Biowaffen mit Killer-Bakterien

Angst vor Bio-Waffen steigt

Einige der Terroristen von New York und Washington hatten Interesse an Sprühflugzeugen in Florida gezeigt, die normalerweise zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden. Dies lässt den Schluss zu, dass in den USA Anschläge mit chemischen Waffen möglicherweise geplant waren oder sind. Aus Angst vor Anschlägen haben sich bereits zahlreiche Bürger mit Schutzmasken eingedeckt. In New York und Washington ist zur Zeit kaum noch eine Gasmaske zu bekommen - nicht einmal mehr über das Internet.

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor Chemie- oder Biowaffenanschlägen mit Flugzeugen. Denkbar sind Angriffe mit Erregern von Milzbrand, Botulismus und Pocken.

Milzbrand als biologische Waffe

Milzbrand ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die in erster Linie Huftiere betrifft. Eine Übertragung auf den Menschen kommt bei Berufsgruppen vor, die engen Kontakt zu infizierten Tieren haben oder mit Produkten dieser Tiere in Berührung kommen. In den meisten Fällen ist der Milzbrand daher eine Berufskrankheit. In Deutschland ist diese Erkrankung beim Menschen selten.

Erst der Einsatz von Milzbrand-Erregern (Bazillus anthracis) als biologische Waffe hat dazu geführt, dass diese Infektionskrankheit so bekannt wurde. Die Militärs experimentierten schon früh mit Milzbrand-Erregern. Heute besitzen bereits eine Reihe von Staaten diese Erreger als Kampfmittel, die z.B. mit Granaten verschossen oder mit Raketen über große Entfernungen an ihr Ziel gebracht werden können. Auch terroristische Anschläge, z.B. über das Trinkwassersystem einer Großstadt sind vorstellbar und möglich. Ebenso können Milzbrand-Erreger durch die Inhalation von infektiösem Staub oder bakterienhaltigen Aerosolen oder auch mit der Nahrung aufgenommen werden.

Symptome und Therapie

Ist der Milzbrand-Erreger einmal in den Körper gelangt, so treten nach wenigen Stunden bis mehreren Tagen die ersten Symptome auf. Werden die Erreger eingeatmet, kommt es zum so genannten Lungenmilzbrand. Der Lungenmilzbrand verläuft wie eine schwere Lungenentzündung mit starkem blutigem Auswurf, der hochgradig ansteckend ist. Die Patienten haben hohes Fieber, häufig Schüttelfrost, Husten und Atemnot.

Wurde der Milzbrand-Erreger dagegen über die Nahrung aufgenommen, kann es zum Darmmilzbrand kommen. Im Vordergrund stehen hier blutiges Erbrechen und blutige Stühle aufgrund der schweren hämorrhagischen Darmentzündung.

Lungen- und Darmmilzbrand verlaufen ohne oder bei verspäteter Therapie meist innerhalb von 2 bis 3 Tagen tödlich.

Die Therapie

Die Behandlung muss so früh wie möglich begonnen werden. Als Mittel der Wahl wird hoch dosiert Penicillin G gegeben. Alternativ können Tetracyclin, Erythromycin oder Chloramphenicol verwendet werden.

Wie kann man sich schützen?

Gegen die Inhalation des Milzbrand-Erregers kann man sich mit einem speziellen Mundschutz recht gut schützen. Einen derartigen Mundschutz kann man beispielsweise in Apotheken erhalten.

Bio-Waffe Botulismus

Das Botulinumtoxin gehört zu den giftigsten Substanzen, die überhaupt bekannt sind. Gebildet wird es von dem Bakterium Clostridium botulinum. Als potenzieller Kampfstoff ist das Nervengift gefürchtet: Es blockiert die Ausschüttung des Botenstoffs Acetylcholin. Die Folge: Muskeln können sich nicht mehr zusammenziehen, der Körper ist gelähmt. Die Vergiftung beginnt meist mit Übelkeit und Erbrechen, gefolgt von Sehstörungen. Höhere Dosen führen zu Herz- und Lungenversagen.

In kleinsten Mengen wird das Gift erfolgreich bei Krämpfen angewandt, da es Muskelverkrampfungen löst. In den Schlagzeilen war Botulinumtoxin in letzter Zeit augrund seiner postitiven Wirkung bei übermäßigem Schwitzen und Migräne, aber auch zur Straffung von Falten.

Die Therapie

Zur Therapie von Botulismus gibt es ein Antitoxin (Gegenmittel), das bei Verdacht und ausgeprägten Symptomen möglichst schnell durch einen Arzt unter strengen Vorsichtsmaßnahmen verabreicht werden sollte.

Pocken: eigentlich ausgerottet

Die Erreger der Menschenpocken (Variola vera) sind zwei der größten DNA-Viren, das Variolavirus und das Alastrimvirus. Die Übertragung erfolgt meist als Tröpfcheninfektion unmittelbar von Mensch zu Mensch. Symptome treten nach etwa 14 Tagen auf.

Die Pockenviren vermehren sich im Nasen-Rachen-Raum und gelangen dann ins Blut, worauf sich hohes Fieber mit Schüttelfrost und starkem Krankheitsgefühl einstellt. Danach tritt der Pocken-Ausschlag auf: Vor allem im Gesicht und an Armen und Beinen bilden sich Papeln und Pockenbläschen. Wenn sich der Bläscheninhalt trübt, entstehen Pusteln.

Am 11. und 12. Krankheitstag beginnen die Pusteln einzutrocknen. Im günstigen Fall heilt der Pockenausschlag unter Narbenbildung nach 4 bis 6 Wochen ab. Im ungünstigen Fall kann die Erkrankung tödlich verlaufen.

Keine Behandlung möglich

Eine Behandlung der Menschenpocken ist nicht möglich. Es gibt nur einen vorbeugenden Schutz in Form einer Impfung. 1975 wurde in Deutschland die Pflichtimpfung von Säuglingen gegen Pocken abgeschafft. Seit 1980 gilt die Erkrankung weltweit als ausgerottet.

Interessante Links

Wer hat welche Waffen? Wie gefährlich sind welche Erreger wirklich? Und wie schützt man sich und andere? Im Internet geben Terrorfachleute aus aller Welt Antworten: Nirgendwo sonst findet sich so viel Wissenswertes zur biologischen Kriegsführung.

  • "Zur Geschichte der biologischen Waffen bis 1945". Wer wissen will, welche Rolle den Deutschen bei der Entwicklung lebender Waffen zukam, warum die Japaner Bakterien als die Schwerter der Zukunft feierten und was diverse Geheimdienste mit Kartoffelkäfern zu tun hatten, sollte sich diesen Text nicht entgehen lassen.
  • "Sunshine Project". Diese Seiten sind die wohl ergiebigsten Quelle für Informationen zum Bioterrorismus, die im Internet zu finden ist. "Sunshine" ist eine weltweit tätige Gruppe, die sich die Aufklärung über tatsächliche und vermeintliche biologische Terroraktivitäten auf die Fahnen geschrieben hat.
  • "Sunshine" beschäftigt sich nicht nur mit der Vergangenheit, sondern auch mit der Zukunft des Bioterrors. Und die könnte gentechnisch veränderten Organismen gehören.
  • Die amerikanische Ärztekammer startete Anfang des Jahres in ihrer Zeitschrift "JAMA" eine Serie über potenzielle biologische Kampfstoffe. Unter anderem finden sich dort lange Beiträge über Botulinumtoxin, über Pocken und über die Pest.