Grippe trifft Menschen mittleren Alters

15- bis 59-Jährige im Visier

Wie schlimm die Grippewelle in diesem Jahr letztlich ausfallen wird und ob der Höhepunkt wirklich wie erwartet auftritt, lässt sich allerdings noch nicht sagen.

Einen entscheidenden Unterschied zu vergangenen Grippewellen gibt es jedenfalls: Die Grippe trifft 2016 eine Bevölkerungsgruppe besonders schlimm, die normalerweise kaum unter ihr zu leiden hat.

"Die aktuelle Grippewelle trifft nach ersten Erkenntnissen Menschen mittlerer Altersgruppen, also Menschen zwischen 15 und 59 Jahren, häufiger und schwerer, als bei Grippewellen, die von anderen Virusstämmen dominiert werden. Normalerweise sind vor allem Kinder und ältere Menschen, also Menschen mit einem noch nicht ausgereiften oder bereits geschwächten Immunsystem, betroffen", sagt Gérard Krause, Leiter der Abteilung Epidemiologie am HZI.

Dominant ist in diesem Jahr der Virusstamm A(H1N1)pdm09. "Etwa 70 Prozent der bisherigen Erkrankungen sind auf diesen Virusstamm zurückzuführen. Im letzten Jahr waren es nur etwa 15 Prozent. Damals dominierte der H3N2-Stamm", fügt Krauses Kollege Carlos A. Guzmán, Leiter der Abteilung Vakzinologie, hinzu.

Viele ohne Kontakt zu Virus

Die derzeit dominierende Variante des H1N1-Stammes ist noch sehr jung und trat erstmals 2009 auf. Da die Variante zunächst bei Schweinen zirkulierte, erhielt sie damals den Beinamen "Schweinegrippe".

"Inzwischen ist diese Bezeichnung aber nicht mehr sinnvoll, denn der Virusstamm wird mittlerweile hauptsächlich von Mensch zu Mensch übertagen. Die Übertragung von Schwein zu Mensch spielt hier inzwischen epidemiologisch keine Rolle mehr", stellt Krause klar. Übereinstimmend sei aber, dass auch im Jahr 2009 vergleichsweise häufig schwere Erkrankungen in der mittleren Altersgruppe zu beobachten waren.

"Ein Grund dafür ist vermutlich, dass diese Altersgruppe noch nicht so häufig Gelegenheit hatte, eine Immunität gegen den Virusstamm aufzubauen. Das liegt daran, dass wir es mit einer relativ neuen Variante zu tun haben."

Normalerweise entwickelt der Körper eine Immunität gegen Viren, mit denen er bereits in Kontakt war, beziehungsweise die er erfolgreich bekämpft hat. Diese Immunität kann entweder durch eine Impfung zustande kommen oder durch eine natürliche Infektion.

"Personen mittleren Alters hatten vielleicht einfach noch keinen Kontakt mit einem Virusstamm, der dem aktuellen ähnlich ist. Deshalb sind sie schlechter geschützt als ältere Menschen, die einer ähnlichen Variante des Virus bereits begegnet sind", unterstreicht Guzmán abschließend. (pte)