Die häufigsten Verhütungsmethoden

Schon über 40 Jahre alt: die Pille

Am 1. Juni 1961 kam die erste Antibabypille auf den deutschen Markt. Anfangs hieß das Anwendungsgebiet "Zyklusregulierung", von Verhütung war (offiziell) nur am Rande die Rede.

Die "Hormonbomben" der ersten Jahre verursachten noch häufig Nebenwirkungen und machten sich sogar im Trinkwasser durch erhöhte Östrogenkonzentrationen bemerkbar. Doch seitdem ist die Hormondosierung um mehr als die Hälfte verringert worden - ohne dass die Sicherheit darunter gelitten hat.

Inzwischen hat sich die Pille fest etabliert. Sie gehört zu den sichersten Mitteln zur Empfängnisverhütung. Außerdem kann sie Probleme wie Akne oder eine starke Regelblutung lindern.

Die verhütende Wirkung der Pille beginnt mit dem ersten Einnahmetag. Sie verschwindet auch sofort nach dem Absetzen wieder.

Einer englischen Statistik zufolge wurden 80 Prozent der Frauen innerhalb von einem halben Jahr nach Ende der Pilleneinnahme schwanger, 50 Prozent sogar schon im ersten Vierteljahr.

Welche Pille die beste ist, sollte jede Frau eingehend mit ihrem Frauenarzt besprechen. Bei eventuellen Nebenwirkungen ist ein Wechsel des Präparats ratsam.

Mini-, Mikro- und Mehrphasenpillen

Die so genannte Minipille ist eine Besonderheit: Sie enthält nur Gestagen. Das verhindert das Eindringen der Samenzellen in die Gebärmutter, nicht jedoch den Eisprung.

Die Minipille muss jeden Tag (auch während der Periode) zur selben Zeit genommen werden, eine Zeitverschiebung ist nur bis zu zwei Stunden tolerierbar. Die empfängnisverhütende Wirkung setzt erst nach zwei Wochen ein.

Da sie zudem weniger sicher ist als andere Pillen, wird sie vor allem Frauen empfohlen, die keine Östrogene nehmen sollen, z.B. Stillenden.

Alle anderen Pillen enthalten eine Kombination aus Östrogen und Gestagen. Das Östrogen verhindert den Eisprung. In den so genannten Ein-Phasen- oder Kombi-Pillen bleibt die Konzentration der Wirkstoffe immer gleich.

Daneben gibt es Zwei-Phasen-Pillen, die zu Beginn des Zyklus nur Östrogen enthalten und in der zweiten Zyklus-Hälfte eine Kombination aus Östrogen und Gestagen. Davon zu unterscheiden sind Zwei- oder Drei-Stufen-Pillen, die Östrogen und Gestagen in verschiedenen Abstufungen innerhalb eines Zyklus enthalten.

Mikro-Pillen enthalten Östrogen und Gestagen in sehr niedriger Dosierung (Östrogen unter 50 µg, in einigen Ultra-Leicht-Präparaten sogar unter 20 µg). Zwei- und Drei-Stufen-Pillen gehören zu den Mikro-Pillen.

Sicherheit der Pille

Die Sicherheit eines Verhütungsmittels wird durch den so genannten Pearl-Index angegeben. Dieser besagt, wie viele von 100 Frauen, die sich auf dieses Mittel verlassen, innerhalb eines Jahres ungewollt schwanger werden.

Beispiel: Werden innerhalb eines Jahres 2 von 100 Frauen ungewollt schwanger, beträgt der Pearl-Index 2. Zum Vergleich: Der Pearl-Index von ungeschütztem Geschlechtsverkehr wird auf 80 beziffert.

Pillen, die Östrogen und Gestagen enthalten, haben einen Pearl-Index von ca. 0,5. Einige Quellen nennen allerdings auch einen Pearl-Index von bis zu 2. Der Pearl-Index der Minipille wird mit 2 angegeben.

Die Sicherheit der Pille kann durch Durchfall oder Erbrechen, durch Vergessen der Einnahme oder durch bestimmte Medikamente (z.B. Antidepressiva, auch pflanzliche, oder Antibiotika) beeinträchtigt werden. Ist der Verhütungsschutz einmal nicht mehr sicher, sollte die Pille trotzdem weiter genommen werden, um Zyklusstörungen zu verhindern.

