Gefahren durch Zecken

Spinnentier Zecke

Biologisch zählen die Zecken zur Klasse der Spinnentiere. Sie haben acht Beine - zumindest im erwachsenen Stadium, wohingegen die Larven noch mit sechs Beinen auskommen müssen. Die Larven, die aus den Eiern schlüpfen, sind nur etwas mehr als einen halben Millimeter groß und mit bloßem Auge kaum zu erkennen.

Sobald sie geschlüpft sind, beginnt ein komplizierter Lebenszyklus des Parasiten, der insgesamt drei Entwicklungsstadien umfasst. In jeder dieser Stadien ist eine Blutmahlzeit von einem warmblütigen Lebewesen nötig, also entweder vom Menschen oder von Tieren.

Aus der Larve wird anschließend die zweite Lebensstufe der Zecke, die Nymphe. Diese krabbeln meist auf die Spitzen von Gräsern und Blättern, um sich dort von neuen Wirten abstreifen zu lassen. Ist auch diese Blutmahlzeit vollzogen, entwickelt sich als drittes und letztes Stadium die erwachsene und geschlechtsreife Zecke.

Während erwachsene Männchen meist nur selten und wenig Blut saugen, benötigen die Weibchen das Blut als Proteinquelle für die Produktion ihrer Eier. Sie können das 100- bis 200-fache ihres Gewichts an Blut aufnehmen und Erbsengröße erreichen.

In Deutschland ist vor allem der Holzbock (Ixodes ricinus) weit verbreitet. Durch Klimaveränderungen und milde Winter hat sich das Gebiet, in dem Zecken leben, ausgeweitet. War bis vor einigen Jahren vor allem Süddeutschland betroffen, so werden immer häufiger auch Zecken und Zeckeninfektionen aus Norddeutschland gemeldet.

Der Zeckenstich

Zu den vielfältigen Mythen rund um die Zecke gehört die Annahme, dass sich Zecken von Bäumen fallen lassen, um so auf den Menschen zu gelangen. Dies ist jedoch nicht richtig. Die Zecken sitzen auf Grashalmen, an Buschzweigen und im Unterholz und lassen sich beim Vorbeigehen abstreifen.

Geleitet werden die Zecken dabei von den Geruchssinnesorganen in ihren Vorderbeinen, da sie nämlich augenlos sind. Zecken können geduldig wochen-, ja sogar monatelang auf den Wirt warten. Haben sie ihn dann allerdings erreicht, suchen sie sich am Körper ein verstecktes Plätzchen auf der Haut - beim Menschen häufig in der Achselhöhle, den Kniekehlen oder im Genitalbereich.

Wichtig ist, dass die Stelle dünnhäutig, feucht und gut durchblutet ist. Deshalb finden sich bei Kindern die meisten Zeckenstiche am Kopf, im Nacken sowie am Haaransatz.

Übrigens: Zoologen sprechen nicht von Zeckenbissen, sondern von Zeckenstichen. Zecken versenken ihre Mundwerkzeuge, die einen Stechrüssel bilden, in die Haut und das hautnahe Gewebe des Wirtes.

Bereits während des Stechens sondert die Zecke mit ihrem Speichel eine Art Betäubungsmittel ab, wodurch man die Stiche nicht bemerkt, selbst wenn der Stechapparat des Spinnentierchens wesentlich größer und gröber als der von Stechmücken ist.

Mit dem Speichel werden zudem bestimmte Stoffe übertragen, die dafür sorgen, dass das Blut nicht gerinnt. Zudem verhindert der Zeckenspeichel, dass sich die Einstichstelle entzündet. Allerdings können durch den Speichel auch Krankheitserreger an den Wirt übertragen werden - insbesondere FSME-Viren.

Gefahr: FSME und Borreliose

Zeckenstiche sind nicht zwangsläufig gefährlich. Wichtig ist, dass die Wunde nach der Entfernung der Zecke umgehend desinfiziert wird, um eine Infektion zu vermeiden. Dieses schützt allerdings nicht, wenn die Zecke Trägerin von Krankheitserregern war, die während des Saugaktes übertragen wurden.

Die beiden wichtigsten Erreger sind das FSME-Virus (Frühsommer-Meningoenzephalitis) und Lyme-Borrelien (ausgesprochen: "Leim", wissenschaftlicher Name: Borrelia burgdorferi sensu lato).

