Wirksame Hilfe bei Zahnproblemen

Hilfe bei Parodontitis

Ab 50 Jahren erscheint es vielen Menschen, als ob die Zähne länger werden. Eine optische Täuschung: In Wahrheit ist das Zahnfleisch auf dem Rückzug. Schuld daran hat meist Parodontitis, eine Entzündung des Zahnbetts.

"Auslöser sind bakterielle Zahnbeläge, die sich am Zahnrand festgesetzt haben", erläutert der Zahnarzt Prof. Ottaviano Tapparo aus München. Die Entzündung entsteht, wenn die Bakterien in den Raum zwischen Zahn und Zahnfleisch eindringen und sich dort vermehren.

Erste Warnzeichen sind Zahnfleischbluten und Mundgeruch. Greifen die Bakterien das Zahnbett an, droht Wackelalarm: Nach dem 35. Geburtstag gehen mehr Zähne durch Parodontitis verloren als durch Karies.

Penible Mundhygiene ist der Garant für straffes Zahnfleisch. Weil Zahnbürsten nur 70 Prozent der Flächen erreichen, sollten einmal täglich Essensreste zwischen den Zähnen per Zahnseide oder Interdentalbürstchen entfernt werden.

Prof. Tapparo: "Hinterher sollte man den gelockerten Zahnbelag per Munddusche ausspülen." Zur Parodontitisvorbeugung gehört auch die regelmäßige professionelle Zahnreinigung.

Gegen Zahnerosion

Seit einigen Jahren beobachten Ärzte ein Phänomen, das sich vor allem bei Ü50-Patienten zeigt. Die Zähne werden dünner, empfindlicher, brüchiger. Auslöser sind Smoothies, Limonaden, Cola, aber auch ein Zuviel an Obst oder Essig-Öl-Dressings. Also Lebensmittel, die Fruchtsäure, Zitronensäure oder ähnliche chemische Verbindungen enthalten.

"Diese Säuren attackieren die äußere Zahnschicht und weichen den Zahnschmelz auf", weiß Prof. Stefan Zimmer, der an der Universität Witten/Herdecke einen Lehrstuhl für Zahnerhaltung und Präventive Zahnmedizin hält. "Wer dann beim Zähneputzen kräftig auf dem aufgeweichten Zahn herumschrubbt, bürstet sich den Schmelz weg."

Dieser schleichende Doppelangriff aus Erosion und Abrasion bleibt oft bis zur Lebensmitte unbemerkt. Reicht der Säureabrieb schließlich bis zum Dentin, reagiert der Zahn sauer - mit ziehenden Schmerzen auf Heißes oder Kaltes.

Bei der Mundhygiene sollte man auf die Anti-Erosions-Verbündeten Fluorid bzw. Zinnfluorid setzen. "Der Mineralstoff härtet den Zahnschmelz und wehrt so schädliche Säuren ab", erklärt Zimmer. Fluorid steckt in fast jeder Zahncreme.

Ab 50 bzw. wenn der Zahnarzt bereits deutlichen Abrieb erkennt, wird Extraschutz nötig. Den liefern Gele, spezielle Zahncremes oder zinnfluoridhaltige Mundspüllösungen. Zahncremes mit künstlichem Zahnschmelz versprechen, die mikrofeinen Defekte am Zahnmantel zu reparieren.

Trockener Mund

Die Zunge klebt am Gaumen, der Rachen fühlt sich an wie ausgedörrt. Diagnose: Die Mundschleimhäute sitzen auf dem Trockenen. Ein Problem, das ab 65 Jahren jeden Zweiten betrifft. "Verringert sich die Speichelproduktion, leidet die Mundgesundheit", erläutert Prof. Tapparo.

Für Experten gelten die anderthalb Liter Sekret, die täglich von den Speicheldrüsen produziert werden, nämlich als wichtiger Zahnerhalter. Wie eine chemische Zahnbürste neutralisiert die Flüssigkeit schädliche Säuren im Mund, remineralisiert den Zahnschmelz und schützt so vor Karies.

Außerdem spült Speichel Essensreste, Bakterien und Pilze von den Zähnen weg - jedenfalls solange er reichlich fließt. Um dies zu gewährleisten, sollte man ausreichend trinken oder zu zuckerfreien Kaugummis oder Bonbons greifen, die den Speichelfluss anregen.

Spezielle Lutschpastillen, die unter anderem Hyaluron enthalten, erzeugen im Mund einen feuchten Schutzfilm, der sich auf die trockene Schleimhaut legt. Für nachts gibt es Gele, die man vor dem Zugebettgehen auf das Zahnfleisch streicht.

Hilft all das nicht, sollte ein Arzt nachforschen. "Etliche Arzneien, darunter Blutdrucksenker, Beruhigungsmittel und Antidepressiva, lösen als Nebenwirkung einen trockenen Mund aus", sagt Tapparo. Auch eine Hormonumstellung in den Wechseljahren oder nächtliche Mundatmung - häufig eine Folge von Übergewicht - können ein "Wüstenklima" im Mund entstehen lassen.

Hilfe bei Mundgeruch

Ein guter Kuss schmeckt wie Champagner: frisch, mundfüllend, mit feiner Perlage und nach Pfirsich duftend. Umso peinlicher, wenn der Atem schal riecht wie korkiger Schaumwein. Was keine Seltenheit ist: "Jeder vierte Deutsche leidet zumindest gelegentlich unter Mundgeruch", weiß der Zahnarzt Dr. Stefan Koch aus dem thüringischen Sonneberg.

Häufigste Müffelquelle sind schwefelhaltige Verbindungen in der ausgeatmeten Luft. Diese entstehen, wenn bestimmte Bakterien Eiweiße im Mund zersetzen. "Verschlimmert wird das Problem durch Rauchen, zu wenig Speichel, Stress oder auch Fasten", weiß Koch, der seinen Patienten eine Spezialsprechstunde für Halitosis, so das Fachwort für Mundgeruch, anbietet.

Saubere Zähne - Zwischenräume inklusive - und eine intakte Mundflora sind die Basics für guten Atem. Darüber hinaus gibt es spezielle Zahncremes mit Anti-Müffel-Wirkstoffen oder antibakterielle Mundspülungen, die auch dorthin vordringen, wo die Bürste nicht hinkommt. Bakterien, die sich auf der Zunge sammeln, lassen sich mit einem Zungenreiniger abschaben.

Hilft häusliche Hygiene allein nicht gegen den Mundgeruch, sollte ein Profi nachsehen. Dr. Stefan Koch: "Der Zahnarzt wird kariöse Zähne und Parodontitis ebenso in Betracht ziehen wie chronisch entzündete Rachenmandeln oder Nasennebenhöhlen."

Bei der Fahndung nach dem konkreten "Umweltverpester" hilft dem Arzt ein Halimeter. Mit diesem Gerät zieht er an mehreren Stellen im Mund Luftproben, misst die flüchtigen Schwefelverbindungen und spürt so die Übeltäter auf.