Bei Durchfall oder Erbrechen innerhalb von vier Stunden nach Einnahme der Pille können die Hormone der Pille möglicherweise nicht vollständig vom Körper aufgenommen werden. Dann sollte die Frau innerhalb von 12 Stunden eine zusätzliche Pille aus der Reservepackung nehmen. Halten die Beschwerden länger an, muss bis zur nächsten Periode ein ergänzendes Verhütungsmittel, z.B. Kondome, benutzt werden.

Innerhalb von 12 Stunden (Minipille: 2 Stunden) kann eine vergessene Pille nachgenommen werden, die folgende dann wieder zur gewohnten Zeit. Wurde die Einnahme länger vergessen, ist der Verhütungsschutz bis zur nächsten Periode nicht mehr gegeben. Dann muss zusätzlich verhütet werden.

Bei Einnahme von anderen Medikamenten sollte immer mit dem Frauenarzt besprochen werden, ob die Pille noch voll wirksam ist.

Das Kondom

Das Kondom ist nicht so sicher wie die Pille (Pearl-Index 1 bis 14), was u.a. mit Fehlern in der Anwendung zusammenhängt. Dafür hat es einen Vorteil gegenüber allen anderen Verhütungsmethoden: Es bietet auch Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie AIDS, Syphilis oder Hepatitis B.

Allerdings ist auch dieser Schutz nicht absolut sicher. Besser als gar kein Schutz ist das Kondom jedoch allemal.

Das Kondom muss gleich zu Beginn des Liebesspiels bis zu den Schamhaaren auf das erigierte Glied abgerollt werden. Beim Auspacken und Abrollen muss darauf geachtet werden, das Kondom nicht durch Fingernägel oder scharfkantigen Schmuck zu beschädigen.

Ein häufiger Fehler besteht auch darin, dass der Mann den Penis zu lange nach dem Erguss in der Scheide lässt. Er sollte das Glied möglichst bald nach seinem Höhepunkt herausziehen und dabei das Kondom am Ring festhalten, sodass es nicht abrutscht.

Wenn man aus Versehen das Kondom falsch herum aufgesetzt und abgerollt hat, sollte man unbedingt ein neues verwenden. Selbstverständlich kann man jedes Kondom nur einmal benutzen.

Beim Kauf von Kondomen sollte man auf Markenprodukte sowie auf das Haltbarkeitsdatum achten. Kondome können bei zu langer Lagerung sowie bei Hitze oder Kälte brüchig werden.

Wer Gleitmittel zusammen mit Kondomen verwenden will, muss spezielle fettfreie Mittel nehmen. Öl- oder fetthaltige Produkte wie Vaseline oder Babyöl weichen das Latex auf. Dasselbe gilt für manche Scheidenzäpfchen oder Medikamente, die an den Geschlechtsorganen angewendet werden.

Kondome werden in der Regel aus Latex hergestellt. Für Menschen, die auf Latex allergisch reagieren, gibt es in der Apotheke auch latexfreie Kondome.

Die Spirale

Die Spirale gibt es in zwei wesentlichen Varianten: als "klassische" Kupfer-Spirale (auch Intrauterinpessar genannt) oder als Hormonspirale (auch Intra-Uterin-System, IUS, genannt). Beide werden vom Frauenarzt in die Gebärmutter eingesetzt, meist während der Periode.

Die klassische Spirale besteht aus einem Kunststoffkörper, der mit Kupferdraht umwickelt ist. Sie gibt permanent geringe Mengen Kupfer in die Gebärmutter ab.

Das Kupfer soll die Spermien in ihrer Beweglichkeit beeinträchtigen und so eine Befruchtung der Eizelle verhindern. Die Form der Spirale behindert das Einnisten der Eizelle, falls es doch zu einer Befruchtung gekommen ist.

Der Pearl-Index der Kupfer-Spirale beträgt 1 bis 3. Sie ist vor allem empfehlenswert für Frauen, die schon einmal schwanger waren und kann bereits während der Stillzeit (ab sechs bis acht Wochen nach der Geburt) verwendet werden. Die Wirkung hält, je nach Modell, drei bis fünf Jahre an.

Die Hormonspirale ist ähnlich geformt wie die Kupferspirale. Sie gibt jedoch nicht Kupfer, sondern Gestagen ab.

Das Gestagen hemmt den Eintritt der Spermien in die Gebärmutterhöhle sowie deren Beweglichkeit, falls sie dennoch durchkommen. Die Form behindert das Einnisten einer befruchteten Eizelle.

Der Pearl-Index der Hormonspirale wird mit 0,1 angegeben und ist damit ebenso niedrig wie bei einer Sterilisation. Die Wirkung hält bis zu fünf Jahre an.