Verschiedenes auf dem Verhütungssektor

Der Ring

Seit Anfang 2003 ist ein Hormonpräparat in Form eines Kunststoffrings in Deutschland auf dem Markt. Er wird in die Vagina eingeführt und gibt dort, wie die Kombi-Pille, Östrogen und Gestagen ab.

Die Hormone werden über die Schleimhaut der Vagina aufgenommen. Die Hormondosis ist niedriger als bei der Pille. Durch die kontinuierliche Freisetzung treten keine Hormonschwankungen auf.

Der Ring hat einen Durchmesser von 5,4 cm und eine Stärke von 4 mm. Er ist sehr flexibel. Zum Einsetzen wird er zusammengedrückt und so in der Scheide platziert, wie es am bequemsten ist.

Nach drei Wochen wird der Ring entfernt, eine Woche später wird ein neuer eingesetzt. Der Ring kann täglich für bis zu drei Stunden herausgenommen werden, ohne dass der Verhütungsschutz beeinträchtigt wird.

Beim Geschlechtsverkehr kann der Ring in der Vagina bleiben, 80 Prozent der Frauen spüren ihn dabei nicht. Auch der Mann spürt den Vaginalring beim Geschlechtsverkehr meist nicht.

Die Sicherheit ist hoch: Der Hersteller gibt einen Pearl-Index von 0,24 bis 1,41 an. Die Wirkung des Vaginalrings wird durch Erbrechen oder Durchfall nicht beeinflusst. Medikamente wie z.B. Antibiotika oder Johanniskraut können die Wirksamkeit jedoch beeinträchtigen.

Das Pflaster

Die neueste Entwicklung auf dem Gebiet der hormonellen Verhütungsmittel ist ein Depotpflaster, das Östrogen und Gestagen abgibt. Es ist in Deutschland seit August 2003 auf dem Markt.

Das Pflaster ist 4,5 x 4,5 cm groß. Es wird auf Bauch, Po oder Oberarm geklebt und verbleibt dort eine Woche lang. Nach jeweils drei Wochen mit Pflaster gibt es eine pflasterfreie Woche.

Der Hersteller verspricht, dass das Pflaster auch unter extremen Bedingungen wie Sauna, Schwimmbad, Sport, Whirlpool hält. Es kann sich allerdings lösen, wenn die Klebefläche mit Öl oder Creme in Verbindung kommt.

Das Kleben eines neuen Pflasters kann bis zu 24 Stunden (doppelt so lange wie die Mikropille) vergessen werden, ohne dass der Empfängnisschutz leidet, verspricht der Hersteller. Nicht geeignet ist das Pflaster für stark übergewichtige Frauen.

Als mögliche Nebenwirkung des Pflasters werden Hautreizungen an der Klebestelle angegeben. Erbrechen und Durchfall haben auf die Sicherheit keinen Einfluss, Medikamente wie z.B. Antibiotika oder Johanniskraut können die Wirkung jedoch beeinträchtigen.

Der Pearl-Index wird mit 0,1 bis 0,6 angegeben, somit ist das Pflaster sehr sicher. Vor allem die Toleranz gegenüber Vergessen wird als Vorteil gegenüber der Pille gesehen.

Depotspritzen

Diese Methode gibt es schon länger. Dabei spritzt der Arzt Hormone in den Gesäß- oder Oberarmmuskel. Sie bieten für einen bzw. drei Monate Verhütungsschutz.

Die Ein-Monats-Spritze enthält Östrogen und Gestagen. Sie unterdrückt den Eisprung.

Die Drei-Monats-Spritze enthält nur Gestagen. Dieses unterdrückt in den ersten vier bis acht Wochen den Eisprung und bremst dauerhaft das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut sowie die Befruchtungsfähigkeit von Spermien.

Die Depotspritzen sind allerdings nicht ohne Nebenwirkung. Häufig treten in der Anfangsphase Schmierblutungen und Durchblutungsstörungen auf.

