Wechselwirkungen mit Nahrungsmitteln

Besonders bedenklich

Unter den Nahrungs- und Genussmitteln, die unerwünschte Wirkungen bei der Einnahme bestimmter Medikamente hervorrufen, werden einige immer wieder genannt. Allen voran natürlich Alkohol: Er kann die Wirkung von Arzneimitteln vermindern oder unkontrolliert verstärken; manchmal erhöht er auch die unerwünschten Nebenwirkungen.

Fast genauso kritisch ist ein Getränk, das allgemein mit Gesundheit in Verbindung gebracht wird: Grapefruitsaft. Experten vermuten: Er hemmt ein bestimmtes Enzym, das für den Abbau von Medikamenten im Körper verantwortlich ist. Fest steht: Viele Medikamente wirken mit Grapefruit oder bitterer Orangenmarmelade stärker - um bis zu 30 %!

Koffein und Gerbsäure (Tannin) können einen starken Einfluss auf die Wirkung von Arzneien haben. Kaffee sowie schwarzer oder grüner Tee sind deshalb mit Vorsicht zu genießen. Man sollte seinen Arzt oder Apotheker fragen, ob sich diese Getränke mit den verordneten Mitteln vertragen.

Übrigens: Auch Rauchen kann die Wirkung von Medikamenten beeinträchtigen. Im Folgenden seien einige Wirkstoffgruppen und die jeweils kritischen Nahrungsmittel kurz aufgeführt.

Antibiotika bis Antidepressiva

Antibiotika (Mittel zur Bekämpfung von bakteriellen Infektionen, z.B. Tetracyclin, Penicillin): Milch und Milchprodukte zwei Stunden vor bis zwei Stunden nach der Einnahme meiden. Das Calcium kann sich mit den Wirkstoffen verbinden und sie unwirksam machen. Gyrasehemmer werden in ihrer Wirkung durch Koffein beeinträchtigt.

Antimykotika (Anti-Pilz-Mittel, z.B. Ketoconazol, Nystatin): Milch und Milchprodukte mindestens eine Stunde vor bis eine Stunde nach der Einnahme meiden.

Abführmittel: Falls der Arzt nichts anderes sagt, sollte man Milch erst nach der Einnahme trinken. Außerdem kann es zu Problemen mit der Resorption (Aufnahme) der fettlöslichen Vitamine A, D, E und K kommen.

Entwässerungsmittel (Diuretika): Kaffee, Tee, Schokolade, Kakao und Lakritze können zum übermäßigen Verlust des lebenswichtigen Minerals Kalium führen.

Antidepressiva (z.B. MAO-Hemmer): Eiweißhaltige Lebensmittel, die länger gelagert wurden, z.B. Käse, Joghurt, Salami, Salzheringe, Hefe (also auch Bier, ob mit oder ohne Alkohol!), Sauerkraut, enthalten viel Tyramin. Dieses kann hier den Blutdruck gefährlich in die Höhe treiben.

Schmerzmittel bis Kortison

Schmerzmittel (z.B. Acetylsalicylsäure, Paracetamol): Alkohol sowie Fruchtsäfte mit starken Säuren sind tabu. Acetylsalicylsäure nicht auf nüchternen Magen einnehmen, um die Magenschleimhaut nicht zu gefährden.

Antiallergika/Antihistaminika (Mittel bei Allergien/Heuschnupfen): Alkohol ist absolut tabu, zwei Stunden vor bis zwei Stunden nach der Einnahme auch Grapefruit und ihr Saft. Beides kann die müde machende Wirkung der Arzneien verstärken und das Herz aus dem Takt bringen.

Asthmamedikamente (z.B. Theophyllin, Ephedrin): Auch hier ist Alkohol verboten. Koffein sollte man meiden - in jedem Fall eine Stunde vor bis eine Stunde nach der Anwendung, am besten jedoch ganz. Es kann die Wirkung der Mittel unkontrolliert verstärken, was besonders kritisch für Patienten mit hohem Blutdruck ist. Rauchen kann die Wirkung der Mittel völlig zunichte machen.

Kortison (Entzündungshemmer): Lebensmittel mit einem hohen Natriumgehalt sollten gemieden werden. Da Natrium im Wesentlichen als Kochsalz vorkommt, bedeutet das eine salzarme Ernährung. Ansonsten sind Störungen der Funktion von Magen oder Nieren möglich.

Eisen bis Blutverdünner

Eisenersatzpräparate (bei Blutarmut, in der Schwangerschaft): Wenn man dazu Kakao, Kaffee oder Tee trinkt, gelangt das Eisen nicht vollständig in den Körper, sondern wird z.T. von den Gerbstoffen gebunden und ausgeschieden. Außerdem kann es zu Verstopfung kommen. Eisen beeinflusst seinerseits die Aufnahme anderer Substanzen in den Körper, z.B. Vitamin C.

Medikamente zur Entlastung des Herzens: Hier ist Natrium, d.h. Kochsalz, gefährlich, weil es den Blutdruck steigert und das Herz belastet. Andere Arzneien können durch Herzmittel in ihrer Wirkung beeinträchtigt werden.

Blutdrucksenker (z.B. Beta-Blocker, Nifedipin): Grapefruit und Bitterorangenmarmelade sind streng tabu! Sie verstärken die Wirkung der Medikamente, was den Blutdruck zu stark abfallen lässt. Anderes Obst sollte zwei Stunden vor bis zwei Stunden nach der Einnahme gemieden werden. In Kombination mit Schokolade können Blutdrucksenker zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel führen.

Blutverdünner (zur Vorbeugung vor Thrombosen und Infarkt): Vitamin K, das für die Blutgerinnung verantwortlich ist, beeinträchtigt die Wirkung der Arzneien. Vitamin-K-haltige Lebensmittel wie Spinat, Rosenkohl, Brokkoli, alle Kohlsorten, Sauerkraut, Feld- und Kopfsalat, Erbsen, Bohnen, Spargel, Innereien und Eigelb sind zu reduzieren.

Weitere Arzneien

Beruhigungsmittel: Koffeinhaltige Getränke sowie Alkohol können die Wirksamkeit der Medikamente senken.

Osteoporose-Mittel mit Fluor (zur Stärkung der Knochen): Calcium ist zwar ebenfalls wichtig, beeinträchtigt aber beim direkten Zusammentreffen die Wirkung der Fluoride. Daher sollte man zwei Stunden vor bis zwei Stunden nach der Einnahme calciumreiche Lebensmittel, d.h. vor allem Milch und Milchprodukte, meiden.

Antirheumatika (z.B. Ibuprofen): Gemüsesäfte, Zitrusfrüchte oder belastende Speisen meiden. Rheumamedikamente können ihrerseits die Wirkung anderer Arzneien beeinträchtigen.

Antazida (Magensäure-Senker): Viele enthalten Aluminiumverbindungen. Diese können mit Zitronensäure (in Zitrusfrüchten, Limonade oder Wein) reagieren und zu Vergiftungserscheinungen führen. Durch die Absenkung des Säuregehalts im Magen wird die Aufnahme von Eisen in den Körper behindert. Daher sollte man auf eine eisenreiche Kost achten.

Antibabypille: Wenn die Verwenderin gleichzeitig raucht, erhöht sich das Risiko für Thrombosen.

Bei allen Fragen zu Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln und Nahrungs- bzw. Genussmitteln steht Ihnen Ihr Apotheker als Fachmann gerne zur Verfügung.