Bei den Borrelien handelt es sich um eine Gruppe schraubenzieherartig gewundener Bakterien, die sehr unterschiedliche Symptome beim Menschen auslösen können. Dazu zählen grippeähnliche Beschwerden wie Kopf- und Gliederschmerzen sowie Fieber und eine kreisförmige Rötung rund um die Einstichstelle, die sogenannte Wanderröte.

Im zweiten Stadium der Borreliose, die Wochen bis Monate nach dem Stich auftritt, sind Gelenk-, Nerven- oder Herzmuskelentzündungen möglich, genau wie eine Gesichtslähmung. Das dritte Stadium der Erkrankung zeigt sich mit chronischen Gelenkbeschwerden sowie einer Blaufärbung der Haut an Händen und Füßen.

Bei der FSME zeigen sich nach ca. sieben bis 14 Tagen grippeähnliche Symptome, nach ca. 20 Tagen sind auch Beschwerden wie Bewusstseinsstörungen oder Lähmungen möglich.

Während es gegen die FSME-Viren eine Impfung gibt, sind bei Borrelien vor allem vorbeugende Maßnahmen nötig. Behandelt wird eine Borreliose mit Antibiotika. Die Beschwerden einer FSME-Infektion können nur gelindert werden, u.a. mit fiebersenkenden Mitteln.

Wichtige Vorbeugung

Während sich das Hauptrisiko einer FSME-Infektion insbesondere auf süddeutsche Bundesländer beschränkt (eine aktuelle Karte ist unter www.zecken.de zu finden), ist überall in Deutschland mit Borrelien zu rechnen.

Wird die Zecke bereits kurz nach Beginn des Saugakts entfernt, lässt sich die Gefahr einer Infektion mit Borrelien deutlich verringern, da die Bakterien zumeist erst nach etwa 24 Stunden übertragen werden. Das FSME-Virus hingegen wird von Beginn des Saugakts an übertragen.

Da Zecken nicht sofort zustechen, sondern auf der Suche nach einer idealen Stelle zunächst auf dem Körper bzw. der Kleidung umherlaufen, können sie durch regelmäßiges Absuchen vielfach bereits vor dem Stechen entfernt werden. Daher sollte man sich - und ggf. auch Partner, Kinder und Haustiere - nach dem Aufenthalt im Freien gründlich absuchen.

Einen gewissen Schutz bietet das Tragen geschlossener Kleidung (feste Schuhe, lange Hosen, lange Ärmel). Werden die Hosenbeine in die Socken gesteckt, ist die Zecke gezwungen, auf der Kleidung nach oben zu laufen, was ihre Auffindung erleichtert.

Außerdem sollten Repellentien (sogenannte Akarizide) genutzt werden. Ihr Schutz ist zwar zeitlich begrenzt und vielfach auch nicht vollständig, dennoch sollte man nicht darauf verzichten. Insbesondere Hautflächen unter der Kleidung oder am Kopf bleiben zumeist unbehandelt - und bieten somit den Spinnentieren Möglichkeiten zu stechen.

Tipps zur Entfernung von Zecken:

  • Findet man eine Zecke, sollte diese unverzüglich entfernt werden. Dies geschieht am besten mit einer Pinzette, einer Zeckenzange oder einer Zeckenkarte. Die Zecke möglichst nah an der Haut greifen und langsam herausziehen. Experten raten dazu, dies vorsichtig, aber zielstrebig zu machen. Eventuell kann eine leichte Drehung das Entfernen erleichtern, auch wenn Zecken kein Gewinde haben.
  • Wichtig ist, die Zecken niemals zu quetschen. Anderenfalls besteht die Gefahr, dass der mit Krankheitserregern infizierte Speichel der Zecke in die Wunde gepumpt wird. Verzichten sollte man auf vielfach angepriesene Hausmittelchen wie Klebstoff, Öl oder Nagellack. Die Zecke fühlt sich bedroht und stößt möglicherweise infizierten Speichel ab.
  • Bleibt der Kopf der Zecke stecken oder lässt sich die Zecke gar nicht entfernen, sollte der Arzt aufgesucht werden. Dies ist auch nötig, wenn es nach einem Zeckenstich zu Hautveränderungen kommt.
  • Wenn die Zecke entfernt ist, reicht es nicht aus, sie in die Mülltonne oder in die Toilette zu werfen. Dies überleben die zähen Spinnentiere in vielen Fällen unbeschadet. Wer Zecken nicht zerquetschen möchte, kann sie in ein verschließbares Glas mit 40-prozentigem Alkohol, Desinfektionsmittel oder Chlorreiniger geben.