Quälende Ohrenschmerzen

Vorkommen und Symptome

Die akute Mittelohrentzündung ist die häufigste Mittelohrerkrankung und tritt besonders oft bei Säuglingen und Kleinkindern auf. Bis zum ersten Lebensjahr haben bereits mehr als die Hälfte aller Säuglinge eine Mittelohrentzündung erlebt.

Die Krankheitszeichen bei den kleinen Patienten sind allerdings oft uncharakteristisch. Mögliche Hinweise sind

  • häufiges Reiben am Ohr,
  • plötzlich auftretendes Fieber,
  • Erbrechen oder Durchfall
  • andauerndes Schreien und Weinen,
  • Müdigkeit.

Die Diagnose kann vom Arzt gestellt werden, in dem er mit dem Otoskop (= beleuchteter Ohrtrichter mit Lupe) oder Ohrmikroskop das Trommelfell betrachtet. Bei einer akuten Mittelohrentzündung ist es stark gerötet und vorgewölbt.

Erreger und Krankheitsentstehung

Einer akuten Mittelohrentzündung geht oft eine Erkältung mit Schnupfen oder Husten voraus. Die Krankheitserreger wandern dann von Nase und Rachen über die Ohrtrompete in das Mittelohr ein und bewirken hier eine Entzündung der Mittelohrschleimhaut.

Die häufigsten Erreger sind Bakterien (z. B. Streptokokken, Haemophilus). Seltener handelt es sich um Viren (z.B. Grippeviren).

Durch die Entzündung bildet sich Entzündungsflüssigkeit (z.B. Eiter) im Mittelohr, die nicht abfließen kann. Das sehr empfindliche Trommelfell wird nach außen vorgewölbt - das Ohr tut weh.

Später kann das Trommelfell durch den Druck aufplatzen und der Eiter aus dem Ohr ablaufen. Damit verschwinden auch die Ohrenschmerzen und das Mittelohr kann ausheilen. Das Loch im Trommelfell heilt meist problemlos zu. Bei häufigen Mittelohrentzündungen können sichtbare Narben am Trommelfell zurückbleiben.

Die Therapie

Bei einer akuten Mittelohrentzündung verschreibt der Arzt in der Regel ein Antibiotikum gegen die Bakterien im Mittelohr für 7 bis 10 Tage. Damit soll vor allem einer Ausbreitung der Infektion und damit möglichen Komplikationen vorgebeugt werden.

Zusätzlich wird die Anwendung von abschwellenden Nasensprays bzw. -tropfen und eines Schleimlösers zur Verbesserung der Mittelohrbelüftung empfohlen.

Gegen Schmerzen und Fieber wird z.B. Paracetamol als Zäpfchen, Tabletten oder Saft gegeben. Die Anwendung von Ohrentropfen erscheint nicht sinnvoll, da sie das Mittelohr nicht erreichen.

Mögliche Komplikationen

Komplikationen einer Mittelohrentzündung sind insgesamt selten. Die Infektion kann sich jedoch weiter ausbreiten. Wandern die Bakterien in den Warzenfortsatz ein, kann hier eine Mastoiditis (Warzenfortsatzentzündung) entstehen. Typische Zeichen sind eine Rötung und Schwellung hinter dem Ohr und eine abstehende Ohrmuschel.

Es muss umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Schädigen die Krankheitserreger das benachbarte Innenohr kann eine bleibende Schwerhörigkeit, Schwindel oder ein Ohrgeräusch resultieren.

Sehr selten treten auch Hirnhautentzündungen, Hirnabszesse oder Nervenausfälle auf.

Wiederholen sich akute Mittelohrentzündungen häufig, sollte nach möglichen Ursachen gefahndet werden. Gegebenenfalls muss eine vergrößerte Rachenmandel (="Polypen", =Adenoide) operiert werden.