Der Beipackzettel (2)

Was sind Nebenwirkungen?

Jeder Stoff kann mehrere Wirkungen im Körper haben. Schließlich ist der Organismus ein komplexes Zusammenspiel von zahllosen Faktoren.

Medikamente sind auf eine - erwünschte - Hauptwirkung hin entwickelt worden. Die anderen Effekte einer Arznei sind dementsprechend unerwünscht, häufig auch unangenehm.

Während der klinischen Erprobung vor der Zulassung eines Arzneimittels werden auch die Nebenwirkungen eingehend erforscht. Auf dem Beipackzettel müssen alle Nebenwirkungen erwähnt werden, die jemals aufgetreten sind - auch wenn sie nur sehr selten beobachtet wurden.

Diese Vorschrift hat zwei Funktionen: Zum einen wird dem Patienten nichts verschwiegen. Zum anderen sichert sich der Hersteller dadurch gegen mögliche Klagen ab.

Generell gilt: Ein Arzneimittel wird nur dann zugelassen, wenn (Haupt-)Wirkung und Nebenwirkungen in einem vertretbaren Verhältnis zueinander stehen.

Die Häufigkeit von Nebenwirkungen

So mancher Patient hat schon einmal ein Arzneimittel unbenutzt weggeworfen, weil er die genannten Nebenwirkungen fürchtete. Dazu muss man jedoch wissen, dass z.B. "gelegentlich" in der Sprache der Beipackzettel für ein ziemlich geringes Risiko steht.

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine bestimmte Nebenwirkung auftritt, wird nicht in Prozentzahlen angegeben. Statt dessen gibt es einige Schlüsselwörter, die die Häufigkeit bezeichnen:

  • "Häufig" heißt eine Nebenwirkung bereits, wenn sie mehr als 10% der Behandelten betrifft.
  • "Gelegentlich" besagt, dass 1 bis 10% der Patienten betroffen sind.
  • "Selten" bedeutet, dass die unerwünschte Wirkung in 0,1 bis 1% der Fälle auftritt.
  • "Sehr selten" sind Nebenwirkungen, die seltener als bei 0,1% beobachtet wurden.
  • "In Einzelfällen" bezeichnet Nebenwirkungen, deren Wahrscheinlichkeit 1 : 1.000.000 beträgt.

Auch derart seltene Erscheinungen müssen erwähnt werden. Gegebenenfalls muss der Hersteller sogar im Nachhinein seinen Beipackzettel ändern, wenn eine Nebenwirkung erst nach der Zulassung bekannt wird.

Ebenso wichtig: Wechselwirkungen

Wechselwirkungen sind etwas anderes als Nebenwirkungen: Sie werden durch die Anwendung mehrerer Mittel ausgelöst.

Wenn man zwei oder mehr Medikamente einnimmt, können sie sich gegenseitig in ihrer Wirkung beeinflussen. Das führt dazu, dass sie nicht mehr so wirken, wie sie sollen.

Es kann dazu kommen, dass die Arzneien stärker wirken. Das kann z.B. daran liegen, dass beide in der Leber abgebaut werden. Wenn die Leber nun zwei Wirkstoffe gleichzeitig abbauen muss, bleiben beide länger im Körper - und wirken dementsprechend stärker.

Aber auch der entgegengesetzte Fall ist möglich: Zwei Medikamente heben sich in ihrer Wirkung gegenseitig auf. Oder es treten ganz neue Effekte auf, die weder das eine noch das andere Mittel allein auslösen könnte.

Je mehr Arzneien man nimmt, umso wahrscheinlicher ist es, dass es zu Wechselwirkungen kommt. Vielfach sind Wechselwirkungen bekannt und im Beipackzettel beschrieben.

Wechselwirkungen vermeiden

Wenn von Wechselwirkungen die Rede ist, gibt es (fast) nichts, was man von vornherein vernachlässigen kann! Sogar bestimmte Nahrungsmittel können Wechselwirkungen mit einigen Medikamenten haben.

Aufgrund der großen Anzahl von Medikamenten und der noch viel größeren Zahl möglicher Kombinationen sind sicher noch nicht alle Wechselwirkungen von Medikamenten untereinander oder mit Lebensmitteln bekannt.

Durch einige einfache Regeln kann man aber das Risiko für Wechselwirkungen deutlich reduzieren:

  • Man sollte immer dem Arzt und Apotheker sagen, welche Medikamente man bereits einnimmt. Dazu gehören sowohl Mittel, die ein anderer Arzt verordnet hat, ebenso wie rezeptfreie pflanzliche Arzneimittel.
  • Weiterhin sollte man Arzneimittel generell mit Wasser einnehmen. Nicht nur Alkohol, sondern auch Getränke wie Kaffee, Milch oder Grapefruitsaft können erheblichen Einfluss auf die Wirkung von Medikamenten haben.

In einem gesonderten Kapitel des Arzneimittel-Führerscheins werden mögliche Wechselwirkungen zwischen Medikamenten bzw. Medikamenten und Nahrungsmitteln ausführlich behandelt.

Dosierungsanleitung & Haltbarkeit

In den klinischen Studien zur Zulassung eines Arzneimittels ist auch erforscht worden, wann und wie man das Mittel am besten einnimmt. Vorschriften wie vor dem Essen bzw. nach dem Essen, zerkaut, mit viel Flüssigkeit etc. sollen für eine optimale Wirksamkeit und Verträglichkeit des Medikaments sorgen.

Der Arzt kann in Einzelfällen andere Anweisungen geben. Wenn jedoch nichts anderes festlegt ist, sollten die Anweisungen des Beipackzettels eingehalten werden.

Auch Arzneimittel können verderben. Sie verlieren dann ihre Wirkung oder entwickeln neue, unerwünschte Wirkungen. Deshalb ist auch für Medikamente ein Haltbarkeitsdatum angegeben. Nach diesem Verfallsdatum sollten sie nicht mehr angewendet werden.

Zusätzlich gibt es z.B. bei Nasen- oder Augentropfen noch eine Haltbarkeit, die meist wenige Tage oder Wochen nach Anbruch der Flasche endet. Nach dieser Zeit können z.B. aus der Luft so viele schädliche Keime in die Tropfen gelangt sein, dass diese mehr Schaden als Nutzen anrichten.