Grundsätzliche Einnahmetipps

Wann nimmt man Medikamente?

Grundsätzlich gilt: Zu den Zeiten, die der Arzt verordnet hat. Wenn er keine besonderen Vorschriften macht, gelten die Angaben des Beipackzettels. In der Theorie klingt das schön einfach, aber die Praxis sieht viel zu oft anders aus.

Tests haben festgestellt, dass viele Patienten ihre Medikamente nicht nach Vorschrift einnehmen. Damit wird jedoch nicht nur der Erfolg der Therapie in Frage gestellt, sondern man kann sich sogar selbst gefährden, wenn man die nötigen Medikamente nicht oder falsch einnimmt.

Deshalb sollte man auf keinen Fall eigenmächtig ein Arzneimittel absetzen oder die Dosis bzw. den Einnahmezeitpunkt verändern. Wenn man Bedenken hat, sollte man den Arzt darauf ansprechen. Nur in Absprache mit ihm kann die Therapie geändert werden.

Ein Beispiel dafür ist die Behandlung mit Antibiotika. Viele Patienten setzen die Arznei ab, wenn sie sich "wieder besser fühlen". Doch dann sind noch nicht alle Bakterien abgetötet worden. Die überlebenden Erreger können gegen das Mittel unempfindlich (resistent) werden - und dann sind sie viel schwerer zu bekämpfen. Antibiotika sollten daher immer genommen werden, bis die Packung aufgebraucht ist, außer der Arzt hat eine andere Dauer für die Therapie vorgegeben.

Regelmäßige Einnahme

Viele Arzneien wirken nur dann richtig, wenn sie regelmäßig eingenommen werden. Für einige, wie z.B. die Antibabypille, ist sogar die genaue Tageszeit wichtig, deshalb muss bei Fernreisen in andere Zeitzonen die Einnahmezeit angepasst werden.

Die regelmäßige Einnahme soll bewirken, dass immer genügend Wirkstoffe im Körper sind. Wenn die Wirkstoffmenge beispielsweise innerhalb von zwölf Stunden unter den erforderlichen Wert fällt, muss man eine Arznei morgens und abends nehmen.

Es hilft dann nichts, morgens oder abends die doppelte Dosis einzunehmen: Der Körper wäre in den ersten zwölf Stunden überversorgt (verstärkte Nebenwirkungen drohen) und in den folgenden zwölf Stunden unterversorgt (die Krankheit wird nicht ausreichend bekämpft).

Insbesondere bei Retard- bzw. Depot-Arzneien sollte auch ein konstanter Abstand zu den Mahlzeiten eingehalten werden. Die Nahrungsmittel können den Langzeit-Effekt beeinflussen. Ein gleichbleibender Abstand hält diesen Einfluss einigermaßen konstant.

Wer Probleme hat, seine Arzneien regelmäßig zu nehmen, kann in der Apotheke eine Pillenbox erwerben, die mit Signaltönen an die fällige Einnahme erinnert.

Vor oder nach dem Essen?

Das ist von dem jeweiligen Arzneimittel abhängig. Der Arzt wird entsprechende Vorschriften machen, ansonsten gelten die Vorgaben des Beipackzettels. Einige grundsätzliche Regeln:

Medikamente, die schnell wirken sollen, nimmt man vor dem Essen. Bei leerem Magen werden sie schneller verarbeitet.

Arzneien, die den Magen reizen, nimmt man besser nach dem Essen. Die Nahrung macht solche Mittel besser verträglich.

Arzneimittel, die als "magensaftresistent" bezeichnet werden, geben ihre Wirkstoffe nicht im Magen, sondern erst im Darm frei. Entweder muss der Magen vor den Wirkstoffen oder der Wirkstoff vor der Magensäure geschützt werden. Solche Arzneien nimmt man am besten vor dem Essen, damit sie schnell im Darm ankommen.

Arzneimittel, die von Nahrungsmitteln nicht beeinflusst werden (aber nur solche!), können zum oder nach dem Essen genommen werden - dann vergisst man sie nicht. Man sollte vorher den Arzt oder Apotheker fragen, ob dies bei dem jeweiligen Medikament möglich ist.

Was heißt "vor" bzw. "nach dem Essen"?

Dazu gibt es eine einfache Faustregel:

  • "Vor den Mahlzeiten" bedeutet eine Stunde vorher.
  • "Nach den Mahlzeiten" heißt zwei Stunden später.

Der Einfluss der Tageszeit

Ob ein Arzneimittel gut wirkt, kann durchaus von der Tageszeit abhängen, da es im Stoffwechsel ein Auf und Ab von Enzymen und Botenstoffen gibt. Einige Beispiele seien hier genannt:

Morgens

Ab 6 Uhr schaltet der Körper auf "Aufstehen", d.h. er erhöht den Blutdruck und die Herzfrequenz. Deshalb sollte man sofort wirkende blutdrucksenkende Arzneien jetzt einnehmen, Abweichungen s.u..

Von 7 bis 9 Uhr produziert der Körper selbst am meisten Kortison. Er wird dann am besten mit Kortison aus Medikamenten fertig. Daher sollte man in diesem Zeitraum die gesamte Tagesdosis einnehmen - Ausnahme: Asthmapatienten (s.u.).

Zur Vorbeugung vor Rheumabeschwerden, die eher am späten Nachmittag auftreten, sollten die Medikamente morgens genommen werden.

Abends

Einige Stunden nach der letzten Mahlzeit sollte man Arzneimittel gegen zu viel Magensäure nehmen, denn die Magensäureproduktion ist abends höher als morgens.

Mittel gegen Haut- und Haarprobleme (Akne, Schuppenflechte, Haarausfall) sollen am besten wirken, wenn man sie in den Abendstunden aufträgt.

Schmerzmittel mit Acetylsalicylsäure (ASS) sind abends am besten verträglich.

Vor dem Schlafengehen

Heuschnupfen, Allergien und Asthma sind zwischen 4 und 5 Uhr nachts am schlimmsten bzw. gefährlichsten. Die Atemwege sind in dieser Zeit am engsten und die körpereigene Produktion entzündungshemmender Hormone ist auf dem niedrigsten Stand. Deshalb sollte man Antihistaminika, Asthma-Medikamente und auch Kortison gegen Asthma zur Vorbeugung abends einnehmen.

Blutdrucksenkende retard-Arzneien nimmt man abends ein. Sie haben einen Verzögerungseffekt, d.h. sie entfalten ihre Wirkung morgens, wenn sie am meisten benötigt werden.

Rheumamedikamente sind abends besser verträglich und können Beschwerden am nächsten Morgen verringern.

Opiate, z.B. zur Behandlung von Krebsschmerzen, sollten abends höher dosiert werden als tagsüber.

Bei allen Fragen zur richtigen Einnahme von Arzneimittel steht Ihnen Ihr Apotheker als Fachmann gerne zur Verfügung.