Nichts geht mehr: Verstopfung

Stau im Bauch

Etwa jeder vierte Deutsche klagt über zu seltenen oder zu harten Stuhlgang. Im Alter nimmt das Problem mit der Verstopfung noch zu - der Anteil der Betroffenen steigt auf etwa 40 Prozent an. Frauen leiden etwa doppelt so häufig an Verstopfung wie Männer.

Allerdings glauben viele Menschen fälschlicherweise, dass sie an einer Verstopfung leiden, da sie den täglichen Stuhlgang für ein Muss halten. Eine Norm gibt es jedoch nicht - dreimal täglich ist so normal wie alle drei Tage.

Ärzte sprechen aber erst dann von Verstopfung (Obstipation), wenn die Betroffenen weniger als dreimal pro Woche Stuhlgang haben und der Stuhl zudem sehr hart ist, so dass er Schmerzen bereitet.

Eine häufige Ursache von Darmträgheit ist der Mangel von Ballaststoffen in der Nahrung. Die Stuhlportionen werden dadurch so klein, dass sie schlecht entleert werden können. Dem im Darm verbleibenden Stuhl wird immer mehr Wasser entzogen, wodurch er immer härter wird.

Zu den weiteren Ursachen zählen Bewegungsmangel, Sorgen und Stress. Asiatische Völker vermuten im Darm den Sitz der Seele. Und erwiesen ist, dass unbewältigter Kummer sowie Dauerbelastungen das Verdauungssystem praktisch lahm legen können.

Weitere Ursachen

Auch Störungen im Darmnervensystem und in der Darmmuskulatur können die Fähigkeit des Darms zum Weitertransport seines Inhalts beeinträchtigen und so zu einer Verstopfung führen.

Hämorrhoiden und Schleimhautrisse im Analbereich können die Stuhlentleerung schmerzhaft machen, weswegen sie unter Umständen unterdrückt wird. Auch mechanische Behinderungen, z.B. eine Funktionsstörung des Schließmuskels, können Ursache von Verstopfungen sein.

Darmträgheit kann auch eine unerwünschte Nebenwirkung von Arzneimitteln sein, etwa von Blutfett- und Blutdrucksenkern, Medikamenten gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen, Magen-Darm-Beschwerden, Rheuma oder starken Schmerzmitteln.

Gerade älteren Menschen fällt es schwer, ausreichend zu trinken. Das Durstgefühl ist häufig nicht vorhanden, so dass sie nicht auf die empfohlene Menge von täglich rund 2 bis 2,5 Liter kommen. Sinnvoll sind Mineralwässer, Früchtetees oder verdünnte Frucht- und Obstsäfte. Obwohl Verstopfungen zumeist keine gefährlichen Krankheiten sind, sind sie auch mehr als nur eine Befindlichkeitsstörung. Die Verstopfung wird häufig von weiteren Beschwerden wie einem angespanntem Bauch oder Blähungen begleitet.

Die Symptome sind unangenehm und beeinträchtigen das Allgemeinbefinden sowie die Lebensqualität. Vor allem Personen, die vorwiegend sitzen, sind betroffen. Sehr häufig wird als Ausweg nur der Griff zum Abführmittel gesehen.

Hilfe durch Abführmittel?

Der Umgang der Betroffenen mit ihrer Verstopfung ist geprägt durch Selbstdiagnose und Selbstmedikation. Abführmittel (in der Fachsprache Laxanzien genannt) verschaffen vorübergehend Erleichterung.

Allerdings sind sie auch oft der Anfang eines Teufelskreises, da sich der Körper an sie gewöhnt und bei Dauergebrauch der Mittel eine immer höhere Dosis nötig wird.

Grundsätzlich gilt, dass die gelegentliche Anwendung von Abführmitteln notwendig und sinnvoll sein kann. So z.B. wenn starkes Pressen oder Schmerzen beim Stuhlgang vermieden werden sollen.

Auch im Urlaub können Abführmittel kurzfristig zum Einsatz kommen, wenn Nahrungs- und Ortswechsel zur Verstopfung führen.

Zu den Problemen bei einem Dauergebrauch von Abführmitteln zählt ein Kaliummangel. Durch den ständig beschleunigten Ausscheidungsvorgang verliert der Körper Kalium - Kaliummangel wiederum verstärkt jedoch die Darmträgheit.

