Gärtnern ohne Rückenschmerzen

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Wenn die Sonne im Frühjahr lockt, muss auch der Garten auf Vordermann gebracht werden. Die Zeit des Harkens, Jätens, Pflanzens und Schneidens ist angebrochen. Viel zu oft werden diese Tätigkeiten allerdings in der falschen Haltung ausgeführt - so dass am Abend das Kreuz oder der Nacken schmerzen.

Eigentlich ist die Gartenarbeit an der frischen Luft ein gesunder Ausgleich zum häufig stressigen Berufsalltag. Und ein toller Garten ist dann auch ein Rückzugsort, an dem man die Seele baumeln lassen kann. Sagte doch schon Konfuzius: "Willst du ein Leben lang glücklich sein, so schaffe dir einen Garten!"

Wichtig ist dabei, möglichst gelenkschonend zu arbeiten. Aus Bequemlichkeit bücken sich viele, um beispielsweise das Unkraut zu jäten. Diese Haltung geht jedoch ins Kreuz und in die Beine. Komfortabler lässt es sich mit Knieschonern, einem höhenverstellbaren Gartenhocker oder einer Kniebank arbeiten. Dies gilt insbesondere für das Jäten, aber auch das Säen und Einpflanzen lässt sich mit einem Polster für die Knie besser gestalten.

Hilfreich ist auch, die Gartenarbeit abwechslungsreich zu gestalten. Also nicht permanent in derselben Haltung verharren oder immer wieder die gleiche Bewegung ausüben, sondern zwischendrin den Rücken strecken oder die Hände ausschütteln.

Wer zusätzlich das Wetter für sich arbeiten lässt, kann sich das Gärtnern erleichtern. So lässt sich Unkraut bequemer jäten, wenn der Boden nass und aufgeweicht ist. Lässt ein passender Regenschauer auf sich warten, kann man auch mit dem Gartenschlauch nachhelfen.

Auf die Geräte kommt es an

Sinnvoll ist, bereits beim Kauf auf rückengerechte Gartengeräte zu achten. Wenn z.B. Spaten, Besen oder Harke mit einem höhenverstellbaren Stiel ausgestattet sind, können die Werkzeuge von allen Familienmitgliedern, unabhängig von deren Körpergröße, genutzt werden.

Die Geräte sollten zudem nicht zu schwer sein. Empfehlenswert ist leichtes Material. Dies gilt insbesondere auch für Rasenmäher und Heckenscheren. Wer beim Äste Schneiden und in der Obsternte auf ausfahrbares Werkzeug setzt, kann teilweise die Leiter ersetzen und damit sein Unfallrisiko mindern.

Benutzungsfehler bringen viele Leitern zu Fall. So bieten Stufenstehleitern nur festen Halt, wenn sie aufgeklappt sind. Anlegeleitern wiederum sollten mindestens einen Meter über die Anlegekante hinausragen. Alle Leitern müssen zudem gegen Abrutschen gesichert sein: Mit Gummifüßen oder Stahlspitzen. Außerdem sollte man sich auf der Leiter nicht zu sehr verrenken, sondern zum Wohl des Rückens die Leiter umstellen.

Rückenfreundliche Geräte haben ergonomische Griffe. Entlastend sind beispielsweise Werkzeuge mit geschwungenen Griffformen. Auch Gießkannen mit zwei über Kreuz angeordneten Griffen sind gut für den Rücken des Tragenden. Sie lassen sich nämlich beidhändig tragen. Alternativ können auch kleinere Kannen zum Einsatz kommen. Dann muss der Weg zur Regentonne oder zum Wasserhahn zwar häufiger zurückgelegt werden, aber der Rücken wird es danken.

Eine festinstallierte Bewässerungsanlage, computergesteuert oder mit Zeitschaltuhr, ist sicherlich die komfortabelste Lösung, aber auch kostspielig. Je nach Gusto reichen auch ein Schlauchwagen und ein langstieliger Duschkopf, um das Gießen zu erleichtern.

Ein scharfer Spaten ist ebenfalls sinnvoll, sticht er doch den Boden gleich viel leichter und damit rückenschonender. Zudem sollte das Spatenblatt eher etwas kleiner sein, um nicht unnötig viel Erdreich auf einmal bewegen zu müssen.

