltweit infiziert, und etwa 12 Millionen starben an Aids.

Rund 65 % der Betroffenen leben in Afrika und 25 % in Asien. In einigen Gebieten Afrikas hat sich das Virus so weit ausgebreitet, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit einer Infizierten-Rate von teilweise bis zu 32 % der erwachsenen Bevölkerung im Alter von 15 bis 50 Jahre rechnet.

Amtlichen Angaben zufolge rechnet man zur Zeit in Deutschland mit etwa 40.000 HIV-Infizierten und Aids-Kranken. Etwa 17.000 Menschen sind seit 1980 an Aids gestorben.

Die Erkrankung trat erstmals in den 60er-Jahren in Zaire/Afrika auf. Seither breiten sich HIV-Infektionen in der ganzen Welt aus. In Europa ist zur Zeit eine explosionsartige Ausbreitung in den osteuropäischen Ländern festzustellen.

In der westlichen Welt erkrankten zu Beginn der Infektionswelle insbesondere homo- bzw. bisexuelle Männer und Drogenabhängige. In den letzten Jahren nehmen dagegen vor allem die Infektionen zu, die durch heterosexuelle Kontakte übertragen werden.

Übertragungswege

Das HI-Virus wird durch Körperflüssigkeiten übertragen.

Die hauptsächlichen Übertragungswege sind:

  • Ungeschützter Sex (ohne Kondom)
  • Kontakt mit infiziertem Blut
  • Mehrfache Verwendung nicht-steriler Spritzen z.B. unter Drogensüchtigen
  • Mutter-Kind-Übertragung in der Schwangerschaft

Die Übertragung durch ungeschützten Sex - auch unter Heterosexuellen - ist die bei weitem häufigste Ansteckungsquelle. Das in den Körperflüssigkeiten enthaltene HI-Virus kann über Schleimhautdefekte im Genitalbereich in den Körper des Partners gelangen.

Noch bis Mitte der 80er-Jahre gab es bei Bluttransfusionen und Übertragung von Blutprodukten (z.B. Gerinnungsfaktoren bei Bluterkranken) keine vorherige Untersuchung des Spenderblutes auf das HI-Virus; dadurch ist es zu HIV-Infektionen gekommen, die in der Öffentlichkeit viel Aufsehen erregt haben. Heutzutage wird jede Blutkonserve auf HIV untersucht, so dass das Risiko einer Infektion auf diesem Weg praktisch nicht mehr vorhanden ist.

Ein großes Problem stellt die mehrfache Verwendung verunreinigter Injektionsspritzen unter Drogenabhängigen dar, das vermutlich für einen Teil der Infektionen verantwortlich ist.

Infizierte Frauen können das HI-Virus während der Schwangerschaft oder der Geburt auf ihr Kind übertragen. Dies geschieht schätzungsweise in einem Viertel der Fälle, in denen die Schwangeren nicht gegen ihre Infektion behandelt werden. Auch die Muttermilch kann Überträger des HI-Virus sein.

Keine Übertragung des HI-Virus

Speichel ist an sich ein schlechter Überträger des HI-Virus, denn er enthält natürliche Stoffe, die das Infektionspotenzial des HI-Virus senken oder weitgehend ausschalten. Bei einer bloßen, mehr oder weniger zufälligen Berührung mit dem Speichel eines Infizierten wird das HI-Virus im Allgemeinen also nicht übertragen.

Ebenso wird das HI-Virus nicht durch Urin, Fäkalien, Tränen und Schweiß übertragen. Bei Untersuchungen in Familien, die mit einem HIV-Infizierten zusammenleben, hat sich auch herausgestellt, dass bei dem gemeinsamen Gebrauch von Essbesteck, Handtüchern, Betten, Telefon, Toilettensitzen oder dem Swimmingpool das HI-Virus nicht übertragen wird.

Risikogruppen

Man sagt zwar: "Aids kann jeden treffen", es gibt aber Gruppen von Menschen, die ein erhöhtes Infektionsrisiko haben:

  • Menschen, die ungeschützten Sex mit häufig wechselnden Partnern praktizieren
  • Paare, bei denen ein Partner ungeschützten Sex mit häufig wechselnden Partnern betreibt
  • Drogenabhängige, die Injektionsspritzen austauschen
  • Gesundheitsfachberufe, die mit fremden Körperflüssigkeiten zu tun haben.

Lebenszyklus der HI-Viren

Das HI-Virus hat, wie alle Viren, keinen eigenen Stoffwechsel und kann sich deshalb nur innerhalb einer Wirtszelle vermehren. Bei der Einnistung in menschliche Zellen befällt das HI-Virus eine bestimmte Art weißer Blutkörperchen, die sogenannten T-Helferzellen (eine Untergruppe der T-Lymphozyten).

Durch den Vermehrungsvorgang der HI-Viren werden diese T-Helferzellen geschädigt und sterben ab. Weil nun aber die weißen Blutkörperchen für einen Teil der Immunabwehr verantwortlich sind, werden die Abwehrkräfte des Infizierten immer mehr geschwächt.

HI-Viren gehören zu den so genannten Lenti-Viren (lenti=langsam). Es ist typisch für die Lenti-Viren, dass ein großer Zeitraum zwischen der eigentlichen Infektion und dem Zeitpunkt liegt, an dem Krankheitszeichen auftreten.

"Diagnostische Lücke" und Inkubationszeit

Zwischen dem Zeitpunkt der Infektion mit dem HI-Virus und dem Zeitpunkt, zu dem nachweisbar ist, dass der Patient sich infiziert hat, liegen etwa sechs bis acht Wochen; vorher ist die Infektion normalerweise nicht nachweisbar. Man nennt diesen Zeitraum die "diagnostische Lücke".

Die diagnostische Lücke darf keinesfalls mit der so genannten Inkubationszeit verwechselt werden. Die Inkubationszeit ist die Zeit zwischen der Infektion und dem Ausbruch der Krankheit Aids. Da es sich beim HI-Virus um ein Lenti-Virus handelt, kann die Inkubationszeit von wenigen Jahren bis zu über zehn Jahren reichen; sie ist von Patient zu Patient sehr unterschiedlich.

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