Zur "Blutreinigung", "Entgiftung", "Frühjahrs-" oder "Entschlackungskur" sind Abführmittel auf keinen Fall geeignet. Sinnvoll ist die Einnahme jedoch bei längerer Bettlägerigkeit, bei älteren Menschen mit verminderter Beweglichkeit, bei Darmerkrankungen (z.B. Divertikeln) oder zur Aufweichung des Stuhls bei schmerzhaften Analleiden wie Hämorrhoiden.

In diesen Fällen bietet sich der Wirkstoff Macrogol an, der in Kombination mit Elektrolyten erhältlich ist. Dadurch ist das Risiko von Wasserentzug aus dem Gewebe in den Darm gering. Bei Bedarf ist die Anwendung auch über längere Zeit möglich, da eine Gewöhnung nicht auftritt.

Wichtig: Ernährungsumstellung!

Eines der wichtigsten Mittel gegen Verstopfung ist die Ernährungsumstellung. Eine ballaststoffreiche Ernährung - mit mindestens 25 bis 30 Gramm Ballaststoffen täglich - bringt Linderung.

Die nahezu unverdaulichen Ballaststoffe nehmen Wasser auf, erhöhen dadurch das Stuhlgewicht und regen den Darm an. Der Stuhl wird schneller transportiert und ausgeschieden.

Ballaststoffe stecken in Obst, Gemüse, Kartoffeln und Vollkornprodukten. Diese sollten also so oft wie möglich auf dem Speiseplan stehen. Einige Nahrungsmittel wirken von sich aus leicht abführend, wie z.B. Trockenobst oder Sauerkraut.

Zudem versorgt rohes Sauerkraut den Körper mit Milchsäurebakterien, die die Darmflora sanieren können. Gute Dienste leisten auch milchsauer vergorenes Gemüse wie saure Bohnen oder Gurken, Mixed Pickles oder Joghurt, Kefir oder Buttermilch.

Bei Verstopfung sollte auf Zucker und Weißmehlprodukte weitestgehend verzichtet werden. Stattdessen kann mit dem folgenden Rezept ein Grundstein für eine gute Verdauung gelegt werden:

2 bis 3 Esslöffel fein aufgebrochenen Leinsamen mit Joghurt mischen und zum Frühstück genießen. Danach einen halben Liter Wasser oder Früchtetee trinken.

Den Stuhlgang erziehen

Morgens nach dem Frühstück ist der Darm besonders aktiv. Wer ihm dann regelmäßig und in Ruhe die Gelegenheit bietet, sich seiner Last zu entleeren, kann ihn regelrecht zur Pünktlichkeit erziehen.

Als Auslöser für den Stuhlgang hat sich zudem ein Glas kaltes Wasser oder Fruchtsaft gleicht nach dem Aufstehen bewährt. Sie sollten zudem den Stuhlgang möglichst nie unterdrücken, denn je länger der Speisebrei im Darm bleibt, umso fester wird er.

Bewegung tut nicht nur Ihrem Körper, sondern auch dem Darm gut. Verzichten Sie öfter mal auf Auto oder Fahrstuhl und gehen Sie stattdessen zu Fuß und steigen Sie die Treppen hoch.

Essen Sie regelmäßig und lassen Sie sich dabei Zeit - der alte Spruch "gut gekaut ist halb verdaut" gilt immer noch. Dies betrifft besonders Vollkornprodukte, die von Natur aus etwas mehr Kaubewegungen nötig haben.

Bei schwerer chronischer Verstopfung sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen. Oftmals steckt zwar nur eine gestörte Darmflora dahinter. Der Arzt verordnet dann zumeist Darmbakterien und eine Nahrungsumstellung.

Allerdings kann eine Verstopfung, vor allem eine lang andauernde ohne ersichtliche Ursache, auch auf eine mögliche Darmkrebserkrankung hinweisen.

Bei einem gefährlichen Darmverschluss kommen zu einer plötzlichen Verstopfung heftige Bauchschmerzen sowie Erbrechen. Dann sollten Sie unverzüglich den Rettungsdienst rufen!