Hexenschuss droht

Bei der Gartenarbeit kommt man schon mal ins Schwitzen. Die verschwitzte Kleidung kann jedoch in Kombination mit Zugluft und Wind gefährlich werden. Wenn die Luft über den feuchten Rücken streift, verspannt sich die Rückenmuskulatur - und ein Hexenschuss droht. Daher sollte man auch im Garten immer auf die richtige Kleidung achten. Hilfreich ist das Zwiebelprinzip. Anfangs sollte man sich wärmer anziehen, dann nach und nach die einzelnen Kleidungsstücke ablegen - je nach Außentemperatur und der eigenen Anstrengung.

Außerdem sollte man darauf achten, dass der Rücken immer bedeckt ist. Nach schweißtreibender Arbeit und vor der wohlverdienten Pause sollte die Kleidung gewechselt werden.

Unbedachte Bewegungen, die einen Hexenschuss nach sich ziehen, passieren häufig beim Anheben und Tragen von schweren Lasten. Und diese sind im Garten gar nicht selten: Ob Blumenkübel, Gießkannen oder Säcke mit Pflanzenerde - diese sollten nicht aus dem Rücken gehoben werden, sondern aus der Hocke. Erleichterung verschaffen Schub- oder Sackkarren.

Wichtig ist auch, das richtige Maß für die Gartenarbeit zu finden. Man sollte nicht den Anspruch haben, an einem Tag alles fertigstellen zu müssen. Die Gartenarbeit sollte schließlich keine Belastung darstellen, sondern eine wohltuende körperliche Aktivität sein. Deshalb sind auch Pausen - z.B. auf dem Liegestuhl - so wichtig.

Schutz vor Verletzungen

Rund 200.000 Unfälle ereignen sich alljährlich bei der Gartenarbeit. Viele Hobbygärtner verletzen sich an den Geräten, stolpern, fallen und verunglücken, weil sie unaufmerksam sind oder sich selbst überschätzen.

Beinahe die Hälfte aller Unfallopfer verletzt sich mit scharfen oder spitzen Gegenständen, gefolgt von Stürzen von der Leiter im Rahmen der Baumpflege oder während der Obsternte. Das Unfallrisiko ist nach Studien bei Männern ab 55 Jahren besonders groß: Sie überschätzen ihre Kräfte, ihr Geschick und unterschätzen die Gefahren, betonen Experten.

Daher wird dazu geraten, auf die passende Kleidung zu achten. Beim Heckenschnitt sind beispielsweise Sicherheitsschuhe und eine Schutzbrille hilfreich. Aber auch Handschuhe, langärmelige Oberbekleidung und lange Hosen können vor Schürfwunden und Stichen bewahren. Geschlossene Schuhe sind ebenfalls ratsam, um sich nichts einzutreten.

Herumliegende Gartengeräte werden schnell zur Stolperfalle, was schlimmstenfalls sogar ins Auge gehen kann. Daher sollte auf Ordnung geachtet werden: Nach der Arbeit kommen die Geräte zurück in den Schuppen.

Kunstdünger, Giftstoffe und Chemikalien sollten außerhalb der Reichweite von Kindern und Tieren aufbewahrt werden. Wichtig ist auch, sie deutlich zu kennzeichnen und nicht in Lebensmittelverpackungen umzufüllen.

Sind alle Ratschläge befolgt, kann das Gärtnern die Entspannung bringen, die man erreichen möchte. Außerdem kann die Gesundheit durch die Tätigkeit im Garten unterstützt werden. So zeigt eine japanische Studie, dass Gartenarbeit davor schützt, einen Herzinfarkt zu erleiden. Andere Untersuchungen belegen, dass das beliebte Hobby die Blutzuckerwerte positiv beeinflusst und das Gehirn mit reichlich Sauerstoff versorgt. Zusätzlich wirkt die vielseitige Tätigkeit an der frischen Luft entstressend und ausgleichend auf die Psyche.

Nicht zuletzt wird durch den Aufenthalt im Freien die Produktion des Sonnenvitamins D sowie des Botenstoffes Serotonin gefördert - so kann selbst Unkrautjäten die Stimmung heben und sogar einem Burn-out vorbeugen.