„Mit HIV kann man leben. Weitersagen!“

Quelle: Weltaidstag - Sandra Kühnapfel

Noch immer wissen viele Menschen nicht, dass mittlerweile dank einer verbesserten medizinischen Versorgungslage ein weitgehend normales Leben mit HIV möglich ist. Viele haben aus Unkenntnis Ängste und wissen nicht, dass HIV im normalen Umgang von Menschen im Beruf, im Alltag und in der Freizeit nicht übertragen wird. Ziel der gemeinsamen Informationskampagne des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG), der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), der Deutschen Aids-Hilfe (DAH) und der Deutschen Aids-Stiftung (DAS) ist es daher, Unsicherheiten gegenüber Menschen mit HIV abzubauen.

Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) betont: „Dank des medizinischen Fortschritts gibt es mittlerweile effektive Therapiemöglichkeiten der chronischen HIV-Infektion. Dennoch sterben jedes Jahr in Deutschland immer noch Menschen an AIDS.

Rund 1.200 Menschen erfahren jedes Jahr erst von ihrer HIV-Infektion, wenn sie bereits das Vollbild der Erkrankung beziehungsweise einen schweren Immundefekt haben. Oft gehen Menschen zu spät oder gar nicht zum Arzt, weil sie Angst haben, bei einer entsprechenden Diagnose von anderen ausgegrenzt zu werden. Die gemeinsame Kampagne zielt deshalb darauf ab, mit bundesweiten Plakaten und Informationsangeboten Ängste und Vorurteile gegenüber Menschen mit HIV als Ursache von Diskriminierung abzubauen.“

Das Statement von Dr. Ulrich Heide, Geschäftsführender Vorstand der Deutschen AIDS-Stiftung: „Trotz der weitgehenden Normalisierung in der Lebensführung der meisten Infizierten, gibt es nicht wenige Menschen, denen es aufgrund von HIV/AIDS gesundheitlich und materiell schlecht geht. Die Diskriminierung HIV-positiver Menschen wirkt sich negativ auf ihre seelische und körperliche Gesundheit aus. Können HIV-Positive aufgrund von starken gesundheitlichen Einschränkungen dauerhaft nicht berufstätig sein, bedroht dies ihre materielle Sicherheit und psychische Gesundheit.“

Auch deshalb erklärt Björn Beck vom Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe: „Es wird Zeit, dass in der Öffentlichkeit deutlich wird: Menschen mit HIV können heute bei rechtzeitiger Diagnose und Therapie leben wie andere Menschen auch. Das gilt für alle Lebensbereiche: Es gibt keine Einschränkungen im Beruf oder in der Freizeit. Dank der Schutzwirkung der HIV-Medikamente können HIV-Positive und ihre Partnerinnen und Partner ohne Angst ihre Sexualität genießen und sogar auf natürlichem Wege Kinder zeugen und zur Welt bringen. Viele Menschen mit HIV erleben allerdings noch immer Diskriminierung, zum Beispiel Zurückweisung im Gesundheitswesen, Nachteile am Arbeitsplatz oder Schuldzuweisungen in der Familie.“

Daten und Fakten zum Welt-AIDS-Tag

Weltweit leben etwa 36,7 Millionen Menschen mit HIV. Rund 1,8 Millionen kommen pro Jahr dazu. Noch lange haben nicht alle Zugang zu den lebensnotwendigen Medikamenten. Und noch immer erleben Betroffene Ausgrenzung und Stigmatisierung. Am 1. Dezember findet deshalb jedes Jahr der Welt-AIDS-Tag statt. Ziel ist es, dafür zu sensibilisieren, wie wichtig ein Miteinander ohne Vorurteile und Ausgrenzung ist – und zu zeigen, dass wir alle positiv zusammen leben können.

HIV in Deutschland – Daten und Fakten

  • Rund 85.000 Menschen leben in Deutschland mit HIV. Da immer weniger Menschen an den Folgen der Infektion sterben, steigt diese Zahl.
  • 60.700 Menschen nahmen Ende 2015 HIV-Medikamente. Das sind 84 % der Menschen, die von ihrer HIV-Infektion wissen.
  • Rund 13.000 Menschen in Deutschland wissen nichts von ihrer HIV-Infektion. Viele leben schon Jahre unwissentlich mit HIV.
  • Rund 1.200 Menschen erfahren jedes Jahr erst von ihrer HIV-Infektion, wenn sie bereits AIDS beziehungsweise einen schweren Immundefekt haben. Mit einem frühzeitigen HIV-Test und Behandlung wäre die Erkrankung vermeidbar.
  • Etwa 3.200 Menschen haben sich im Jahr 2015 mit HIV infiziert. Diese Zahl ist im europäischen Vergleich sehr niedrig und seit mehreren Jahren weitgehend konstant.

Quelle: Robert-Koch-Institut, www.rki.de

Viele weitere Informationen zur HIV-Infektion, zur Kampagne und zu den vielfältigen Aktionen rund um den Welt-AIDS-Tag finden sich auf www.welt-aids-tag.de.