Zudem bleibt nach der fünften oder sechsten Spritze die Regel ganz aus. Diese Wirkung kann auch nach dem Absetzen länger andauern. Daher wird die Depotspritze vor allem Frauen über 40 Jahren empfohlen, die keine Kinder mehr bekommen wollen. Auch für Frauen, die sehr unzuverlässig bei der Einnahme der Pille sind (z.B. bei stark verminderter Intelligenz oder psychiatrischen Erkrankungen), gilt die Depotspritze als geeignet.

Für Frauen, die Östrogen nicht vertragen, ist die Drei-Monats-Spritze eine mögliche Alternative zur Minipille. Zudem ist sie eine Möglichkeit für Frauen, die das Implantat (siehe nächstes Kapitel) in Betracht ziehen, eine Verhütung mit Gestagen in Depotform auszuprobieren.

Der Pearl-Index der Depot-Spritzen beträgt 0,4 bis 2. Ihre Wirkung kann durch Medikamente beeinträchtigt werden.

Das Implantat

Es hat etwa die Form eines Streichholzes und wird unter örtlicher Betäubung in den Oberarm eingesetzt. Es verhütet drei Jahre lang eine Schwangerschaft durch ein Gestagen. Diese Möglichkeit der Verhütung ist seit Mitte 2000 in Deutschland verfügbar.

Das Hormon wird seit längerem in verschiedenen Antibabypillen eingesetzt. Es verhindert den Eisprung und verändert die Beschaffenheit des Gebärmutterschleims.

Die Nebenwirkungen sind vergleichbar mit denen der Antibabypille bzw. der Drei-Monats-Spritze. Allerdings soll nach dem Entfernen des Stäbchens eine Schwangerschaft sehr schnell möglich sein.

Der Pearl-Index wird mit 0 bis 0,1 angegeben. Damit ist das Hormonstäbchen so sicher wie eine Sterilisation.

Da die Kosten für das Implantat und das Einsetzen durch den Arzt verhältnismäßig hoch liegen, sollte der Einsatz des Hormonimplantats gut überlegt sein. Es kann zwar problemlos bei Kinderwunsch oder Unverträglichkeit entfernt werden, doch das Geld ist dann verloren.

Frauen, die sich für diese Methode der Verhütung interessieren, wird häufig geraten, erst einmal mit einer Drei-Monats-Spritze die Verträglichkeit von Depot-Gestagenen auszuprobieren.

Zukunftsmusik: "Pille für den Mann"

Weltweite Studien besagen, dass eine Mehrheit der Männer bereit wäre, ein Verhütungsmittel zum Einnehmen zu verwenden - wenn es denn eines gäbe. Die Industrie arbeitet mit Hochdruck daran, doch bislang gibt es nur erste Tests.

Die Anforderungen an ein Verhütungsmittel für den Mann sind hoch: Es soll die Zeugungsfähigkeit blockieren (aber nur während der Anwendung!), ohne die sexuelle Funktionsfähigkeit zu beeinträchtigen.

Die meisten Versuche zielen auf den Hormonhaushalt des Mannes. Die Produktion von Spermien soll unterdrückt werden.

Erfolgversprechend scheint eine Kombination aus Progestin - einer synthetischen Variante des weiblichen Sexualhormons Progesteron - und dem männlichen Hormon Testosteron zu sein. Das Progestin soll die Spermaproduktion stoppen, das zusätzliche Testosteron einen Mangel an diesem Hormon ausgleichen.

Das Progestin kann z.B. durch eine Drei-Monats-Spritze zugeführt werden, das Testosteron durch ein Vier-Monats-Implantat. Erste Versuche waren erfolgreich, und die Männer waren innerhalb weniger Monate nach dem Absetzen wieder zeugungsfähig.

Manche Hersteller versprechen auch eine Hormon-Pille für den Mann bis etwa 2008.

Daneben gibt es Versuche, die Spermien in ihrer Beweglichkeit oder Form so zu beeinträchtigen, dass sie nicht mehr befruchtungsfähig sind. Diese Methoden kommen ohne Hormone aus.

Ihre Wirkung soll beim Absetzen der Mittel wieder vergehen. Aber auch sie stehen bestenfalls in den ersten Testphasen.