Was ist Osteoporose?

Die Ursachen

Bis zum Alter von etwa 30 Jahren wird im menschlichen Organismus stetig Knochenmasse aufgebaut. Mit weiter zunehmenden Alter (etwa ab dem 35. bis 40. Lebensjahr) überwiegen dann Abbauvorgänge, bei denen jährlich ein bestimmter Prozentsatz an Knochenmasse verloren geht.

Dieser Vorgang ist natürlich und findet bei jedem Menschen statt. Je weniger Knochenmasse jedoch in jungen Jahren aufgebaut wurde, umso schneller führt der im Alter stattfindende Knochenabbau in einen Bereich, in dem das Knochengerüst instabil wird. Der Knochenstoffwechsel ist unter anderem hormonellen Steuerungen, vor allem durch das Östrogen unterworfen.

Die Osteoporose ("Knochenschwund") ist also eine Erkrankung des Knochensystems. Sie kann örtlich begrenzt auftreten oder aber auch das gesamte Skelettsystem betreffen.

Im Hinblick auf die Ursachen unterscheidet man die primäre von der sekundären Osteoporose.

Primäre Osteoporose (generalisierte oder idiopathische Osteoporose)

Dies ist die bei weitem häufigste Form der Osteoporose (ca. 95 % der Fälle). Sie betrifft meist Frauen ab den Wechseljahren (Menopause), bedingt durch den direkten Zusammenhang zwischen dem sinkenden Hormongehalt in den Wechseljahren und dessen Einwirkung auf den Knochenstoffwechsel.

Sekundäre Osteoporose

Wenn Osteoporose als Folge einer anderen Erkrankung auftritt, spricht man von der "sekundären Osteoporose". Solche anderen (Primär-) Erkrankungen können z. B. sein:

  • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • Schilddrüsen-Überfunktion
  • entzündliche Systemerkrankungen (d.h. den ganzen Körper betreffend)
  • Überfunktion der Nebennierenrinde (Überproduktion des Nebennierenrindenhormons Cortisol)
  • Inaktivität (z.B. Bettlägerigkeit)
  • Mangelernährung
  • Alkoholismus
  • Rauchen

Risikogruppen

Von der Erkrankung Osteoporose sind zwar auch Männer betroffen, jedoch in weit höherem Maße Frauen, und vor allem Frauen, die ihre letzte Regelblutung (Menstruation) bereits hinter sich haben (Menopause). Das liegt daran, dass die Eierstöcke nach Ende der Gebärfähigkeit erheblich weniger Östrogen produzieren, ein Hormon, das unter anderem für die Erhaltung der Knochenmasse sorgt.

Daneben begünstigen folgende Faktoren die Entstehung der Osteoporose:

  • lange Bettlägerigkeit,
  • Bewegungsmangel,
  • calciumarme Ernährung,
  • ständiger Alkoholkonsum,
  • länger andauernde Behandlung mit Kortisonpräparaten,
  • Zuckerkrankheit,
  • chronische Bronchitis,
  • Nieren- oder Schilddrüsenstörungen,
  • familiäre Vorbelastung.

Häufigkeit

In Deutschland ist ein Anteil von etwa 10 % der Bevölkerung von Osteoporose betroffen. Bei Frauen schätzt man, dass jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens eine Osteoporose entwickelt, die allerdings nicht unbedingt durch Beschwerden in Erscheinung treten muss. Derzeit schätzen Experten, dass bis zu 80 % aller Osteoporose-Kranken in Deutschland nicht erkannt - und damit auch nicht behandelt werden.

Insgesamt wird die Osteoporose aufgrund des steigenden Durchschnittsalters der Bevölkerung in Zukunft auch noch an Häufigkeit zunehmen.

Krankheitszeichen (Symptome)

Das langsame Schwinden der Knochenmasse verursacht zunächst keine Beschwerden, wird also von den Betroffenen zunächst gar nicht bemerkt.

Im Laufe der Zeit kann es jedoch zu Einbrüchen von Wirbelkörpern kommen. Dadurch können heftige Rückenschmerzen entstehen, die mit der Zeit chronisch werden, weil sich die gesamte Wirbelsäule verbiegt und deshalb erhebliche Verspannungen in der Muskulatur auftreten.

Die Wirbel verformen sich derart, dass sie nach vorn keilförmig zulaufen können (Keilwirbel). Die Dornfortsätze sind druck- und klopfschmerzhaft und die Wirbelgelenke in ihrer Beweglichkeit erheblich eingeschränkt.

Das alles hat zur Folge, dass die Osteoporosekranken mit der Zeit einen ausgeprägten Rundrücken bekommen. Auch die Körpergröße der Erkrankten geht zurück.

Außerdem werden die Knochen, vor allem an Armen und Beinen, zunehmend spröder und brechen bereits bei verhältnismäßig geringen Belastungen. Typisch sind in diesem Zusammenhang der Schenkelhalsbruch des Oberschenkelknochens und der Bruch der Speiche neben dem Handgelenk (Radiusfraktur).

Erkennung (Diagnose)

Besteht der Verdacht auf eine Osteoporose, wird der Arzt zunächst nach anderen Osteoporosefällen in der Familie fragen und eventuelle andere Erkrankungen abklären, die zu Osteoporose führen können.

Insbesondere müssen Erkrankungen ausgeschlossen werden, die - ebenso wie die Osteoporose - aufgrund eines verminderten Gehalts an Mineralien in den Knochen bei der Röntgenuntersuchung vermehrt Strahlen durchlassen und so zu einer "falsch-positiven" Osteoporose-Diagnose führen können; dazu gehören verschiedene Krebserkrankungen, andere Erkrankungen des Knochenstoffwechsels und verschiedene Erbkrankheiten.

