Wenn "Mann" nicht mehr so kann

Erektion und Impotenz

Die Erektion des Mannes ist ein komplexer Vorgang. Am Anfang steht die sexuelle Erregung, die im Gehirn stattfindet. Über die Nerven wird ein Signal gegeben, das im Penis ein bestimmtes Enzym aktiviert.

Dieses bewirkt eine Erschlaffung der Schwellkörper-Muskulatur. Als Folge strömt mehr Blut in die Schwellkörper. Gleichzeitig werden die Venen, die das Blut aus dem Penis leiten, zusammengepresst, sodass sich das Blut im Penis staut: Eine Erektion entsteht.

Nach dem Orgasmus lässt zum einen der Blutzustrom nach, zum anderen wird ein weiteres Enzym, die so genannte Phosphodiesterase-5 (PDE-5) aktiviert. Diese erweitert die Venen, sodass das gestaute Blut aus dem Penis strömt, die Erektion lässt nach.

Die Erektion ist also interessanterweise ein Entspannungs-Vorgang. An ihrem Auf- und Abbau sind zahlreiche Hormone und Botenstoffe (u.a. Testosteron, Serotonin, Dopamin, Oxytocin) beteiligt.

Von erektiler Dysfunktion (Impotenz) spricht der Mediziner, wenn über mindestens ein halbes Jahr in der Mehrzahl der Fälle (etwa drei Viertel) keine ausreichende Erektion für einen Geschlechtsverkehr zustande kommt.

Das bedeutet gleichzeitig: Wenn es nur gelegentlich nicht klappt, ist das noch kein medizinisches Problem.

Häufigkeit und Ursachen

Das Risiko für eine erektile Dysfunktion steigt mit dem Alter. So sind nur ca. 2 Prozent der Männer bis 40 Jahre davon betroffen, aber über 18 Prozent der Männer um 60 und fast drei Viertel der Männer um 80.

Psychische Ursachen wie Stress, Sorgen, Partnerschaftsprobleme, Depression oder Ängste sind in ca. 20 Prozent der Fälle der Auslöser. In diesem Fall kann eine (Einzel- oder Paar-)Psychotherapie helfen.

In ca. 80 Prozent der Fälle finden sich körperliche Ursachen, z.B.

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck und Arteriosklerose, etwa durch zu hohen Cholesterinspiegel oder Diabetes.
  • Erkrankungen des Nervensystems, etwa Parkinson oder Multiple Sklerose.
  • Nervenschäden, etwa durch Bandscheibenvorfälle, Verletzungen des Rückenmarks, Operationen von Prostata, Blase oder Darm sowie auch als Folge von Diabetes.
  • Nebenwirkungen von Medikamenten, etwa gegen Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder auch Psychopharmaka.
  • Hormonelle Störungen.
  • Missbrauch von Alkohol, Nikotin, Drogen.
  • Leber- und Nierenleiden.

Dabei sind Gefäßerkrankungen und Diabetes die häufigsten körperlichen Auslöser. Umgekehrt bedeutet dies, dass erektile Dysfunktion immer auch ein Alarmsignal für eine ernsthafte Erkrankung sein kann.

Daher: Zum Arzt (Urologe oder Androloge) gehen, Ursache abklären!

Potenz-Pillen

Am einfachsten für den Patienten sind sicher Arzneimittel zum Einnehmen. Seit Viagra® (Wirkstoff: Sildenafil) auf den Markt kam, haben die Potenzmittel viel von ihrem "Schmuddel-Image" verloren.

Inzwischen gibt es mit Tadalafil (Cialis®) und Vardenafil (Levitra®) zwei Konkurrenzprodukte mit ähnlicher Wirkung auf dem Markt.

Alle drei gehören zur Gruppe der PDE-5-Hemmer, d.h. sie blockieren das erektionsvermindernde Enzym PDE-5. Sie verbessern also die Stärke und Dauer der Erektion - sie wirken also nur, wenn der Mann sexuell stimuliert ist und die sexuell wichtigen Nerven intakt sind.

Da die drei Mittel in ihrer Wirkung, ihrem Nebenwirkungsprofil und im Preis ähnlich sind, sollte Mann in Rücksprache mit dem Arzt ausprobieren, was am besten wirkt und am besten vertragen wird.

Diese Arzneien sind verschreibungspflichtig: Zum einen soll der Betroffene zum Arzt gehen, um die Ursache abzuklären, zum anderen können die Arzneien auch Nebenwirkungen haben und dürfen in manchen Situationen nicht genommen werden.

Zwischen 2001 und 2005 waren darüber hinaus Mittel mit dem Wirkstoff Apomorphin erhältlich, der im Gehirn wirkt. Da sie die Verkaufserwartungen nicht erfüllten, wurden sie wieder vom Markt genommen.

Weitere Hilfen

Wenn Tabletten nicht genommen werden dürfen oder nicht wirken (z.B. weil die Leitung der Nervenimpulse zum Penis nicht mehr funktioniert), kann man es mit Injektionssystemen versuchen.

Dabei wird der Wirkstoff (meist Alprostadil) direkt mit einer extrem dünnen Nadel in den Penis injiziert oder in die Harnröhre eingebracht. Er lässt die Schwellkörper-Muskulatur erschlaffen und führt so zu einer Erektion - auch ohne jeglichen Nervenimpuls.

Auch diese Hilfen sind verschreibungspflichtig.

Frei verkäuflich sind dagegen mechanische Hilfen: Vakuumpumpen oder Penisringe können helfen, den Widerstand der Schwellkörper-Muskulatur zu überwinden bzw. eine einmal erreichte Erektion länger zu halten. Sie sind dann geeignet, wenn andere Methoden nicht angewendet werden dürfen oder nicht helfen.

Unter den natürlichen Potenzmitteln gibt es lediglich für Yohimberinde (Yohimbin) Studien, die eine Wirksamkeit belegen können. Der Wirkstoff soll sowohl auf das Zentrale Nervensystem als auch auf den Penis direkt wirken. Er wird meist regelmäßig eingenommen.

Alle anderen angeblich potenzwirksamen Naturwirkstoffe wie Potenzholz (Muira Puama), Damiana, Spanische Fliege (Cantharis), Rinderhoden und andere mehr oder minder exotische Zutaten sind, so z.B. "Öko-Test", ihr Geld nicht wert.

Dagegen spricht nichts gegen einen Versuch mit ätherischen Ölen wie Rose, Ylang-Ylang, Jasmin oder Sandelholz, die in Form von Duftölen, als Massage- oder Badezusatz mehr Lust machen sollen. Scharfe Gewürze wie Chili, Ingwer oder Zimt im Essen sollen die Durchblutung fördern.