Laktoseintoleranz: wenn die Milch krank macht

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Der Milchzucker – Laktose – gehört zur Gruppe der Kohlenhydrate und kommt natürlicherweise in der Muttermilch und in fast jeder Milch von Säugetieren vor – nur nicht bei Seelöwen.

Laktose ist ein reines Naturprodukt und wird aus der Sauer- oder Labmolke gewonnen, die als Nebenprodukt bei der Käseherstellung anfällt. Aus dieser Molke wird Laktose durch spezielle Trocknungsverfahren herauskristallisiert. Anschließend wird sie gereinigt und entfärbt. Endprodukt ist ein weißes kristallines Pulver mit einem leicht süßlichen Geschmack.

Laktose ist ein Zweifachzucker, d.h. er besteht aus zwei Zuckergrundbausteinen, den Monosacchariden Glukose und Galaktose. Laktose kommt natürlicherweise in aus Milch hergestellten Produkten vor, also z.B. in Sahne, Molke oder Käse.

Da Laktose ein sehr hohes Wasserbindungsvermögen besitzt, eignet sie sich sehr gut als Bindemittel für Lebensmittel. Auch bei der Herstellung von Arzneimitteln wird Laktose als ein beliebtes und weit verbreitetes Bindemittel verwendet.

Wie kommt es zu einer Intoleranz?

Laktose als Disaccharid muss im Darm in die einzelnen Zuckermoleküle gespalten werden, damit diese resorbiert werden können. Im Zuge der Verdauungsarbeit wird die Laktose daher normalerweise mit Hilfe eines Enzyms in die beiden Einzelzucker gespalten. Dieses Enzym heißt Katalase und wird im Dünndarm gebildet. Die Spaltprodukte werden dann in die Darmschleimhaut aufgenommen und gelangen so ins Blut.

Fehlt jedoch das Enzym Katalase oder wird es nur unzureichend gebildet, dann gelangt die Laktose mehr oder weniger ungespalten in den Dickdarm und wird dort von Bakterien zu Milch- und Essigsäure, Kohlendioxid, Wasserstoff und Methan zersetzt.

Die dabei entstehenden Säuren verschieben den pH-Wert im Darm und üben einen starken osmotischen Druck aus. Dadurch erfolgt ein Wassereinstrom in den Darm, der zu einer verstärkten Darmbewegung (Peristaltik) mit anschließendem wässrigen, schaumigen und sauer riechenden Durchfall führt.

Die gleichzeitig entstehenden Gase führen zusätzlich zu Blähungen oder gar Krämpfen. Diese Beschwerden treten etwa zwölf bis dreißig Minuten nach dem Verzehr von Laktose oder laktosehaltigen Produkten auf.

Die Menge macht‘s

Die Laktose wurde also nicht vertragen oder nicht toleriert, daher der Name Laktoseintoleranz. Diese Unverträglichkeit kann schon durch geringe Mengen Laktose ausgelöst werden.

Bei manchen Betroffenen macht sie sich schon nach fünf Gramm Laktose, dies entspricht etwa 100 ml Kuhmilch, bemerkbar. Die Mehrzahl der Betroffenen können allerdings unter einer laktosearmen Kost, dies entspricht etwa acht bis zehn Gramm Laktose pro Tag, symptomfrei leben. Im Vergleich dazu nimmt ein gesunder Erwachsener täglich etwa 20 bis 30 Gramm Laktose mit einer vollwertigen Ernährung zu sich.

Grundsätzlich werden zwei verschiedene Formen der Laktoseintoleranz unterschieden. Der primäre Laktasemangel ist die häufigste Form der Intoleranz und ist erblich bedingt. Er tritt meist erst im Erwachsenenalter auf.

Eine ausgesprochen seltene Form des primären Laktasemangels geht mit einem kompletten Aktivitätsverlust der Laktase unmittelbar nach der Geburt einher. Die Säuglinge leiden unter schweren wässrigen Durchfällen, Austrocknung und Unterernährung. Hier muss eine strikte milchzuckerfreie Diät eingehalten werden, da schon kleinste Mengen Milchzucker schwerwiegende Entwicklungsschäden für das Neugeborene nach sich ziehen können.

Der sekundäre Laktasemangel ist nicht genetisch bedingt, sondern entsteht infolge bestimmter Erkrankungen. Der Enzymmangel kann z.B. durch Dünndarmerkrankungen wie Zöliakie, Morbus Crohn oder bakterielle Infektionen auftreten. Auch nach Magen-Darm-Operationen oder durch die längere Einnahme von Antibiotika kann ein Enzymmangel hervorgerufen werden. Nach Behandlung der Grunderkrankung kann sich der sekundäre Laktasemangel wieder zurückbilden.

Eine Abnahme der Laktaseaktivität mit zunehmendem Alter ist ein ganz normaler physiologischer Prozess. Daher vertragen Senioren generell Milch und Milchprodukte schlechter als Jüngere.

In Deutschland leiden etwa zehn Prozent unter einer Laktoseintoleranz, in Italien sind es 70 Prozent, in Schweden aber nur ein Prozent der Bevölkerung. Diese Unterschiede sind evolutionsgeschichtlich zu sehen, da die Laktoseintoleranz eigentlich ein Normalzustand ist. Da es Milch in früheren Zeiten der Menschheitsgeschichte nur in Form von Muttermilch gab, wurde Laktase nur während der ersten Lebensmonate benötigt. Mit dem Sesshaftwerden und der Viehzucht bekam Milch als Nahrungsquelle zunehmende Bedeutung. Dadurch wurde die Fähigkeit, Laktase dauerhaft zu produzieren, immer weiter vererbt.