Nach der körperlichen Untersuchung des Patienten wird Blut abgenommen und eine Röntgenaufnahme angefertigt, bei der sich in fortgeschrittenen Stadien typische Veränderungen nachweisen lassen.

Möglicherweise wird auch eine Messung der Knochendichte durchgeführt, für die es inzwischen verschiedene zuverlässige und genaue Methoden gibt. In speziellen Fällen können weitere labortechnische oder apparative Untersuchungen erforderlich sein.

Behandlung (Therapie)

Als Grundlage der Behandlung der Osteoporose wird der Arzt eine Kost verordnen, die reich an Calcium und Vitamin D ist. Wenn der Normalbedarf an Calcium nicht auf dem regulären Weg über die Nahrungsaufnahme gedeckt werden kann oder aus anderen Gründen ergänzt werden muss, wird der Arzt auch Calcium- oder Vitamin D-Präparate verordnen.

Normalbedarf an Calcium:

  • Erwachsene: 1000 mg pro Tag
  • Frauen nach den Wechseljahren: 1200 bis 1500 mg pro Tag

Daneben gibt es eine Reihe weiterer Substanzen zur medikamentösen Therapie, die teilweise gezielt bei bestimmten Patientengruppen oder Verlaufsformen eingesetzt werden:

Bisphosphonate

Bisphosphonate sind knochenstärkende Mittel ohne Hormonwirkung. Auf längere Sicht verringern sie den Knochenabbau und senken so das Risiko für Knochenbrüche. Das Risiko für Knochenbrüche wird normalerweise um etwa 50 % gesenkt, also nicht insgesamt ausgeschaltet.

Östrogene

Östrogene sind weibliche Geschlechtshormone. Sie werden bei Frauen nach den Wechseljahren eingesetzt und sollen einen Schutzeffekt auf die Knochen haben. Dies konnte in etlichen Studien bestätigt werden. Wegen der möglichen Komplikationen einer Östrogentherapie wollen aber viele Frauen diese Therapiemöglichkeit nur ungern nutzen.

Calcitonin

Calcitonin ist ein Mittel, das den Knochenabbau hemmt, ohne jedoch den Krankheitseffekt des Knochenabbaus bei Osteoporose im Sinne eines "Wiederaufforstens" umkehren zu können. Calcitonin verringert außerdem die Schmerzen bei Knochenbrüchen. Es wird hauptsächlich bei Frauen nach den Wechseljahren, teilweise aber auch bei Männern, angewandt.

Mit den heute verfügbaren Medikamenten hat die Osteoporose im Grunde eine gute Prognose. Sogar im Fall der schweren Osteoporose kann die Knochendichte im allgemeinen stabilisiert oder verbessert und damit das Risiko von Knochenbrüchen um 50 % gesenkt werden. Patienten mit leichter oder beschwerdefreier (asymptomatischer) Osteoporose haben sogar eine ausgezeichnete Prognose.

Vorbeugung (Prophylaxe)

Regelmäßige und ausgiebige Bewegung ist eine der wichtigsten Vorbeugemaßnahmen zur Verhinderung der Osteoporose. Durch die Muskeltätigkeit und die Belastung der Knochen wird der Knochenaufbau angeregt. Dies erklärt auch, warum es umgekehrt bei langer Bettlägerigkeit oder Ruhigstellung von Gliedmaßen (Gipsverband) zu einem Verlust von Knochenmasse kommen kann.

Genauso wichtig wie die Bewegung ist eine calcium-, mineralstoff- und vitaminreichen Kost. Nichtrauchen und die Vermeidung von exzessivem Alkoholgenuss sind weitere wichtige Maßnahmen der Vorbeugung. Diese Maßnahmen sollten schon in der Jugend beachtet werden, damit man bis zum 35. Lebensjahr eine möglichst hohe Knochenmasse aufgebaut hat. Denn eine hohe Knochenmasse bietet den besten Schutz gegen Osteoporose.

Frauen in den Wechseljahren sollten mit ihrem Arzt sprechen, ob bei ihnen eventuell eine Hormonbehandlung erforderlich ist. Für Frauen nach den Wechseljahren empfiehlt sich eine Messung der Knochendichte, bevor über die Frage einer Hormonbehandlung entschieden wird.

Wenn jedoch die Diagnose "Osteoporose" bereits gestellt ist, sollten folgende Tipps und Hinweise beachtet werden:

  • Alkoholkonsum einschränken und Rauchen einstellen. Bei Rauchern ist der jährliche Knochenverlust doppelt so hoch wie bei Nichtrauchern.
  • Einrichtung zu Hause so gestalten, dass Stürze vermieden werden (z.B. gute Beleuchtung, keine Teppichläufer). Etwa 5 % der Stürze im Haushalt führen zu Knochenbrüchen, und etwa 20 % davon sind Oberschenkelhalsbrüche.
  • Keine schweren Gewichte heben.
  • Vorsicht mit Medikamenten, die die Reaktionsfähigkeit einschränken.
  • Flache, rutschfeste Schuhe tragen. Auf die richtige Brille achten, damit das räumliche Sehen nicht eingeschränkt oder verzerrt wird.
  • Spezielle Hüftschutzpolster unter der Kleidung können das Risiko eines Oberschenkelhalsbruchs bei einem Sturz verringern.

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